Von Lires nach Muxia

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Von Lires nach Muxia
Muxia, Spain

Muxia, Spain


Gut, wir hätten auch noch gut und gerne 2 Stunden weiterschlafen können, aber wir haben gestern noch den Tipp von unserem netten Wirt bekommen, dass es auch eine Variante an der Küste entlang gibt, die einige Kilometer länger ist, aber dafür umso schöner. Wir lassen uns mittlerweile zu ALLEM überreden, warum auch nicht? Wir sind in gewisser Weise auch ‚Abenteurer‘ und sehr neugierig.
Also opfern wir unseren Schlaf zugunsten von neuen Erlebnissen.
Wider Erwarten bekommen wir doch schon einen Kaffee. Normalerweise erst ab 8:30 Uhr, das war uns zu spät, deshalb haben wir uns gestern gleich unsere Bocadillo con queso (Käsebrot) machen lassen.
Nach dem Kaffee fühlt man sich schon deutlich besser. Wir ziehen los, drehen uns nochmal um und machen ein Erinnerungsfoto vom Hostal, dann geht es weiter Richtung Norden. Die ganze Zeit über bis Finisterre sind wir nach Westen gelaufen und hatten die Sonne im Rücken. Jetzt schauen wir gelegentlich auch in sie hinein. Ganz ungewohnt.

Kurz nach Lires haben wir uns schon seelisch und moralisch darauf vorbereitet, barfuß eine Flussquerung machen zu müssen. In unserem Rother Wanderführer Ausgabe 2006 steht beschrieben, dass die Steinquader, über die man geht, bereits im Wasser versunken sind und man deshalb den Fluss nur barfuß überqueren kann.
Als wir an die Stelle kommen, steht dort eine funkelnagelneue breite Brücke, die man notfalls sogar mit einem Traktor befahren kann. Wir schauen erst rechts, dann links neben die Brücke und sehen die alten versunkenen Steinquader noch im Wasser liegen. EU … wir danken Dir! 🙂

Der Weg ist wirklich wunderschön. Nur gut, dass wir dem Ratschlag vom Kellner in Finisterre gefolgt sind. Diesen Weg MUSS man laufen und nicht mit dem Bus fahren!

Den Abzweig zum Küstenweg kann man nur mit Hilfe einer zusätzlichen Beschreibung finden, die wir vom Wirt erhalten haben. Der Weg geht einen staubigen Hügel hinauf und wieder hinunter. Nach ca. 30 Minuten auf dem ‚Küstenpfad‘ kommt wieder ein kleiner Weiler, wo eine Bäuerin ihre Kühe auf die Weide bringt. Der Hund vertut sich und kläfft uns an, statt der Kühe, die dadurch etwas ungeorgnet daher gehen. Die Bäuerin weist den Hund zurecht, der auf’s Wort hört. Nachdem die Kühe vorbei sind, fragen wir die Bäuerin noch mal nach dem rechten Weg nach Muxia. Sie deutet an, dass wir richtig sind und durch die 3-Seelengemeinde 200 Meter weiter hindurch müssen.
Kaum betreten wir die Strasse zum Weiler, kommen schon von weitem zwei Hunde kläffend auf uns zugerannt. Sie bleiben beide vor uns stehen, fletschen die Zähne, knurren und bellen im Wechsel.
Weit und breit kein Mensch in der Nähe, der die Köter zurückpfeifen würde.
Ich wage nochmal einen kleinen Schritt nach vorne, aber es hat keinen Zweck – sie knurren und fletschen wirklich beängstigend und wir sind auch davon überzeugt, dass sie zubeißen würden, wenn wir weitergehen würden.
Einen Stein wage ich nun nicht mehr vom Boden aufzuheben, so wie beim letzten Hund vor vielen Tagen. Die Hunde sind es hier nicht gewohnt, dass Leute vorbeikommen. Der Weg ist scheinbar nur ein Geheimtipp von unserem Wirt, er ist auch nicht offiziell markiert. Einen Hund hätten wir vielleicht noch in Schach halten können, aber nicht zwei.
Sabine und ich beschließen einvernehmlich den Rückzug einzuleiten und die halbe Stunde wieder zurückzugehen, um dann den offiziellen Weg zu nehmen.

Als wir wieder auf der offiziellen Route sind, kommen uns zwei bekannte Gesichter entgegen, die wir seit A Pana schon öfter gesehen haben. Es sind Hubert aus Schwäbisch Gmünd und Roland, der in Deutschland geboren ist aber jetzt in der Nähe von Zürich lebt. Es ist schön auf dem einsamen Weg jemanden zu treffen, den man kennt.

Traumhaft schön wird es dann, wenn man an die erste große Bucht mit weißem Sandstrand und marineblauem Wasser kommt und oberhalb der hohen Felsen weiter nach Muxia läuft.

Den Vorort von Muxia habe ich gleich mit einer verlassenen Westernstadt assoziiert.

Wir können es noch gar nicht glauben: Heute ist wirklich unser allerletzter Wandertag. Mehr Zeit haben wir leider nicht. Auch der Camino ist in Muxia auch wirklich zu Ende. Wir laufen heute langsam und holen bei jedem Atemzug tief Luft aus der frischen Atlantikbrise und genießen jeden Schritt.

Wir essen in Muxia eine Kleinigket und beschließen, heute nicht nach Santiago zurückzufahren, denn der Bus fährt bereits in wenigen Minuten und wir haben unsere ‚Muxiana‘ Pilgerurkunde noch nicht abgeholt und das Heiligtum Virxe da Barca noch nicht gesehen.
Wir stornieren das Hotel in Santiago per Mail und gehen in das Hotel La Cruz, stellen unsere Sachen ab und ziehen nochmal los.
Zunächst holen wir die Pilgerurkunde in der Touristeninformation ab. Sie ist, wie auch die Finisterrana, schöner als die Compostella. Im Touristenbüro stehen einige Internet-PCs zur freien Verfügung. Ein paar Minuten nutzen wir den PC um die Bilder wieder im Blog einzuflechten. Das geht leider mit dem Mobiltelefon nicht.
Dann gehen wir Richtung Leuchtturm, wo auch das Heiligtum steht und feiern Sabine’s Abschluss auf dem Monte da Coruña mit einem faszinierenden 360 Grad Panorama auf die Stadt, den Hafen, die Steinküsten und das Heiligtum.

Wenn man glaubt, man wäre überglücklich, wenn man das Ziel erreicht hat, der täuscht sich. Wir sind eher etwas traurig darüber, zumindest ist es eine merkwürdige Mischung aus Freude und Trauer. Und scheinbar sind wir nicht ganz alleine mit diesem Gefühl.

Wir haben den Weg dafür umso mehr genossen. Wir können nur sagen: Es stimmt …. der WEG ist das Ziel!

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