Nordseeküsten-Radweg: Die aufregende Anreise mit der Bahn

Wir stehen rechtzeitig auf, frühstücken dennoch unausgiebig, und wollen Sabine’s Rad holen. Erste Überraschung, jemand hat sich am Sicherheitsschloss zu schaffen gemacht und die Schlüsseleinführung verbogen. Die erste Viertelstunde unserer Sicherheitsstunde war verbraucht. Als wir den Anhänger an meine Spezialsteckachse hängen wollen, geht das Schloss nicht zu. Die Aufhängung ist verbogen. Eine weitere Viertelstunde geht drauf, um die Aufhängung wieder gängig zu machen. Dann stelle ich fest, dass der Radanhänger einen Platten hat. Wieder 15 Min. weg. Beim Aufpumpen stelle ich fest, dass wohl irgendwo der komplette Inhalt meiner Reparaturtasche gestohlen wurde, inkl. der neuen Luftpumpe. So langsam werden wir nervös, denn eine Panne unterwegs würde unseren Plan komplett durcheinander werfen. Mehr darf jetzt wirklich nicht passieren, sonst wird es eng.
Wir schwingen uns auf die Räder und fahren dafür ein bisschen schneller und den direkten, unschönen Weg entlang der Rhenaniastraße im Industriegebiet.
Wir kommen gerade rechtzeitig an, um noch schnell ein Selfie vor dem Hbf zu machen und uns mit Reiseverpflegung zu versorgen.

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Tschüss Mannheim

Dann der nächste Schock. Der Aufzug am Bahnsteig trägt das Schild „vorrübergehend defekt“. Vor der Treppe stehen alleinstehende Frauen mit Rucksack und Kinderwägen. Alte Damen mit schwerem Gepäck und wir mit unseren bepackten Rädern.
Wieder Hektik. Alle Satteltaschen und Anhänger ab. Zuerst den Frauen geholfen, dann unser Gepäck und die Räder hinauf. Die Frau mit Kind und Rucksack paßt in der Zwischenzeit auf unser Hab und Gut auf, bis alle Einzelteile oben sind.
Auf der Tafel geschaut, an welcher Stelle unser Wagen hält. Es wird 11:39 Uhr und an der Tafel steht ein Zug mit Ankunftszeit 11:42 Uhr. Was ist los? Warum kommt unser Zug nicht? Panik 2.0. Schnell einen Zugbegleiter gefragt. Ich weiß die Zugnummer nicht auswendig, renne nochmal zur Infotafel. In diesem Augenblick kommt Sabine stahlend auf mich zu und kichert: „Ich habe mich verguckt, der Zug kommt erst eine Stunde später!“
Ich weiß in diesem Augenblick nicht genau, ob ich mich freuen oder ärgern soll. Ich habe mich vorsichtshalber für freuen entschieden.
Ein Wunder geschieht, der Zug fährt pünktlich ein. Auch der Wagon steht da wo er laut Plan stehen soll. Das passiert nicht alle Tage. Wir haben unsere Sachen auch schon mal durch den Zug schleppen müssen. Dies bleibt uns wenigstens erspart.

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Radwagen

In Mainz dann die Durchsage „Der Zug muss wegen eines Brandes auf der Bahnstrecke auf eine andere Strecke und wird eine Verspätung von ca. 27 Minuten haben. Ok, dann ist unser Anschlusszug auf jeden Fall mal weg.

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Rhein

Wir steigen in Münster aus und suchen unseren nächsten Anschluss im Richtung Enschede. Am Bahnsteig spricht mich ein freundlicher Herr auf mein GPS-Gerät an und wir philosophieren ein wenig über unsere Geräte. Sie sind heute von Würzburg mit dem Zug hierher gefahren und wollen den Abschnitt des Nordseeküsten-Radweg ab Emden fahren. Als er uns fragt woher wir kommen, ein lautes „AUS MAAANNEEEM … da habe ich zwei Kinder wohnen und beide sind im Dunstkreis der Popakademie tätig“. Ich frage „Sind die Kinder Musiker“, er antwortet: „Ja, mein Sohn und meine Tochter sind inzwischen ziemlich bekannte Musiker geworden!“ Ich sage, dass ich des öfteren Musiker und Bands fotografiere, vielleicht kenne ich sie ja. Als er dann die Namen „Moritz Müller und Lisa Müller“ sagt war auf einmal alles klar. Beide hatte ich schon vor meiner Linse. Lisa kennt man von „The Wright Thing“ und Moritz Müller habe ich zusammen mit Ali Neander / Hellmut Hattler in Speyer gehört. Für mich ist Moritz einer der besten Schlagzeuger Deutschlands. Wobei ein Konzertbesuch seiner Band „Intersphere“ immer noch auf meinem Wunschzettel steht. Als er mich nach meinem Namen fragt, und ich ihn erwähne, war wiederum für Papa Müller alles klar. Die Welt ist ein Dorf.
Wir verabschieden uns, wünschen uns gegenseitig eine unfallfreie Radtour und steigen in die Regionalbahn nach Enschede ein. Die Fahrt nimmt ca. 75 Minuten in Anspruch.
In Enschede steigen wir nochmal um in den IC nach Den Haag. 2,5h dauert nochmal der Spaß. Um 22.15 Uhr steigen wir schlussendlich aus dem Zug und radeln noch zum nächsten Campingplatz „Duinhorst“ nach Wassenaar.

Um 22:45 Uhr ist die Rezeption immer noch besetzt und der Rezeptionist trotz der fortgeschrittenen Zeit immer noch bei bester Laune. Wir schleichen uns auf den Campingplatz, bauen unser Zelt leise und hurtig auf, schicken den Reisebericht in die Cloud und begeben uns um 23:45 Uhr in den Schönheitsschlaf. Bonne nuit!

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