Von Astorga nach Rabanal del Camino (1162 m)

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Von Astorga nach Rabanal del Camino (1162 m)
Rabanal del Camino, Spain

Rabanal del Camino, Spain


Diesen Streckenabschnitt widmen wir unseren Geschwistern. Lieber Rainer, Yvonne &amp; Miriam. Bleibt gesund. Bleibt wie Ihr seid!

Um ca. 5.30 Uhr werden wir von einem Handy geweckt, das im 5 Minuten Takt klingelt.
Wir hatten die Wanderschuhe noch im Knoblauchzimmer der 2. Etage stehen. Die Luft da oben ist zum Schneiden, gut dass wir gestern noch umgezogen sind.
Den Frühstückstisch teilen wir mit einer Frau aus Slowenien. Sie war am Vortag über 30 km gegangen. Entsprechend müde wirkt sie. Vielleicht konnte sie auch wegen der Düfte und Geräusche im 2. Stock nicht schlafen.
Der Camino ist wieder direkt an der Albergue. Nach ca. 30 Minuten sehen wir am linken Wegesrand die hübsche Kapelle ‚Ermita del Ecce Homo‘, einziges Ueberbleibsel eines Pilgerhospitals aus dem 15. Jh. , liegen. Diese lädt zu einem Besuch ein, weil die Türen bereits am frühen Morgen geöffnet sind. Wir zünden eine Kerze an und halten kurz inne. Wir denken an Personen die uns nahe stehen oder gestanden haben.

Im nächsten Ort sind die beiden Neuseeländerinen Debbie und Adea gerade fertig mit dem Frühstück in einer Bar.
Ab jetzt gleicht der Camino einer Pilgerautobahn von etwa zwei Metern Breite. Der Weg ist landschaftlich herrlich aber sehr belebt, wahrscheinlich, weil in Astorga zwei Pilgerhauptwege aufeinander treffen. Rechts und links des Weges blüht der Ginster in warmen, gelben Farbtönen. Daneben der Lavendel mit seinem kräftigen violett.
Nach 2 h erreichen wir ‚Santa Catalina de Somoza‘, wo wir unsere bekannte Kombination bestellen (siehe Vortag und davor oder Foto). Die Neuseeländerinnen sind jetzt in Begleitung von zwei männlichen sprachgleichen Weggefährten.
Kurz bevor wir uns auf den Weg machen wollen, hören wir am Nachbartisch einen Dialekt, der uns nicht fremd ist. Ich spreche die beiden jungen Frauen an mit dem Satz: ‚Kummt Ihr aus Rauebeiig oder Moolscheberg?‘
Die Beiden bleiben lachend stehen und erwidern: ‚A heer, des gibds doch net, isch bin aus Philipsbuig, awwa moin Freund kummt aus Rauebeeig!‘
Jaaa…die Welt auf dem Camino ist ein Dorf!‘ 🙂

Der Weg ist nun wieder wie ein Pilgerhighway. Heute sind wir alles andere als einsam. Uns überholt eine 50-köpfige, italienische Wandergruppe mit Tagesrucksack. Alle haben dasselbe hellblaue Tuch umgebunden (Foto). Man kann sich vorstellen, welche Geräuschkulisse uns für eine Weile umgibt. Wir lassen die Meute ziehen, denn spätestens übermorgen, wenn sich die ersten Blasen einstellen, werden wir sie wieder einholen.
Wir kommen nach El Ganzo, wo eine sehr originelle Bar, ganz im Western-Stil eingerichtet ist. Der Wirt stempelt mit einer guten Show und lautem Getöse die Pilgerpässe ab (siehe Video).
Ich unterhalte mich in der Bar eine ganze Weile mit einem Einheimischen namens Toni. Er hat viele Jahre als Maurer in der Schweiz gearbeitet und spricht schwitzerdütsch. Zum totlachen, leider nicht ganz jugendfrei, sonst könnte ich es hier schreiben Diese Bar ist ein MUSS zum Pausieren.
Wir warten in der Bar bis der Regen- und Hagelschauer vorbei ist. Kaum hat der schweizsprechende Spanier die Bar verlassen, kommt ein Pilger mit schweizer Fahne am Pilgerstab wehend, in das Lokal gelaufen. Situationskomik per Excellence.
Wieder so eine Fügung, dass mich Toni so gut gelaunt unterhalten hat, sonst wären wir durch den Schauer klitschnass geworden.
Im Lokal kommen auch noch ein Holländer und zwei Holländerinen hinzu. Eine davon in Rotterdam geboren. Er kommt aus Amsterdam. Ein netter Plausch noch und dann geht es wieder weiter. Es fängt nochmal kurz an zu regnen. Zur Vorsicht ziehen wir Regenhose und Poncho an.
Wieder Gienster und Lavendel soweit das Auge reicht, dann an einem Waldesrand entlang. Der Weg mündet in eine Fahrstrasse, welcher wir mehr oder we***** nah folgen. Der Weg zweigt ab und geht an einem Zaun entlang bergauf. Auf dem Camino wäre ein Zaun kein Zaun, wenn er nicht vollgespickt wäre mit Kreuzen aus Holz, Plastik, Schnüren, defekten Fahrradschläuchen, Halmen, Blumen, Blättern, usw. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Wir folgen ein Stück der Fahrstrasse bis an unser heutiges Etappenziel. Heute hatten wir sehr wenig Probleme mit dem Laufen, obwohl die Entfernung rund 22 km waren.

In der Albergue ‚El Tesin‘ treffen wir wieder auf das Berliner Paar und dem ältern Paar aus Thüringen oder Sachsen, das werden wir noch herausfinden. Wir teilen uns ein 6-Bett-Zimmer.

Nach dem kurzen Mittagsschlaf schlendern wir noch durch die Gassen des bezaubernden Dorfes. Die Häuser sind kunstvoll aus Stein gebaut. Man könnte meinen, es wurde kein Mörtel oder Zement verwendet.

Die Australierin Paula sitzt auf der Bank und wir wechseln noch ein paar Worte mit ihr. Wir besichtigen die Albergue, die uns Corinna empfohlen hat, wir aber mangels WLAN nicht genommen haben.

In einem Hotel gibt es das obligatorische 3-Gänge-Pilgermenü – diesmal mit Gemüsepfanne, Maccaroni, Lachs mit Pommes, Flan, Wasser &amp; Rotwein für ganze 10 Euro.

Wetter: Teils sonnig, teils bewölkt, Schauer, Hagel, Gewitter. Es war fast alles geboten

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van der Voorden PHOTOGRAPHY
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