Von Morgada nach Hospital da Cruz (680 m)

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Von Morgada nach Hospital da Cruz (680 m)
Hospital Da Cruz, Spain

Hospital Da Cruz, Spain


6 Einzelbetten stehen im Zimmer, davon sind 5 belegt. Es war wieder eine erholsame Nacht. Vom Aufbruch der anderen 3 Personen bekommen wir nicht viel mit. So langsam mutieren wir zu Luxuspilgern. So verwöhnt sind wir von unseren letzten Herbergen. Erst um 8:15 Uhr sitzen wir am Frühstückstisch. Die große Wandergruppe aus Nürnberg ist auch noch da.

Nach dem Packen unseres Haushalts in den Rucksack machen wir uns auf den Weg. So spät war’s noch nie. Die große Gruppe versammmelt sich auf einer Wiese zur kleinen Morgenandacht.

Der Weg geht nochmals hinauf über einen zerfallenen Karrenweg. Wahrscheinlich wurde der Weg durch einen heftigen Regenguss weggespült.

Der Weg ist fantastisch. Lose aufeinander gesetzte Steine bilden kilometerlange Steinmauern, die rechts und links den Weg zieren. Überwältigend.

Uns holt die Großwandergruppe wieder ein. Im gleichen Augenblick kommen zwei Radpilger freundlich grüßend vorbei. Eine der Damen der großen Wandergruppe beschwert sich über die Radfahrer: ‚Warum müssen die den schmalen, steinigen Weg nehmen?‘ . Ich antworte: ‚Das ist der camino und der ist auch für Radfahrer da!‘ …. ‚Ja, aber … blablabla!‘ Dann erwähnt eine Mitpilgerin der Gruppe mit etwas schadenfreudigem Unterton, dass wegen ihr gestern ein Radpilger im Graben gelandet sei.
Bevor ich mich mit den Damen in die Wolle kriege, erhöhen wir lieber das Tempo, um den negativen Schwingungen zu entkommen. Würde zu gerne wissen, was sie bei der Morgenandacht verlesen haben. Soviel zum Thema gegenseitige Rücksichtnahme und Nächstenliebe.

Die nächste größere Stadt ist Portomarin. Wir überqueren den Rio Miño über eine Brücke, die auf riesigen Pfleilern steht (Foto).

Am Ende der Brücke führt eine große Treppe (Foto) hinauf nach Portomarin. Weiter geht es aufwärts bis zur Iglesia de San Nicolás (Foto), eine Kirche, die in den 60. Jahren wieder aufgebaut wurde.
Der Fluss Rio Miñor wurde aufgestaut, und einer der blühendsten und reichsten Orte Galiciens, verschwand im Wasser. Lediglich die beiden Kirchen hat man Stein für Stein, am neuen Standort wieder aufgebaut.

Wir sitzen in einer Bar am Kirchenplatz und essen und trinken eine Kleinigkeit. Die Kleider werden in der Sonne getrocknet.

Wir unterhalten uns mit netten Leuten am Nachbartisch aus Vaihingen Enz, die keinen Namen haben. Wir sehen den jungen Störchen, die ihr Nest oben auf dem Kirchturm haben, bei Ihren ersten Flugversuchen zu. Das ist ein wunderbares Schauspiel. Die Schnäbel der Störche klappern unaufhörlich. Es scheint, als würden die jungen Vögel dadurch ermuntert, zu fliegen. Wenn die Jungvögel zurückkommen, werden sie von den Eltern gefüttert.

Wir warten solange, bis die Kleider getrocknet sind. Frisch umgezogen machen wir uns wieder auf den Weg.

Plötzlich kommt aus dem Nichts die liebe Lou aus Brasilien auf uns zu. Es ist großartig sie wiederzusehen. Küsschen mehrmals, Umarmungen, wieder Küsschen. Es ist ein herzliches und warmherziges Wiedersehen. Sie dachte schon, wir seien über alle Berge. Aber dadurch, dass wir jeden Umweg mitgenommen haben und sie die kürzeren Wegstrecken gelaufen ist, sehen wir uns hier, an diesem wunderbaren Ort wieder. Wir quatschen noch ein wenig miteinander und sie nimmt sich hier eine Herberge. Wir wollen noch weiter.

Komisch, Sabine wollte schon vor einer Stunde weiterlaufen. Gut, dass ich noch länger bleiben wollte.

Portomarin verlässt man so, wie man hineingekommen ist. Wir laufen also zurück. Eine hohe, stählerne Fussgängerbrücke bringt uns wieder zurück über den Rio Mińo. Ein schmaler, schöner Waldpfad führt uns hinaus aus der Kleinstadt.
Wir haben unseren Wohlfühlwald wieder. Ein wunderbarer Weg.
Der Weg schraubt sich langsam aber immerzu nach oben, vorbei an einer stinkenden Hühnerfarm. Man könnte es eher eine Fabrik nennen. Dass es auch anders geht, sieht man in den vielen Weilern und Bauerndörfern. Dort laufen die Hühner immer frei umher.

Wir machen in Cazar an der Herberge nochmal eine Rast und gratulieren Karl per Email und von hier aus, zum Geburtstag. Heute Abend erheben wir das Glas auf Dich, Karl!

Ab der Herberge verlässt der Camino die Fahrstraße und führt durch einen Kiefernwald dann durch einen Mischwald. Hin und wieder säumen Steinmauern den Pfad. Es sind jetzt kaum noch Leute unterwegs, weil es schon relativ spät ist.

Wir kommen an unsem Ziel an. Es nennt sich Hospital de Cruz, liegt auf 680 Metern und ist eine 15 Seelengemeinde direkt an einer viel befahrenen Straße. Irgendwie hatten wir uns das hier anders vorgestellt, aber die vorherige Herberge haben wir auch schon übersprungen, weil sie uns nicht gefallen hat.

Wir wurden jetzt schon so oft verwöhnt, dass es nur logisch ist, dass jetzt unser hoher Standard wieder nach unten sinken muss. Wir sind ja schließlich auf dem Büsserpfad unterwegs und nicht auf einer Luxusreise 🙂

Zum Essen müssen wir in die Bar nebenan. MUESSEN beschreibt die Situation ganz treffend, denn es gibt weit und breit keine Alternative. Die Bedienung (ein ER), rennt ziemlich aufgeregt auf und ab. Ohne Konzept. Falsch. Er hat ein Konzept: Alles schön der Reihe nach. Es waren ca. 12 Leute zu bedienen, die alle noch nichts bestellt hatten. Selbst eine Laie würde so vorgehen: Von Tisch zu Tisch gehen, alle Bestellungen aufnehmen, in der Küche ordern, Geschirr verteilen. Essen ausgeben. Fertig. ER hat ein anderes Bedienkonzept. Einen Tisch aufnehmen, für jeden einzeln das Besteck bringen, für jeden einzeln Essen bringen, dann erst wurde der nächste Tisch bedient. Bei einem 3-Gänge-Menü dauert das halt ein bisschen. Block vergessen. Zurück. Kuli vergessen. Nochmal zurück. Unterwegs die Hälfte auf den Boden fallen lassen. ER liess sich auch nicht davon überzeugen die Bestellungen von uns UND unseren Nachbarn am Tisch gleichzeitig aufzunehmen. Es war äusserst lustig anzusehen, aber ER hat schon die Nerven aller Gäste bis auf’s Aeusserste strapaziert. Stunden später waren dann doch alle satt.

Unsere nervige Oesterreicherin war auch wieder da und hat ihrem lustlos zuhörenden Gegenüber erklärt bis wohin sie morgen laufen möchte. Wir wissen es jetzt auch, obwohl wir 5 Tische weiter weg saßen. Wie gefühlvoll doch manche Menschen sind.

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