Von Olveiroa nach Finisterre

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Von Olveiroa nach Finisterre
Finisterre, Spain

Finisterre, Spain


Um 5:30 Uhr klingelt der Wecker. An unserem offenen Fenster hören wir schon die ersten Wanderstäbe und Walking-Stöcke auf dem Asphalt klappern. Bis ich mit allem fertig bin, wird es draussen auch schon ganz langsam hell. Sabine schläft noch und fährt nachher mit dem Taxi nach Finisterre.

Heute lasse ich mal den GPS-Tracker vom Handy mitlaufen um zu sehen, wie lange, wie schnell und wieviel km ich laufe.

Vor der Tür der Pension treffe ich gleich Manuel und Patrick. Patrick wollte heute schon viel früher unterwegs sein, aber die Flasche Wein vom Abend zuvor und die gefühlte Temperatur von 35 Grad in den Schlafräumen der Herberge, ließen die Beiden nicht aus den Federn kommen.
Zum Wachwerden gibt es bei mir heute keinen Kaffee, dafür einen Anstieg auf einen Berg mit vielen Windrädern.
Die ersten Hähne krähen erst, nachdem ich bereits eine halbe Stunde am Laufen bin.
Kurze Zeit später steht ein Schaf mit gebrochenem und umgekicktem Vorderbein auf dem Weg. Einige Pilger stehen schon dabei und fragen sich, wie und ob man dem Tier noch helfen kann. Aber wir gehen davon aus, dass der Besitzer das Schaf wissentlich seinem Schicksal überlassen hat. Wir haben wahrscheinlich keine Möglichkeit etwas zu tun. Ferry, ein Pilger gebürtig aus München, wohnhaft in Singen schließt sich mir an bzw umgekehrt. Ferry ist den Jakobsweg namens ‚Via de la Plata‘ gelaufen und hat bereits 1200 km in den Knochen und betreibt auch einen Blog und eine Homepage. Sein bayrischer Humor gefällt mir.. Er nennt die beiden Südafrikanerinnen ‚Hänsel und Gretel‘, macht Ihnen Komplimente mit ‚very young african girls‘, obwohl Shirley bereits 61 ist und Annely glaube ich 56.
Heute ist es nicht ganz so heiss wie gestern, aber alles andere als angenehm kühl. Nach ca. 3 h kommt die erste Bar. Die Inhaberin ist sehr geschäftstüchtig und vermittelt jedem Neuankömmling, dass es auf den nächsten 18 km nichts mehr zu essen und zu trinken gibt. Also kauft.
Die beiden Südafrikanerinen Shirley und Annely sind da, Ferry natürlich, dann Manuel und Patrick und noch einige andere bekannte Gesichter. Unter anderem ein Australier, der ein funkelndes, schneeweißes Baumwollhemd, einen schwarzen Hut und eine blitzblank saubere Wanderhose trägt. Die Hose ist glattgebügelt und besitzt eine edle Bügelfalte hinten und vorne. Er ist sehr schlank und sehr groß. Er läuft ohne Armbewegungen und es sieht so aus, als wäre er ganz langsam, aber er ist so schnell, dass man Mühe hat in 15 Minuten, 10 Meter gut zu machen. Phänomenal.
Man hört, dass er schon 2000 km gelaufen sei.

Durch die warme und lange Etappe gestern, fühle ich ein paar Druckstellen an den Füssen, die ich sicherheitshalber mit Leukoplast abklebe, um Blasen zu verhindern. Heute müssen die Füsse noch halten.
Nach der kurzen Kaffeepause geht’s zusammen mit Ferry weiter auf die Piste. Ferry ist bereits 65, sieht aber aus wie dynamische 53. Er ist aus dem aktiven Arbeitsleben ausgeschieden und nutzt den Camino, um sein bisheriges Leben zu reflektieren. Er interessiert sich für die uralte Kultur des Camino. Seit ein paar Etappen vor Santiago leidet er an einer Knochenhautentzündung am Schienbein und wollte eigentlich mit dem Bus nach Finisterre, aber dann entschloss er sich doch, die drei Etappen nach Finisterre zu laufen.
Unterwegs treffen wir immer mal wieder auf die beiden fröhlichen ‚very young african girls‘ und haben sehr viel Spass miteinander, obwohl die Knochen und Füße bei jedem schon schmerzen. In Chee haben die ‚very young african girls‘ ein Zimmer reserviert. Nach Finisterre sind es jetzt noch 18 km. Wir machen Rast in einer Bar und treffen fast alle Weggefährten wieder. Shirley und Annely fragen mich, wo wir in Finisterre übernachten, und ich erzähle Ihnen von dem Tipp von Edeltraud und Herrmann. Die Pension Lopez kostet 12,50 pro Person und man bekommt dafür noch kostenlos seine komplette Wäsche gewaschen. Nachdem ich das sage, stornieren die beiden das Zimmer in Chee, buchen telefonisch ein Zimmer in derselben Pension und laufen die restlichen 18 km zusammen mit Ferry und mir.
Am Abend nach der Ankunft bin ich so platt, dass ich mir schwöre, keinen einzigen Meter mehr zu laufen. Wir haben etwas mehr als 35 km auf dem GPS-Tacho. Also erstmal duschen und einen kleinen Mittagsschlaf. Danach doch nochmal in die Stadt laufen zum Essen.
Die Pilgerreise endet normalerweise erst, wenn man noch die letzten 3,5 km hinaus zum Leuchtturm geht, um den Sonnenuntergang zu sehen. Symbolisch verbrennen manche ihre Kleidung oder Schuhe, das ist aber mittlerweile wegen der Brandgefahr verboten.
Nach dem Duschen und Essen bin ich dann doch wieder soweit hergestellt, dass Sabine und ich zum Leuchtturm laufen. Hunderte von Pilger sinnieren vor sich hin, reflektieren nochmal das, was sie geleistet haben und freuen sich auf den stimmungsvollen Sonnenuntergang bei einer Flasche Rotwein. Wir haben uns mit einigen Weggefährten am Leuchtturm verabredet, haben aber leider den beschriebenen Abzweig zum Peregrinobeach nicht gefunden. So geniessen Sabine und ich zweisam den Sonnenuntegang und machen noch ein paar schöne Fotos für’s Familienalbum.
Nachdem die Sonne untergegangen ist, gehen wir die 3,5 km wieder zurück zur Pension Lopez. Unterwegs treffen wir noch den Oesterreicher Kurt aus Wildalpen bei einem Bierchen sitzen und unterhalten uns nochmal mit ihm.
Mit insgesammt 42 km in den Beinen und einigen Blasen an den Füssen, schlafe ich heute wie ein Stein.

Am nächsten Tag wird im Wesentlichen nur geschlafen, gegessen, Kaffee getrunken, eingekauft und wiedet ausgeruht 🙂

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