Von Arzúa nach Pedrouzo (289 m)

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Von Arzúa nach Pedrouzo (289 m)
Pedrouzo, Spain

Pedrouzo, Spain


Die halbe Flasche Rotwein und die beiden Schnäpse gestern abend bereiten meinem Kopf keine Probleme.

Wieder herrlich ausgeschlafen sitzen wir in der Bar bei Manzanilla (Kamillentee), Cafe con leche grande (Milchkaffee) und Tostadas con Mermelada (getostetes Brot) beim Frühstück. Diesmal gibt es zur Abwechslung Erdbeermarmelade. Sonst gibt es immer Aprikose. Überall.
An den Tischen draußen sitzen Pilger, die bereits seit 5 oder 6 Uhr unterwegs sind, beim 2. Frühstück. Einer davon läuft den Weg barfuß.
In der Bar gibt es einen Internet-PC, den man kostenlos benutzen darf. Er ist sehr beliebt bei den Pilgern, die ohne Geld unterwegs sind. Es setzt sich ein junger Mann mit langem Rauschebart an den PC, der sich und seine Kleider zum letzten Mal gewaschen hat, als er noch ohne Bart war. Jedenfalls riecht er so.

Heute sind sehr viele 100 km Läufer unterwegs. Also diejenigen, die nur die letzten 100 km laufen, um in Santiago ihre Compostela, die sie für ihre Bewerbungsunterlagen brauchen, zu bekommen. Oder diejenigen, die glauben, es werden Ihnen am Ende des Weges alle Sünden genommen.
Die Meisten laufen mit Tagesrucksack und lassen sich die Abendgardarobe im schweren Wanderrucksack oder Koffer von Etappe zu Etappe fahren. Viele davon rennen anfangs regelrecht. Die Schnellsten von Ihnen holen wir am Ende des Tages wieder ein. Sie sitzen am Straßenrand und behandeln, mit schmerzverzerrtem Gesicht, ihre Blasen.
Viele Grüppchen und viele Nebelwolken aus Parfüm hüllen den Camino ein. Das haben wir seit 700 km ‚vermisst‘, dass hier die Menschen gut riechen. Das Parfüm überdeckt streckenweise den guten natürlichen Duft der Eukalyptusbäume.
Auch wenn das Höhenprofil des Reiseführers suggeriert, es ginge nur wenige Höhenmeter bis zur nächsten Etappe hinauf oder hinab, geht es in Wirklichkeit ständig auf und ab. Es sind also viele Sägezähne, die im Reiseführer als geglättete Linie dargestellt werden. Deshalb sind die zurückgelegten Höhenmeter viel mehr, als die Höhendifferenz zwischen zwei Orten.
Der Camino geht heute anfangs viel durch Wälder. Der Farn gedeiht überall hier. Die Bäumstämme sind teilweise vom Efeu bekleidet. Ein Vogel sitzt auf einem Zaunpfahl in 3 Metern Entfernung und singt uns eine schöne Melodie. Wir bleiben stehen und hören zu, bis er weg fliegt.
Kurze Zeit später stolziert ein mächtiger Hirschkäfer über den Camino (Video). Nachdem ich ihn entdecke, bleibt eine Traube von Pilgern auch stehen um das bemerkenswerte Insekt zu fotografieren. Nachdem der letzte Pilger sein Foto gemacht hat, setzen wir den Käfer am Waldesrand ab, damit er nicht von anderen Pilgern überrollt oder zertrampelt wird.
Wir machen nach 2 Gehstunden in Calle eine Rast in einer Bar, in die man quasi hineinstolpert, weil sie in einer Biegung liegt und essen eine Bocadillo francesa (Brötchen mit Rührei) und eine Cola. Diese Kombination hat den Energieinhalt, um nochmal 2,5 h zu laufen. Vorher wollen wir nicht mehr anhalten.
Riesige Hortensien stehen rechts und links des Weges. Sie sind so groß, wie wir sie sonst noch nirgends gesehen haben (Foto).
Größtenteils ist der Camino hier ein Hohlweg und führt auch wieder durch hohe Eukalyptuswälder hindurch. Wirklich sehr beeindruckende Bäume.
Wir haben das Glück, einen Hahn beim Krähen auf Video aufzuzeichnen, er muss verschlafen haben, denn es war schon nachmittags.
Nach ca. 2,5h machen wir in O Empalme eine ausgedehnte Pause mit der besten Tortilla patata, die wir bisher auf dem Weg gegessen haben. Gut …. sie kostet 5 statt 3 Euro, war aber ihr Geld durchaus wert.

Nach der Pause laufen wir noch ca. 45 Minuten bis zur privaten Herberge in Pedrouzo.

Heute genehmigen wir uns eine Waschmaschine und stecken fast alles hinein was wir haben, damit wir morgen wohlriechend in Santiago einlaufen. Dummerweise bleibt das verrückte Ding mitten im Programm stehen, und die Wäsche ist seifig und klitschnass. Das haben wir uns etwas anders vorgestellt, denn nun stehen wir da und spülen die ganze Sch***e doch noch von Hand und wringen alles unter grössten Mühen aus, damit wir morgen etwas Trockenes zum Anziehen haben.

Im Restaurant gegenüber gibt es noch ein köstliches Menü. Ich genehmige mir noch einen ‚orbas hierbas‘ (Kräuterschnaps) zur Feier des Tages.

Wetter: Stark bewökt, aber für uns schien immer wieder die Sonne hindurch. Sehr angenehmes Wanderwetter.

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van der Voorden PHOTOGRAPHY
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