08.06.2017 Jakobsweg: Von Vitorino dos Piades nach Ponte de Lima


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Erkenntnis des Tages: Über die „Camino-Post“ findet man sogar seine verloren gegangene Frau

Um 6:30 Uhr steht der Ehemann von Fernanda schon wieder in der Küche und bereitet das Frühstück für 20 Pilger vor. Als wir uns um 7:30 Uhr an den Tisch setzen ist alles fertig. Auch der Kaffee ist gekocht und die frischen Brötchen sind auch schon da. Bevor das Frühstück fertig ist, steht Fernanda auch auf.

Als wir mit dem Frühstück beginnen, verabschiedet sich Jacinto kurzerhand mit einem trockenen Brötchen winkend in der Hand und verlässt das Haus zu seiner Arbeit.

Diese Familie leistet Unglaubliches. Die Beiden sind wie Mutter und Vater Theresa zusammen. Und das machen diese Leute tagein, tagaus, das ganze Jahr über. Immer für Andere da. Unfassbar!

Wir verabschieden uns mit einem herzlichen Big-Hug von Fernanda und bedanken uns nochmals für ihr wundervolles Engagement und ihre aufopferungsvolle Arbeit. Dabei wirkt sie immer sehr entspannt und bestens gelaunt.
Sabine geht schon kurz vor und ich verabschiede mich noch von José. José ist junger Portugiese und spricht fließend 5 Sprachen, ist Toningenieur und saß gestern neben mir und wir hatten sehr interessante Gespräche. Deutsch spricht er seiner Meinung nach nicht gut, aber ich würde es als fließend bezeichnen. Wie wird er dann wohl die anderen 4 Sprachen beherrschen? José ist mit einem großen, äußerst dankbaren und lieben Findlingshund unterwegs und José hat sich die vergangenen Tage dem Gehtempo des Hundes angepasst und sich viele Blasen zugezogen. Er hat große Schmerzen und wird heute mit dem Bus fahren. Sabine hat dadurch wenige Minuten Vorsprung, läuft aber gleich beim Einstieg in eine falsche Richtung. Ich bin der Meinung sie läuft vor mir und wundere mich, dass ich sie nach gut einer Stunde noch immer nicht eingeholt habe, obwohl ich relativ zügig laufe. Dann treffe ich Martina, die sich kurz vor mir von José verabschiedet hat und gegangen war. Ich frage sie, ob Sabine sie überholt hat, dem ist aber nicht so.
Also kann sie nur hinter mir sein.

Alles wäre so einfach gewesen, wenn mein Telefon im Ausland Netz finden würde und Sabine ihr Telefon nicht auf lautlos gestellt hätte. Denn über Martina’s Telefon rufe ich Sabine an, aber sie nimmt nicht ab.

Ich bedanke mich bei Martina für’s Benutzen ihres Telefons und wir verabschieden uns. Ich setze mich auf eine Bank und warte. Sabine hat in der Zwischenzeit durch einen entgegengekommen Pilger durch Beschreibung erfahren, dass ich vor ihr laufe.

Sabine gibt einem schnell laufenden, überholenden Pärchen meine Personenbeschreibung mit auf den Weg: „Mann mit Buff auf dem Kopf, blauem Polo-Shirt und Kamera am Rucksack befestigt soll auf mich warten!“

Auf diese Weise hat die Camino-Post wieder funktioniert und die beiden schnellen Pilger haben mich erkannt, mir die Nachricht übermittelt und wenige Minuten später dürfte ich Sabine wieder in Empfang nehmen.

Die sogenannte Pilger-Post zeigt mal wieder, dass man sich auch ohne technische Hilfmittel finden kann.

Das ist der Camino!

Gemeinsam gehen wir weiter bis Facha und trinken darauf erstmal einen Kaffee.

Die kurze Etappe von 14,5 km lassen wir schnell hinter uns. Um 14 Uhr sind wir schon in Ponte de Lima und haben somit genügend Zeit um unsere Kleider zu waschen, den Bericht von gestern nachzuholen, die wunderschöne Altstadt zu besichtigen und etwas zu ruhen.
Als wir uns nach guten Restaurants an der Rezeption erkundigen,kommt uns Bernhard aus Wesel entgegen. Sie übernachten zufällig in der selben Unterkunft.
Später treffen wir die Beiden wieder beim Spaziergang in der Altstadt. Wir tauschen unsere Erlebnisse der letzten Tage aus und unterhalten uns eine ganze Weile auf der Ponte de Lima, sprich der Brücke über den Fluss Lima.

Am Abend geht’s nochmal kurz raus, um die beleuchtete Brücke zu fotografieren. Wir machen zeitig die Äuglein zu, denn morgen kommt eine schwierige Bergetappe.



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