Donau-Radweg Tag 13: Von Ausee/Abwinden bis Ybbs

In der gestrigen Nacht sind wir dann bald ganz alleine auf unserem Zeltplatz. Fast alleine. Denn drei Männer spielen feuchtfröhlich Tischtennis an der Platte unweit unseres Zeltes. Sie trinken nicht zu wenig Bier und haben lautstark ihren Spaß. Wir kauern allerdings voller Angst und Sorge in unserem Zelt und malen uns schon die verschiedensten Szenarien aus. Ich verstecke schon mal vorsichtshalber einen der beiden Geldbeutel unterm Zelt und einige Wertsachen im „Regal“ des Zeltdaches. Das Handy wird für die Absetzung eines Notrufs vorbereitet. Die Dämmerung geht bereits in die Dunkelheit über, aber die drei Burschen machen immer noch keine
Anstalten, den Platz zu räumen und werden immer lauter. Sabine hat fast panische Angst und ist wild entschlossen aus dem Zelt zu steigen und mit dem Rad loszufahren. Egal wohin, bloß weg hier. Nur so einfach geht das im Dunkeln nicht. Aber ich willige ein und steige als Erstes aus dem Zelt, baue mich breitschultrig vor unserem Zelt auf und schaue entschlossen in ihre Richtung. Sogleich reden sie bedeutend leiser und winken mir zu. Ich winke freundlich zurück. Sie murmeln noch etwas, packen dann ihre Sachen und laufen Richtung Parkplatz. Ich denke noch, sie werden jetzt hoffentlich nicht mit dem Auto fahren. Aber doch, sie steigen zu dritt ins Auto und fahren alkoholisiert los. Einerseits erleichtert, andererseits immer noch ein mulmiges Gefühl, weil wir nicht sicher sind, ob sie in der Nacht noch einmal zurückkommen.
Egal, wir ändern unseren Plan und beschließen, hier zu bleiben. Jedes noch so leise Geräusch wird nun gewertet. Irgendetwas hören wir noch. Ein Rascheln. Immer wieder raschelt es. Ich reiße den Reißverschluss des Zeltes auf. Nichts. Wieder Rascheln. Die Taschenlampe entlarvt dann den Übeltäter. Es ist ein Nachtfalter zwischen Innen- und Außenzelt. Wir beschließen, mit Ohrstöpsel einzuschlafen und ab jetzt jegliche Geräusche zu ignorieren, egal ob wir sterben müssen.
Als wir morgens aufwachen, leben wir noch. Hurra!
Es ist jetzt 6:30 Uhr. Voller Freude nehmen wir erst einmal ein Erfrischungsbad im kalten Ausee. Ganz alleine. Weit und breit kein Mensch zu sehen. Wunderbar erfrischend.
Nach dem Bad heizen wir den Benzinkocher ein und machen uns einen heißen Tee. Dazu gibt es eine Banane, Hornbrötchen von gestern mit Marmelade und Käse.

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Einpacken, duschen, mit Sonnencreme einschmieren, denn heute ballert die Sonne.
Wir treffen auf einen Europabummler, der aus Korsika stammt, und über Frankreich, Deutschland, Österreich und die anderen 7 Donauländer zum Schwarzen Meer fahren möchte. Von dort aus will er nach Istanbul und auch weiter nach Griechenland. Scheinbar hat sich der Korse die Route vom Kanadier geklaut :-). Er stammelt auf französisch vor sich hin. Mehr kann ich aufgrund meiner unterirdischen Französischkenntnisse nicht verstehen.

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Unterwegs verlieren wir viel Flüssigkeit in der sengenden Hitze. Die leeren Radlerflaschen werden an der Radlerstation noch mal aufgefüllt und weiter geht’s nach Mitterkirchen. Dort machen wir eine schöne lange Mittagspause im Schatten der Kirche und schreiben erstmal unser Abenteuer auf, damit die Details nicht verloren gehen.

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Heute ist es sehr heiß, wir haben aber genügend leere Flaschen gebunkert und mit Wasser gefüllt, so dass wir ausreichend zu trinken haben, um die Haare immerzu anzufeuchten. Einen kühlen Kopf zu bewahren ist bei dieser Witterung sehr wichtig. Mit diesen kleinen Tricks kommen wir ganz locker nach Grein. Auf dem Marktplatz gibt’s wieder ganz obligatorisch, Kaffee und Kuchen.

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Schräg gegenüber vom Café ist das älteste deutschsprachige Theater, welches wir besuchen.

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Das historiche Stadttheater Grein ist das älteste erhaltene bürgerliche Theater Österreichs. Begeisterte Amateurschauspieler richteten es 1791 im Getreidespeicher der Stadt ein. Und so steht es heute noch da. Das vorgelagerte Alte Rathaus (um 1563) ist heute Museum. Das Stadttheater wird noch regelmäßig bespielt. Es gibt viele Kuriositäten der Vergangenheit. Besonders bemerkenswert ist ein Klosett, welches nur durch einen Vorhang vom Zuschauerraum getrennt ist.

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Eigentlich wollen wir hier auf den Campingplatz, aber er gefällt uns überhaupt nicht, da eine stark befahrene Straße direkt daran vorbeiführt. Schade, denn heute wollten wir mal nur 50 km fahren. Wir beschließen aber, zum nächsten Campingplatz weiterzustrampeln. Dafür müssen wir mit einer Fahrradfähre auf die andere Seite der Donau. In Willersbach ist dann für heute endgültig Schluss.

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Zu früh gefreut, denn der Camping gehört zu einem Gasthof und der hat ausgerechnet Mittwochs Ruhetag. Wir haben auch nichts mehr zum Selbstkochen dabei und uns auch schon darauf gefreut, uns bekochen zu lassen. Der nächste Gasthof ist 4 km in die Gegenrichtung. Hin- und zurück wären das 8 km, zu den 66 km, die wir schon hinter uns haben. Wir beschließen deshalb, die 8 km lieber nach Ybbs, in die richtige Richtung weiterzufahren.

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Dort gibt es zwar keinen Camping, aber nach der letzten Nacht steht uns entspannter Schlaf im Gasthof zum Hirschen durchaus zu.

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