Nordseeküsten-Radweg Tag 13: Von Campen nach Norddeich

Heute Nacht wache ich auf, weil mich zwei Bären aus dem Schlaf schnarchen. Ich krame zwei Ohrenstöpsel raus und bin dann temporär taub, so dass ich wieder einschlafen kann. Ein Segen, dass es diese kleinen Helferlein gibt.
Um 7.30 Uhr hat meine Ex-Freundin und Nachbarin schon das Zelt verlassen.

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Ich fange schon mal an zusammenzuräumen. Als ich meine Ohrenstöpsel herausziehe, wundert es mich nicht.Das Schnarchen kommt jetzt aus zwei Richtungen in doppelter Lautstärke. So gesehen ist das super, denn dadurch kommen wir mal etwas früher los.
Der Leuchtturm von Campen ist in Sichtweite vom Campingplatz, sieht aber dem Eifelturm ähnlicher als einem Leuchtturm.

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Er ist mit seinen 65,3 Metern Höhe der höchste deutsche Leuchtturm. Er ist umgeben von einem genieteten Metallkonstrukt und auch zu besteigen, aber leider nicht mittwochs, denn da ist Ruhetag. Wir fahren stramm gegen den Wind und treffen an der Deichroute wieder das rheinländische Pärchen. Wir halten uns gegenseitig die Weidegatter auf, die alle paar hundert Meter automatisch hinter einem zu fallen. Am Pilsumer Leuchturm legen wir einen kurzen Fotostopp ein, denn dieser gelb-rote Leutturm ist deutschlandweit bekannt geworden durch den Film „Otto – der Außerfriesische“.

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Reisebusse karren die Touristen scharenweise dorthin. Bedingt durch die Schnarcher am Morgen, sind wir jedoch relativ früh dort und der erste Bus kommt gerade am Parkplatz an, als wir wieder aufbrechen.
In Greetsiel machen wir nach 20 km Gegenwind eine ausgedehnte Pause und schauen uns das wunderschöne, schuckelige sehr touristische Städtchen an.

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Gut erholt und mit aufgefülltem Kohlehydratespeicher geht es weiter auf der „North Sea Cycle Route“ bis an eine Abzweigung, an der man sich entscheiden muss: Entweder den kurzen aber langweiligeren Abschnitt 18 km direkt am Deich entlang oder mit 20 km Umweg und im Zik-Zak-Kurs übers Land. Wir entscheiden uns für die 20 km Umweg übers Land zu fahren und wer kommt uns prompt und wild gestikulierend entgegen? Markus!
Der Mann von Angela, meiner ehemaligen Kollegin, den wir gestern schon in Emden getroffen haben. Wir schwätzen noch mal 10 Minuten miteinander und können es nicht fassen, dass wir uns nochmal wiedersehen. Seit gestern hat Markus offensichtlich die meisten Etappen unseres Reise-Blogs gelesen und auswendig gelernt, denn er zitierte viele Punkte unserer Radreise und war offensichtlich sehr interessiert. Das ist verblüffend für den Autor und sehr motivierend zugleich. 🙂
Markus macht mit seinem schönen Mountainbike eine schnelle Runde nach Greetsiel und zurück nach Hause, während Angela ihrem Hobby nachgeht und einen Kuchen für die Familie backt. Wir machen nochmal ein Erinnerungs-Foto und verabschieden uns erneut.

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In Wirdum legen wir eine kleine Essenspause ein und fahren noch durch die Ortschaft und jetzt kommt’s – es laufen uns die Kinder von Angela und Markus vor die Räder.

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Die Kids wollen, dass wir der Mama noch schnell „Hallo“ sagen. In der Zwischenzeit war Markus von seiner Radtour auch wieder zurückgekommen. Aus dem schnell „Hallo“ sagen, werden dann letztlich 3 wundervolle Stunden in total gemütlicher und gastfreundlicher Atmosphäre, so dass wir gar nicht mehr gehen wollen. Den leckeren Kuchen dürfen wir nun essen und bekommen sogar noch welchen für den nächsten Tag mit.
Sie haben uns auch noch Wattschuhe ausgeliehen und Infomaterial, sodass wir bestens gerüstet sind für eine Wattwanderung. Hoffentlich klappt es diesmal.
Schweren Herzens ziehen wir weiter und fahren am Abend noch bis Norddeich auf den Campingplatz.

Dort angekommen, läuft uns das rheinländische Radreise-Ehepaar wieder entgegen. Wir verabreden uns und gehen abends zusammen Essen und klönen noch bis in die späten Abendstunden.

Spätestens jetzt wird mir klar warum alle bekannten Dichter wie Goethe und Schiller immer auf Reisen gingen. Nirgendwo erlebt man mehr als auf Reisen. Sie sind geprägt von vielen Erlebnissen, Abenteuern und Dingen die passieren, wie sie passieren müssen. Die Sinne werden geschärft, die Sichtweise verändert, die Toleranz erhöht, der Horizont erweitert und es ist unglaublich inspirierend zu schreiben. Man sollte es tun, nein, man MUSS es tun! Nicht unbedingt für Andere, nein, für sich selbst!

Es ist erlösend und befreiend wie ein Bad im offenen Meer.

In diesem Sinne: おやすみ

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