Von Negreira nach Olveiroa

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Von Negreira nach Olveiroa
Olveiroa, Spain

Olveiroa, Spain


Der frühe Vogel fängt den Wurm, ist unser heutiges Aufstehmotto. Dies geschieht zwar unter Zwang mittels Wecker, aber wenn wir die kühlen Morgenstunden nicht nutzen, würden wir es spätestens am heißen Nachmittag oder Abend bereuen. Es macht sehr viel aus, ob man 2-3 Stunden ‚gut gekühlt‘ wandert. In dieser Zeit hat man bereits die ersten 10-12 km ohne nennenswerte Probleme zurückgelegt. So stehen wir bereits um 6:30 Uhr in unseren Wanderschuhen und sind bereit für die große Etappe von 33 km Länge. Durch das hügelige Gelände sind auch einige hundert Höhenmeter zu überwinden. Die reine Gehzeit wird mit 8 1/4 Stunden angegeben.

Durch einen alten Torbogen geht es stadtauswärts, bevor es auf der anderen Seite hinauf in den Wald geht.
Der Camino ist hier ein ständiges Auf und Ab. Teils Waldwege, teils zerfallene Karrenwege bevor es in die erste Ortschaft geht. Nach 2 1/4 Stunden Gehzeit kommen wir in ‚A Pana‘ an eine Bar um uns zu stärken. Die Vorzeichen für den Tag sind schlecht, bereits um 9:00 Uhr ist es sehr warm und im Fernsehen der Bar werden für Santiago Höchsttemperaturen von 38 Grad im Schatten gemeldet. Das kann ja, im wahrsten Sinne ‚heiter‘ werden.

Der Camino geht weiterhin immerzu Auf und Ab, die Hitze wird von Kilometer zu Kilometer immer grösser. Es gibt auch kaum noch Schatten. Die nächste Bar in Vilaserio überspringen wir, denn wir haben genügend eigenes Proviant im Rucksack und dieser soll auch leerer werden.
Sabine von Minute zu Minute langsamer und trinkt auch zu wenig für diese Temperatur. Nach weiteren 2 h in der sengenden Sonne kommen wir nach Cornado an. Sabine hat Kopfschmerzen und will und kann nicht mehr weiterlaufen.

Zwei freundliche spanische Radfahrer, die sich gerade am Brunnen erfrischen und englisch sprechen, bitte ich, mit meinem Telefon ein Taxi anzurufen. 10 Minuten später ist das Taxi da und Sabine fährt nach Olveiroa in die teuerste Pension am Platz.
Von Cornado aus sind es immer noch 18 km. Nach 6 km über die Hochebene in Wellenform kommt man nach Santa Mariña. In der dortigen Bar werden noch mal alle Kohlehydrat- und Flüssigkeitsspeicher aufgefüllt für letzen 14 km in der Hitze.
Auch diese Strecke verläuft wieder wellig auf und ab.
Ziemlich erschöpft komme ich in Olveiroa an und setzte mich in der Albergue an den Tisch unserer Weggefährten der heutigen Etappe und trinke und plaudere noch etwas.

Diese Etappe war wirklich eine große Herausforderung an Körper und Geist. Die Kombination aus Gewicht, Geschwindigkeit, Temperatur, Länge und Höhendifferenz hat ungefähr die Hälfte aller Pilger zum Aufgeben gezwungen. Das Taxi war heute im Dauereinsatz.

Beim Abendessen saß ich mit Shirley und Annely aus Südafrika beim Abendessen. Sie fragt mich nach meinem Geburtsdatum und sie nennt mir alle möglichen Eigenschaften von mir, zunächst nur Positive und sogar spezielle Eigenarten, die ich habe und die so schnell nicht auf jemand anderen passen. Ich bin Technokrat und habe mit diesen übersinnlichen Dingen normalerweise nicht viel am Hut. Aber das, was Shirley in einem kurzen Zwiegespräch gesagt hat, ist schlichtweg verblüffend, denn es stimmte alles und war nicht allgemein gehalten, sondern schon sehr speziell.

Nachdem ich sie auf meine negativen Eigenschaften anspreche, sagt sie mir, ich solle mich lieber auf die positiven Dinge konzentrieren. Ich bleibe hartnäckig und sie nennt mir dann auch meine negativen Eigenschaften. Alles richtig. Mal sehen, ob bei mir nächstes Jahr der Rubel rollt, so wie sie mir voraus sagt. Dann hätte sich der Jakobsweg ja gleich in zweifacher Hinsicht gelohnt. 🙂
Sie überlegt eine Weile und sagt, ich habe einen Hang zum Schreiben, ich solle unbedingt schreiben. Und genau dies mache ich gerade mit dem Blog. Vielleicht sollte ich noch ein Buch daraus machen?

Meinem Gegenüber, Ferry, hat sie auch Eigenschaften und Fähigkeiten genannt, die allesamt stimmen, aber überhaupt nicht zu mir gepasst hätten. Meine Tischgenossen verabschieden sich von mir, weil sie in der Albergue wohnen. Ich gehe ganz beeindruckt von dem was passiert ist, die Treppen nach oben in unser Zimmer.

Sabine wird morgen mit dem Taxi oder Bus fahren müssen, sie hat noch das kalte Handtuch auf dem Kopf liegen und versucht sich von ihren Kopfschmerzen zu befreien. Ich versuche, die ebenso harte letzte Etappe von 31,1 km zu laufen. Wir treffen uns dann in Finisterre.

Morgen heisst es wieder früh aufstehen.

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