Donau-Radweg Tag 8: Von Hermsaal nach Wörth

Die Nacht ist außergewöhnlich ruhig. Das hätte durchaus anders kommen können. Der Vater, der mit insgesamt 5 Kindern unterwegs ist, hat seine drei eigenen Nachkömmlinge und zwei Neffen gut im Griff. Er stellt sein Zelt in ferne Beobachtungsposition und die Kinder bauen ihre Zelte selbstständig auf. Kein Murren, kein Raunen, kein Streit und kein Geschrei. Hier zeigt sich mal wieder, dass in der Ruhe die Kraft liegt. Der Vater mit gutem Vorbild voran.

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Am Morgen genauso. Alles geht leise vonstatten, so leise, dass bereits zwei Zelte abgebaut sind, während ich den Reißverschluss unseres Zeltes öffne.

Wir sitzen wieder zusammen mit der 78-jährigen Frau unter einer Überdachung, haben eine anregende, gute Unterhaltung und frühstücken an einem Tisch. Wir kochen 6 Eier, wovon wir einen Teil hart gekochter Eier mitnehmen für die Fahrt. In der Zwischenzeit trocknet die Sonne das Außenzelt und die Plane worauf unser Zelt steht.
Einpacken, duschen, Wasser auffüllen, Sonnencreme auftragen und los geht’s zur Etappe 8.

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Der Donauweg geht hier direkt an der Donau entlang. In Bad Abbach decken wir uns beim nächsten Bäcker mit belegten Fladenbroten ein und fahren nach einer kurzen Pause weiter bis Regensburg.

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Regensburg ist eine bemerkenswerte Stadt. Über 2000 Jahre zählt ihre Geschichte schon, und hier sind so viele mittelalterliche Gebäude erhalten, wie kaum an einem anderen Ort. Wir fahren über die Steinerne Brücke, um das bekannte Postkartenmotiv einzufangen. Allerdings ist diese zum großen Teil wegen Sanierungsarbeiten verhüllt.

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In der Altstadt lassen wir uns in der Nähe des alten Rathauses in einem netten Café nieder, schreiben ein wenig Tagebuch und genießen den Milchkaffee und einen großartigen gedeckten Apfelkuchen.
Wir besichtigen noch das Wahrzeichen der Stadt,

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den Dom, dessen Bau bereits im 8. Jahrhundert begonnen hat. Die endgültige Fertigstellung dauerte bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Es ist unglaublich, zu welch architektonischen Leistungen Menschen früher schon imstande waren.

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Dann fahren zum fürstlichen Schloss Thurn & Taxis…und was sehen wir? ….. Nichts, das heißt, nicht viel… oder, wir haben eine andere Vorstellung vom Schloss.
Anschließend cruisen wir noch ein wenig ziellos durch die Altstadt, überqueren dann die Donau und halten den Kurs auf Passau.
Unterwegs kommen wir an der Walhalla in Donaustauf vorbei und entschließen uns umzukehren und hinaufzufahren, da sie von unten so beeindruckend auf uns wirkt.

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Die Walhalla ist eine Nachbildung des Parthenon auf der Akropolis. Die Maße des Innenraums entsprechen ebenfalls fast genau denen des Parthenons. Erbaut wurde sie von Ludwig I. von Bayern. Darin befinden sich Marmorbüsten von berühmten Deutschen. Ein sehr beeindruckendes Bauwerk, von dem man einen tollen Ausblick auf das Donautal hat.

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Nach der Besichtigung der Walhalla fahren wir den Hang hinab, lassen es schön rollen und erreichen mit dem Hänger eine Geschwindigkeit von ca. 60 km/h. Plötzlich kommt das Vorderrad ins Schlingern. Ich bremse stark ab, um meine Geschwindigkeit zu reduzieren.
Ein Blick auf den Reifen zeigt:
Platt!
Kein Problem, denke ich. Ein Schlauch wechseln ist in wenigen Minuten erledigt. Pfeifedeggele: Beim Aufpumpen zerbricht die Luftpumpe in zwei Teile. Billiger Plasikkram im Inneren der Pumpe.
Wir fragen vorbeikommende Radfahrer, jedoch führen viele keine Pumpe mit sich, oder wenn, nicht die passende Pumpe für mein französisches Ventil. Aus heiterem Himmel hält ein vorbeifahrender  weißer BWM an. Ein Mann mit Radlerklamottem steigt aus und fragt, ob er uns helfen könne. Ich zeige ihm meine zerbrochene Luftpumpe, worauf er sagt: „Oan Augnblick, bin in 10 Minuten widda doa und bring a Stand-Lufdpumbn mit!“. In der Zwischenzeit versucht Sabine per Telefon ein Zimmer in Wörth zu bekommen. 9 Minuten später kommt der weiße BWM wieder angebraust. Der Mann springt mit einer Flasche gekühltem Bier aus dem Auto, drückt sie mir in die Hand und meint: „So… jetzt dringst du erstamol a Bier un I bumb dir in der Zwischnzeid die Luft auf un rebarier dei Radl!“
Das kühle Bier war in der Tat eine Wohltat. Der Mann wusste, was ein Mann in einer solchen Situation braucht. Als die Flasche leer war, war auch schon das Rad wieder aufgepumpt und eingebaut. In diesem Augenblick kommt ein junger Mann mit seinem Mountainbike um die Ecke geschossen,  rutscht auf dem Schotter in der Kurve aus und legt sich VOLL AUF DIE SCHNAUZE. Wir rennen zu dritt zu dem jungen Mann, denn er liegt mit seinem Rad verknotet am Boden. Aber er rappelt sich auf, ist kreidebleich im Gesicht, sortiert sich und seine Knochen, prüft, ob alles noch funktioniert, bedankt sich bei uns für die Hilfe und fährt langsam weiter. Offensichtlich ist er mit ein paar blauen Flecken davongekommen. Zwei Schrecksekunden innerhalb einer halben Stunde. Phuuu!
Wir räumen wieder alles in unsere Taschen, geben dem BMW-Fahrer die leere Flasche Bier zurück, bedanken uns aufrichtig für seine große Hilfsbereitschaft und fahren weiter. In der Zwischenzeit ist es schon 18 Uhr, wir müssen noch ca. 15 km zur Unterkunft fahren und haben noch nichts gegessen. In Oberachdorf steht an einer Kreuzung eine kräftige Frau mit einem E-Bike und fragt uns: „Habts ihr bei Schmidbauer a Zimmer bstellt?“. Wir antworten mit „Ja!“. „Gut, dann foans mir bitte hinterher, denn man kann uns so schlecht finden!“. Frau Schmidbauer führt uns den Berg hinauf nach Wörth in ihr Haus, welches sie im Obergeschoss als Gästehaus vermietet.
Wir stellen die Räder in der Garage ab, Herr Schmidbauer zeigt uns die Zimmer lädt uns gleich zu einem kühlen Getränk ein. Wir machen uns schnell frisch und Herr Schmidbauer bringt uns 3 km talwärts zum Italiener und holt uns auch nach dem Essen mit dem Auto wieder ab. Das passt umso mehr, weil es heimwärts zu regnen beginnt. Das nenne ich mal Gastfreundschaft. Ein WLAN-Router ist auch da, was will man mehr.

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Der Tageskilometerzähler zeigt 67 km. Es gibt keine nennenswerten HM. Bis auf den kurzen Walhalla-Aufstieg.

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