Von Cacabelo nach Trabadelo (500 m)

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Von Cacabelo nach Trabadelo (500 m)
Trabadelo, Spain

Trabadelo, Spain


Trotz der 2 Meter hohen Trennwände hören wir neben uns einen Spaniener lauthals, mit rauchiger, tiefer Stimme sprechen. Wir sind ihm aber nicht sehr böse, denn es ist bereits 6.00 Uhr und der Camino wird zunehmends voller. Vermutlich haben sich viele Menschen überlegt, das heilige Jahr zu überspringen, denn einige, die 2010 gelaufen sind, berichten, dass es jetzt voller auf dem Camino ist. Die Jagd auf ein freies Bett wird also immer grösser, je näher es auf Santiago zugeht.
In der Albergue übernachten Denise, Dieter alias Heinz Erhardt, Rita und Wolfgang aus Berlin, Lou aus Brasilien, sonst gibt es noch einige Holländer, Oesterreicher, Spanier, Taiwanesen, die alle namenlos sind. Die unangenehm laute Oesterreicherin von gestern schlief auch hier. Wir frühstücken noch unser selbstbesorgtes Frühstück (Baguette mit Käse) und trinken dazu einen Cappuccino aus dem Automaten.
Zunächst geht der Jakobsweg ein Stück an der Strasse den Berg hinauf. Nach dem nächsten Ort Pereje gibt es zwei Alternativen: Strasse oder Berge? Antwort: Berge!
Dieser Weg lohnt sich, ist wunderschön und auch für kraftvolle Radfahrer geeignet. Er führt über die Weinberge deren Rebstöcke nicht, wie bei uns, angebunden sind. In Spanien sind es quasi freilaufende Rebstöcke und werden sehr wahrscheinlich nicht automatisch abgeerntet, sondern liebevoll von Hand gepflückt. Der Pilgerwein, der hier zum Pilgermenü gereicht wird, schmeckt uns außerordentlich gut.
Ueber den Hügel geht es abwärts nach Villafranca del Bierzo. Auf dem Dorfplatz laden viele Restaurants zu einem Frühstück ein. Wir bestellen Spiegeleier mit Speck und einen Kaffee dazu. Herrlich!
Dieter aus Hannover und die beiden ‚Berliner Kinder‘ kommen kurze Zeit später, setzen sich an den Nachbartisch und bestellen dasselbe. Wir sehen uns noch Villafranca an und schlendern gemütlich durch die Gassen. Villafranca del Bierzo wird im Mittelalter auch Klein-Compostela genannt, da kranke und schwache Pilger, die die Wallfahrt nicht fortsetzen konnten, hier ihre Compostala erhielten.
Wir wollen gerade Villafranca verlassen, kommt Lou aus Brasilien langsamen Schrittes an. Sie hat mit einer Artrose im Fußgelenk zu kämpfen und schickt, auf Anraten des Arztes, Ihren schweren Rucksack mit einem Schuttleservice zum nächsten Zielort. Ihr Gesicht ist schmerzverzerrt und sie leidet merklich. Sie ist an Ihrem Ziel. Wir verabschieden uns mit Küsschen und ziehen weiter über die Brücke stadtauswärts.
Nun gibt es wieder zwei Möglichkeiten: An der Strasse entlang oder den ‚camino duro‘ .. zu deutsch ‚harter/schwere Weg‘, ist nun die Frage. Wir laufen bis zum Ortsausgang und merken, dass hier etwas nicht stimmen kann, denn an der Strasse sehen wir keinen Abzweig, wie im Buch beschrieben. Wir fragen einen Einheimischen nach dem ‚camino duro‘. Er pustet kräftig , schüttelt den Kopf und macht dazu eine Geste, die uns verrät, wir sollen diesen Weg lieber meiden, weil er wirklich hart und nur für gut geübte Pilger zu empfehlen ist. Das steht auch so im Reiseführer und der Mann schickt uns den ganzen Weg wieder zurück bis zur Brücke.
Auf dem Rückweg kommt uns Dieter entgegen, der uns verrät, dass er die Straßenvariante nimmt. Unterwegs decken wir uns sicherheitshalber mit einer großen Flasche Wasser und etwas Schokolade ein. Wieder an der Brücke angekommen, sehen wir Denise aus Deutschland, die uns einen Blick in eine neuere Auflage des Roter Wanderführers gestattet. Mit Hilfe dieser Beschreibung war der Einstieg dann zu finden.
Die Rampe am Anfang hatte eine Steigung von geschätzten 25%. Im Nu haben wir 150 hm überwunden. Die ersten Blicke runter auf Villafranca sind sehr schön.
Kurze Zeit später, es ist das letzte Haus im Ort, kommen plötzlich zwei wild kläffende Köter auf uns zugerannt und halten uns bellend in Schach. Schritt für Schritt setzen wir voran, aber das Bellen wir immer lauter. Nach gefühlten 5 Minuten schaut die Hundebesitzerin hinter dem Vorhang hervor und schreit: ‚Stona, Stona‘ und macht dazu werfende Handbewegungen.
Ich bücke mich, um einen Stein vom Boden aufzuheben. Wie von der Tarantel gestochen, verschwinden die Mistviecher mit panischer Angst ins Gebüsch. Das Werfen kann ich mir sparen.

Es geht weiter steil hinauf durch einen mystischen Hohlweg, der uns sofort an die Ueberfälle von Räubern erinnert. Im Mittelalter wurden auch tatsächlich viele Pilger überfallen und beraubt. Gerade in dieser Gegend. Immer weiter geht es nach oben. Heidekraut, Lavendel, Ginster säumen den Weg und viele Schmetterlinge flattern umher. Landschaftlich jetzt ein Traum. Insbesondere wenn man zurückschaut auf Villafranca. Kurz vor dem Gipfel, der auf 981m Höhe liegt, machen wir eine lange Rast, ziehen die Wanderschuhe aus, und machen Picknick und geniessen die Sonne. Am Wegesrand machen die Menschen kleine Kunstwerke aus Stein mit Texten darauf.
Wir durchqueren einen beeindruckenden Esskastanienwald. Eine halbe Stunde später geht es dann steil hinab nach Trabadelo. Der Abstieg dauert nochmal eine 3/4 Stunde. Auf dem ganzen camino duro laufen wir mutterseelenallein. Wo sind nur die vielen Pilger geblieben?

Dann wieder der Ablauf: Einchecken, duschen, waschen, ruhen, schreiben. Ein sehr schönes und einfaches Leben.

In der Herberge treffen wir Dieter. Er erzählt uns, dass Rita und Wolfgang auch über Berge gelaufen sind. Sie übernachten in einem Hostel, in dem wir uns um 19.00 Uhr zum Essen verabreden.

Das stilvolle Restaurant wird von Holländern bewirtschaftet. Man kommt gleich ins Gespäch. An unseren Tisch sitzt Monika aus Rostock, die bereits gegessen hat. Sie leistet uns aber noch weiter Gesellschaft. Das Pilgermenü ist wieder mal eine Wucht.
Vorspeise: Mais-Paprika-Suppe. Sehr lecker!
Zweiter Gang: Forelle gebraten mit braunen Erbsen, Bratkartoffeln und Salat.
Dazu gibt es wie immer 2 Flaschen Rotwein und 2 Flaschen Wasser.
Zum Nachtisch bestellen wir Crepe bzw. Jogurt mit Haselnuss und Honig. Ich bekam einen holländische Crepe mit Hagelslag (holl. Schokostreusel, Foto) und einem Klecks Sahne. Zum Schluss gab der Wirt noch eine Runde Esskastanienschnaps aus. Und das alles zusammen für 9 €.

Kann man da meckern¿

Es war ein sehr geselliger und lustiger Abend!

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van der Voorden PHOTOGRAPHY
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