Von León nach Villar de Mazarife (879 m)

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Von León nach Villar de Mazarife (879 m)
Villar de Mazarife, Spain

Villar de Mazarife, Spain


Wir widmen diesen Tagesabschnitt unserem Sohn Eric.
Den kompletten Weg widmen wir unserer Freundin Christine und wünschen Ihr gute Genesung.

Wetter: sonnig und angenehm warm

Im Hotel Tryp León schlafen wir fest wie ein Stein, so dass uns der Wecker um 6:30 Uhr regelrecht aus dem Tiefschlaf reisst, obwohl wir gestern schon um 22:00 Uhr in den Federn waren.

Um viertel vor acht waren wir dann startklar und suchen uns eine nette Cafe-Bar um eine Kleinigkeit zu frühstücken. Zwei ältere, nett gekleidete Damen schnatterten lautstark und unentwegt. Sie unterhalten den Bar-Keeper und uns. Wir haben die Geräuschkulisse in der Bar für die Diashow aufgezeichnet. 🙂

Kurz danach gehen wir am Parador San Marcos vorbei, ein imposantes Gebäude auf dessen großem Platz eine Pilgerstatue zu ein paar Erinnerungsfotos einlädt.

Es ist irgenwie schön, wenn eine große Stadt erwacht. Kinder laufen in ihren Schuluniformen vorbei. Polizisten regeln mit lauten Trillerpfeifen und wilden Gesten den Verkehr. Alles ist so lebendig.

Wir kommen an einigen bewohnten Erdhäusern vorbei, denen man am Camino desöfteren begegnet. Besonders schönes Fotomotiv, weil im Vordergrund gerade der Klatschmohn blüht.

Nach etwa 1h Gehzeit erreichen wir die sagenumwobene ‚Virgin del Camino‘ (Jungfrau des Weges), eine Kirche, die in der Region hoch verehrt wird. Im Jahr 1505 soll eine Jungfrau einem Hirten erschienen sein. Sie versprach, an der Stelle, auf die er einen Stein werfe, werde eine Kapelle entstehen. Der moderne Kirchenbau stammt aus den 60er Jahren und ist in seiner an Le Corbusier angelehnten Beton-Ästhetik eher umstritten. Um so mehr überrascht der aufwändig gearbeitete Barockaltar aus dem 18. Jahrhundert mit einer Mariendarstellung aus dem 16. Jahrhundert.

Vor der Kirche versammeln sich viele Schulkinder mit Fahnen und selbstbemalten Plakaten, die dazu einladen, ein Foto zu machen. Die Lehrerin positionierte die Kinder ordentlich in Zweierreihen, die sich sofort wieder auflöst, als ich anfange Fotos zu schiessen.
In wenigen Augenblicken verwandelt sich die ganze Ordnung in einen wild schreienden Haufen und die Kinder rufen mir lauthals ‚BON CAMINO!!!‘ zu. Ein Augenblick, bei dem man unweigerlich Gänsehaut bekommt.

Auf dem Vorplatz der Kirche legen wir eine kurze Rast ein, verwerfen das übelschmeckende Hotelwasser und ersetzen es durch das wohlschmeckende Wasser vom Brunnen.

Unterwegs plaudern wir kurz mit Annette aus Schweden, sie läuft sehr langsam und hat eine Kompresse am linken Knie. Sie erzählt uns, dass sie mit 17 kg Gepäck in Saint-Jean-Pied-de-Port losgelaufen war und dann aber 8 kg wieder nach Hause geschickt hat, weil sie körperliche Probleme bekommen hatte. Deshalb auch der Verband am Knie.

Zwischen ‚Chazas de Abajo‘ und ‚Villar de Mazarife‘ kommt uns eine riesengroße Schafherde entgegen, die den ca. 5 Meter breiten Weg, auf einer Länge von mehreren hundert Metern einnimmt. Es müssen viele hundert Schafe gewesen sein. Ich werde davon ein Video auf Youtube hochladen, sobald ich eine schelle Internet-Verbindung habe.

Wir machen Rast in der Bar von Chozas de Abajo und treffen die Schwedin wieder und eine Deutsche, die mit ziemlicher Sicherheit eine Latein-Lehrerin ist. Name (noch) unbekannt.
In der Bar bestellen wir Café con Leche, eine Cola und na? …. Richtig: Tortilla de Patata.

Nach der kleinen Stärkung dauert es noch 1h bis wir um ca. 15.00 Uhr an unserer Wunsch-Albergue ‚Jesus‘ ankommen. Eine wunderschöne, gemütliche Albergue, mit einem gemütlichen Garten, einem tollen Innenhof, einem kleinen Pool ohne Wasser darin. Die Wände sind von den Pilgern bunt bemalt und wer ein freies Fleckchen findet, darf sich mit einem Spruch oder Gemälde selbst darauf verewigen. Um alles zu lesen bräuchte man wahrscheinlich mehrere Tage. Die Albergue erinnert ein wenig an unsere frühere Hippie-Zeit 🙂

Wir dürfen uns ein Einzelzimmer mit Doppelbett heraussuchen, ein Luxus, den man sicherlich nicht oft bekommt. Pro Person für 5 Euro.

Wir schreiben unser Reisetagebuch im schönen, gemütlichen Garten.

Am Abend bestellen wir in der Herberge ein 3-Gänge-Pilgermenü für 8,50 €, bestehend aus Vorspeise (Spaghetti), Hauptgang (Schnitzel natur mit Bratkartoffeln) und einen Nachtisch (Flan, das ist ein Pudding mit Karamell- und Schokoladensoße mit einem Sahnehäubchen) …. hmmm, lecker und satt vertreten wir danach noch unsere Beine im Dorf und lernen beim Fotografieren der Störche noch einen Einheimischen namens Jesus kennen, der selbst fotografiert und uns erzählt, das man um 20:00 Uhr das beste Licht hat. Bei laufendem Motor zeigt er uns aus seinem weißen Transporter alle seine Fotos, die er je in seinem Leben gemacht hat. Hier im Ort scheinen alle Jesus zu heissen.

Am Kirchplatz wieder eine Pilgerstatue, Sabine will sich mit ihr ablichten lassen, da hilft der 60-jährige Karl-Heinz aus Offenbach auf die Statue und nimmt ihr freundlicherweise die störende Fleecejacke ab.
Er erzählt uns seine leidensvolle Geschichte über seine Blasen. Gesprächsthema Nr. 1 auf dem Jakobsweg. 🙂

Selten haben wir 24 km so leicht verdaut. Wir klopfen auf Holz und hoffen, dass das morgen wieder so leicht von den Füßen geht.

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van der Voorden PHOTOGRAPHY
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