2016 Via Claudia Augusta: Von Hurlach nach Burggen

Wir haben die Aufschrift von Sabine´s shirt zu unserem Motto gemacht: Live your dreams

Um 7.30 Uhr steigen wir wieder auf und fahren in die nahegelegene Tankstelle. Dort wartet das Frühstück auf uns. Die Tankstelle bietet kostenloses WLAN an, das habe ich vorher noch nie bei einer Tankstelle gesehen. Eine gute Gelegenheit den Reisebericht vom Vortag loszuschicken.

Bis jetzt ist die Strecke sehr abwechslungsreich. Die Landschaft wird hügeliger und bald schon kann man in der Ferne die Alpen-Silhouette durch den Dunst erkennen.

Silhouette der Alpen

Silhouette der Alpen

 Unterwegs sieht man immer mal wieder einzelne oder ganze Gruppen von Traktoren und andere motorisierte Oldtimer. In den meisten Fällen sind Fahrer und Begleiter in typisch bayrische Gewänder gehüllt. Die Buben in Lederhose, Filzhut und Wadlwärmer, die Mütter mit ihren Töchtern in Dirndln.

Auf dem Weg zum Oldtimer Treffen

Auf dem Weg zum Oldtimer Treffen

Wenige Kilometer später, in Erpfting, werden wir auf alpenländische Klänge in Form von Blasmusik aufmerksam. Das macht uns neugierig und wir verlassen die Via Claudia in Richtung Dorfmitte.

Auch hier sieht man immer wieder alte Traktoren vorbeifahren. Sie versammeln sich auf einer Wiese hinter dem Festplatz. Über 120 alte Traktoren sind hier zu bestaunen. Zum großen Teil sehr liebevoll in den Originalfarben  restauriert. Wieviele Stunden Arbeit da wohl drin stecken?

Über 120 Oldtimer Traktoren

Über 120 Oldtimer Traktoren

Ein Model hat mich besonders fasziniert: Es ist ein Traktor mit Wasserverdampfer Motor. Quasi eine Dampflokomotive auf 4 Rädern. Der Besitzer sagt, er müsse bei den Vereinsfahrten immer die Würstchen für seine Vereinsfreunde darin kochen.

Wir schlendern über die Wiese und verwöhnen unsere Gaumen mit bayrischer Kost (Braten mit Kartoffelsalat nach Oma´s Rezept) auf dem Festplatz und lassen uns dabei mit Polkas, Märschen und alpenländischer Blasmusik berieseln. Ein lustiger junger Mann hat mir gekonnt ein Weizenbier aufgeschwatzt, obwohl ich eigentlich eine Limonade trinken wollte.

Prost Mahlzeit

Prost Mahlzeit

Er war umwerfend überzeugend, dass das Bier viel besser schmecke als Limonade. Na gut, überredet. Ich werde es wahrscheinlich bereuen, wenn ich wieder auf´s Rad steigen muss.

Sepp

Sepp

Hier ist Jung und Alt zusammen, ich habe keinen einzigen Menschen gesehen, der mit seinem Smartphone beschäftigt ist. Hier zählt die wahre Kommunikation zwischen Menschen noch mehr, als die Kommunikation in der virtuellen Welt. Das ist Bayern. Ich mag diesen Menschenschlag. Er weiß einfach das Leben zu genießen und schwört auf Bräuche und vererbt sie immer weiter. Hoffentlich bleibt das noch sehr lange so.

Die Weiterfahrt läuft trotz des Weizenbieres, oder gerade deswegen, sehr gut. Es wird jetzt zunehmend hügeliger. Wir sind merklich im Voralpengebiet angekommen. Landschaftlich wird es zunehmend spannender und immer abwechslungsreicher. Wiesen, Kühe, Wälder, Maibäume, Kirchtürme mit Zwiebeldach. Hier ist alles schön gepflegt. 

Unterwegs treffen wir auf ein junges Paar, ebenfalls mit Rädern und Packtaschen unterwegs. Die junge Frau auf einem Liegerad. Sie wollen auch die Via Claudia fahren, allerdings zum Gardasee abbiegen.

Die Via Claudia geht eigentlich weit an Schongau vorbei, aber im Buch steht, dass sich ein Abstecher dorthin lohnt. Also machen wir den Umweg und fahren zuerst hinunter und wieder hinauf zum Tor der Stadtmauer, die den malerischen Ort umgibt.

Schongau

Schongau

Wir genehmigen uns ein Eis, machen wieder eine längere Rast und fahren anschließend einen großen, aber landschaftlich lohnenden Bogen über Peiting und kommen schlussendlich dort wieder an, wo wir die Via Claudia verlassen haben. Dabei geht es immer schön bergauf und bergab. Aber der riesige Berg Spaghetti-Eis muss unbedingt wieder abgebaut werden, von daher war der Umweg auch unbedingt notwendig.

Über hügeliges Auf und Ab landen wir schlussendlich in Burggen. Im Bikeline-Buch werden genau 3 Übernachtungsmöglichkeiten beschrieben. Im Gasthaus Fichtl rufen wir an: Belegt. Bei den beiden anderen fahren wir hin, jedoch öffnet sich keine Tür als wir klingeln.

Wir wollen schon weiter zum nächsten Ort fahren, als ich aus dem Augenwinkel ein Schild „Ferienwohnung“ entdecke. Lass es uns versuchen. 

Eigentlich sind wir ausgebucht, heisst es, aber der freundliche Gastgeber Burkhard meint, er hätte noch im Keller eine Notunterkunft frei. Ganz egal, nehmen wir. Im gleichen Augenblick kommt Frau Mama Paula und sagt, dass ein Zimmer frei geworden wäre, da die Gäste, die sich angemeldet haben, nicht gekommen sind. Juhu. Wir haben doppeltes Glück. Nein, wir haben sogar dreifaches und vierfaches Glück, denn wir bekommen ein tolles Zimmer und als Begrüßungsgetränk einen Tee oder Kaffee angeboten. Aber es darf auch ein kühles Getränks sein. Kaum haben wir unsere Sachen ins Zimmer gestellt, sind auch schon viele Sorten Bier, Apfelschorle und Wasser draußen im Garten auf dem Tisch. Als wir Platz nehmen, sind wir gleich umgeben von vielen netten Menschen. Der Gastgeber mit seiner Frau. Beide Eltern vom Gastgeber, die im Pensionsalter sind und weitere Feriengäste. Auch die Oma vom Gastgeber lebt auf dem ehemaligen Bauernhof. Man fühlt sich hier gleich sehr wohl. 

Man hat hier das Gefühl, hier treffen sich alle Menschen mit positiver Energie und Lebenslust. Und jeder Tag ist ein Tag der offen Tür, denn immer wieder kommen neue Besucher und Gäste.

Außer den Menschen gibt es hier auch noch einige Tiere. Kaninchen, Hühner, Laufenten und eine Katze namens Simba und Ziegen. Ein Kaninchen hat sich wohl gerade bei einem gewagten Salto Mortale im Zaun verfangen und die Katze fand das ganz lustig und hat mit dem am Zaun hängenden Kaninchen „Katz und Maus“ gespielt. Jetzt kann es sich nicht mehr bewegen und der Tierarzt (Schwager) sieht sich das arme, im Sterben liegende Tier an. Hoffen wir das Beste.

Um 18:30 Uhr haben wir einen Tisch im Gasthaus Fichtl bestellt. Wir fahren hinauf zur Burgstraße, wo das Restaurant mit gigantischem Panorama auf die Alpenwelt liegt.

Blick auf die Alpen vom Gasthaus Fichtl in Burggen

Blick auf die Alpen vom Gasthaus Fichtl in Burggen

Wir wurden von unseren Gastgebern Paula und Hans vorgewarnt, dass man nicht verhungert im Haus Fichtl. In der Tat, wir sind pappsatt, kugelrund und müssen morgen wahrscheinlich 100 km bei 1000 Hm fahren, damit die Energiebilanz nicht positiv ist. 

Nach dem Abendmahl lassen wir die Räder den Hang hinab rollen und sind wenige Minuten später wieder im Urlaubsparadies.

Dort angekommen, treffen wir die beiden Gardasee-Radfahrer Anne und Michael von unterwegs wieder. Sie werden auch hier übernachten.

Bevor wir schlafen gehen müssen wir Neuankömmlinge zwei Laufenten eingefangen. Ein großer Teil der Feriengäste und auch die Katze Simba waren bei diesem Spektakel eingebunden. 

Ein erlebnisreicher Tag geht heute zu Ende.

74 km gefahren und 642 Hm geklettert.

Hier der Link zum aufgezeichneten GPS-Track.

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Alle Fotos zu dieser Etappe: