Von Calvor nach Morgade (660 m)

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Von Calvor nach Morgade (660 m)
Morgade, Spain

Morgade, Spain


Heute dürfen wir nach Herzenslust mit unseren Tüten rascheln. Schlangestehen an der Dusche? … Fehlanzeige! Um 7.00 Uhr werden wir wach, weil wir ausgeschlafen sind. Die Schalldämpfer blieben im Kulturbeutel. Wir kommen uns vor wie zwei Luxuspilger, die fernab vom Büßerpfad übernachten, aber dem ist nicht so.
Gut, es ist teurer als 5 €, das ist aber auch der einzige Wehrmutstropfen.
Wir verabschieden uns von der Herberge mit einer schönen Melodie aus der Spieluhr (Video) und einem Eintrag ins Gästebuch (Foto).

Unser erstes Frühstück besteht aus einem Automatenkaffee con leche, ein paar Keksen und etwas Baguette mit Käse aus unserem Rucksack.

Wir steigen wieder in den camino ein. Ab Galicien kommt alle 500 Meter ein Stein mit der Kilometerangabe nach Santiago de Compostela. Der Countdown läuft: Nur noch 124 Kilometer.

Der Pfad läuft jetzt in einem deutlichen Abstand parallel zur Straße bis nach Sarria. In das Centro urbano kommt man über eine Treppe mit vielen Stufen. Um unseren Koffeinhaushalt wiederherzustellen, verweilen wir in einem netten Café in der Rúa Maior, wo rechts und links der Straße herrschaftliche Häuser aus dem 18. Jh stehen. Die Altstadt zieht sich den ganzen Hügel hinauf. An der anderen Seite geht es wieder runter an einer Schule vorbei. Schulkinder bereiten einen Auftritt mit Musik und Regenschirmen auf dem Schulhof vor (Video). Die beiden Lehrerinnen haben Mühe, den wusseligen Haufen junger Schüler zu koordinieren.
Letztes schönes Bauwerk in Sarria ist eine alte romanische Brücke (Video), bevor wir auf einem schönen Waldpfad weiter wandern.
Wir laufen unter einer Autobahn hindurch, die auf riesigen Stelzen steht und überqueren sogleich einen Bahnübergang.
Dann wieder ein relativ steiler Aufstieg auf einem Pfad, der von alten, großen und knorrigen Bäumen bestückt ist.

Es geht immer weiter bergauf. Kurz vor der Anhöhe werden wir von einem älteren Herrn angesprochen, ob wir nicht die schöne Kirche abseits des Weges anschauen möchten. Wir gehen mit zur Iglesia de Santiago de Barbadelo. Eine schlichte schöne Kirche. Wir zünden nochmal eine Kerze an. Wir verweilen etwas und lassen uns beim Verlassen der Kirche noch einen Stempel geben.

Sabine denkt den ganzen Aufstieg schon an eine gekühlte Cola. Es dauert nicht lange und oben auf dem Berg finden wir eine personalfreie Bar (Automat). Ich werfe 1,20 € ein und drücke die Nummer 51 für Cola, aber nichts passiert. Ich will schon weiterlaufen, weil ich denke, der Automat sei defekt. Sabine entdeckt dann noch die magische ‚Start‘-Taste und die Cola kommt auf wundersame Weise doch noch aus dem Schlund. Wer ahnt schon, dass es Automaten gibt, die wie Windows aufgebaut sind und alles über Start geht?!

Mit neuer Energie geht’s weiter aufwärts. Wir erreichen eine Landstraße, die wir überqueren. 100 Meter weiter eine Bar. Das passt, denn wir haben Hunger. In der Bar gibt es leckeren Kaffee, Tortilla und Cola. Zum Nachtisch gibt’s noch eine Tafel Schokolade. Zu Hause würde uns schlecht werden, aber hier war die ganze Tafel im Nu verschwunden.
Es geht weiter hügelig auf und ab. Eine Landschaft wie im Bilderbuch. Hin und wieder ein kleiner Weiler, durch den man geht.

Höhepunkt des Tages ist die Ueberschreitung der 100 km Marke (Foto).

Kurz danach kommt eine Bar namens ‚Casa Morgade‘, die auch Zimmer und Betten anbietet. Wir lassen uns die Zimmer zeigen. Uns gefällt es hier sehr gut und wir entscheiden uns zu bleiben. Es ist bereits 16.30 Uhr, wenn wir weiter gehen würden, bestünde die Gefahr, kein Bett mehr zu bekommen.

In Morgada ist der Internet-PC defekt, deshalb muss ich mit meinem HTC auf den Berg steigen, um die Bilder und Videos loszuwerden. Ich komme mir vor, wie der Geschäftsmann bei dem französischen Pilgerfilm, der sein Telefon hoch in die Luft hält, um den bestmöglichen Empfang zu haben.

Die vorbeilaufenden Pilger denken bestimmt, ich hab sie nicht mehr alle. 🙂

Am Tisch gegenüber sitzt eine 12-köpfige ‚Wandergruppe‘ aus Nürnberg. Es gibt ein Fahrertrupp, der die Wanderer, die nicht mehr laufen können oder wollen, vom per Handy ausgemachten Ort, abholt. Sie laufen das 12. Jahr in Etappen von Nürnberg ans Kap Finisterre, allerdings nur mit Tagesrucksack. Die dicken Koffer fahren von Hostel zu Hostel.
Sie unterscheiden sich von den ‚echten Pilgern‘ insofern, als dass sie geschminkt, mit roten Fußnägeln und Abendgardarobe am Essenstisch sitzen.

Am Abend gibt es wieder ein Menü mit Wasser und Wein. Als Betthupferl gibt es noch einen Kräuterschnaps (Foto). Salud!

Wetter: Sonnig und warm

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van der Voorden PHOTOGRAPHY
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