Etappe 27: Ruhetag in Dordrecht

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Etappe 27: Ruhetag in Dordrecht
Dordrecht, Netherlands

Dordrecht, Netherlands


Heute ist ausschlafen und ’nichtstun‘ angesagt. Wir wollen uns nur Dordrecht ein wenig ansehen. Wir schlafen bis uns der Rücken schmerzt. 🙂 Zuerst machen wir ein ausgiebiges Frühstück im Café CentreVille und schreiben Tagebücher nach. Dafür müssen wir zuvor aber mit dem Rad ein paar Kilometer ins Zentrum fahren. Gestern wurde es sehr spät und wir hatten keine Motivation mehr, das Erlebte aufzuschreiben. Dafür heute umso mehr. Nach dem Frühstück vertreten wir uns ein wenig die Beine und gehen durch die historische Altstadt Richtung Groote Kerk. Wir werden auf dem Rathausplatz Zeuge von drei Trauungen. Das erste sympathische Brautpaar fährt in einem VW-Käfer der 50er Jahre davon. Kaum sind sie weg, kommt ein riesiger Excalibur-Schlitten mit seinem Gefolge an. Aus dem Auto steigt eine stark übergewichtige Braut. Der Schulterspeck quillt aus dem viel zu engen Brautkleid. Der Bräutigam sieht zu, wie sich seine Zukünftige aus dem Luxusschlitten quält, macht aber keine Anstalten, ihr beim Aussteigen zu helfen. Dass er sich nicht noch eine Kippe ansteckt auf dem Weg zum Rathaus, wundert mich. Es hätte jedenfalls gepasst. Das Gefolge ist aus demselben Holz geschnitzt. Es war wie Familie Flodders live. Kaum ist das Brautpaar im Rathaus verschwunden,  drängelt sich ein schicker, alter, weißer Rolls-Royce zwischen Excalibur und Rathaus. Ein Schauspiel, an dem nicht nur wir Vergnügen haben. Nachdem auch dieses Brautpaar ins Rathaus gegangen ist, machen wir uns weiter auf den Weg zur ‚Groote Kerk‘, was soviel heisst wie Große Kirche. Sie wurde zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert erbaut, erweitert und nach einem Brand wieder aufgebaut.  Sie ist die einzige Kirche, die im spätgotischen Baustil erbaut wurde. Ursprünglich sollte die Kirche noch 40 Meter höher werden, aber sie sackte während der Bauzeit schon ab. Deshalb sieht die Kirche etwas unvollendet aus. Der Turm hat heute noch eine deutlich sichtbare Neigung, obwohl man das alte Holzpfahlgeflecht im Boden in der Neuzeit mit Beton ausgefüllt hat, um es vor weiterem Absacken zu bewahren. Wir besteigen den Kirchturm zur Aussichtsplattform und sehen uns das Panorama von oben an. Wir erkennen in der Ferne schon das Wahrzeichen von Rotterdam: Den Euromast! Es ist ein riesiger Aussichtsturm der mitten in Rotterdam steht und unser morgiges Zwischenziel. Weiter westlich den Europoort mit den großen Raffinerien. Sie nehmen einen großen Teil des Horizonts ein. Unser Endziel Hoek van Holland ist in fast greifbarer Nähe. Es schwingt jetzt schon etwas Wehmut mit, denn bald verabschieden wir der Rhein in die Nordsee. Offiziell ist die Route bereits morgen in Rotterdam zu Ende. Wir steigen nach diversen Panoramas und Fotos wieder ab und begeben uns ins Getümmel des Great River Festivals. Überall stehen Bühnen mit Livemusik. Eine Cubanische Gruppe gibt Salsa zum Besten und leckere Tanzpärchen schwingen elegant und erotisch ihre Hüften zur Musik. Ein bisschen Buena Vista Social Club Feeling in der historischen Altstadt von Dordrecht. ‚Fressbuden‘ und allerlei Verkaufstände stehen dicht gedrängt aneinander. Nur, dass es hier eben andere Sachen gibt wie in Deutschland. Um ein Beispiel zu nennen ‚Poffertjes‘. Das sind opladengroße Pfannkuchen, nur etwas dicker. Nach 8h Dordrecht haben wir aber genug und steuern unseren Campingplatz wieder an. In diesem Sinne war es heute zwar kein Ruhetag, aber wir haben nur kurze Zeit den Sattel spüren müssen, was auch mal ganz erholsam ist.


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