11.06.2017 Jakobsweg: Von Valença do Minho nach O Porriño


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Erkenntnis des Tages: Überall Oasen

Die Bleibe ist nicht besonders erwähnenswert, das Frühstück kommt aus portioniertem Einwegplastik. Der Käse und gekochter Schinken – alles Industrieware. Der Orangensaft ein Chemiegebräu und der Kaffee – naja. Kein Vergleich zu den früheren Unterkünften. Das Erste mal übrigens, dass wir vom Frühstück etwas enttäuscht wurden, das Zimmer selbst ist okay. In der Altstadt hinter der riesigen Festungsanlage waren wir schon gestern Abend, lassen sie im wahrsten Sinne des Wortes links liegen und steuern direkt auf die Brücke zu, die Portugal mit Spanien verbindet. Oben fahren die Züge und unten die Autos. An der Seite die Spur für Fußgänger und Radfahrer. 1886 würde die Brücke offiziell eröffnet nach einer 20-jährigen Planungsphase.

Kurz vor der Brücke treffen wir Martina, die wir im Casa Fernanda kennengelernt haben und die mir ihr Handy für die Sabine-Telefon-Suchruf-Aktion ausgeliehen hat. Übrigens hat mein Provider Telefonica auf wundersame Weise wieder Netz für mein Telefon zur Verfügung gestellt, nachdem eine Woche gar nichts ging. Gemeinsam mit Martina passieren wir die Staatsgrenze auf der Hälfte der Brücke. Alles ohne Grenzkontrollen! Es lebe Europa!

Nach der Brücke kommen wir nach Spanien in den Ort Tui, auf dessen Hügel die gigantische Burgkirche thront. Es ist eine wunderschöne Kathedrale, die halb Kirche und halb Burg ist. In ihrer Blütezeit war Tui das militärische, religiöse und kulturelle Zentrum Südgaliciens.
Nach Tui treffen wir wieder auf die kanadische Familie mit einem 2-jährigen (William) und einem 4-jährigen (Gregory) Kind. Der 4 jährige läuft nach Aussage von Papa auch immer ein gutes Stück des Camino. Die Familie hat heute im selben Hotel wie wir geschlafen.
Nach ungefähr 2,5 bis 3h Gehzeit durch reizvolle Landschaften, Wälder und Dörfer finden wir ein kleines Paradies für Wanderer. Ein Landgut legt draußen Obst zum Mitnehmen aus und man kann seinen Pilgerpass abstempeln lassen. Man muss übrigens mindestens zwei Stempel pro Etappe nachweisen, um in der Herberge schlafen zu dürfen (falls überhaupt Platz ist).
Im Garten laufen der Hahn und Hühner zwischen den ruhenden und essenden Pilgern umher. Gestapelte Paletten mit Sitzkissen darauf dienen als Sitzgelegenheit. Auch Bänke und Tische sind vorhanden. In der Hütte werden die Köstlichkeiten, wie Sandwiches und allerlei Snacks vorbereitet und auch an den Platz serviert. Hier verweilen wir eine gute Stunde im Schatten eines Baumes.

Im Laufe der Zeit trudeln auch die 4-köpfige Familie aus Kanada und das nette Pärchen aus Wesel ein. Die Schweizer legen heute einen Ruhetag in Tui ein. Wir bekommen von Bernhard noch den Tipp, den Umweg von 2km zu laufen, denn der kurze Weg ohne Schatten würde durch ein hässliches Industriegebiet führen und der längere Weg teilweise durch schattige Waldstücke. Sabine ist heute nicht in absoluter Topform und fordert wieder eine Pause ein. An einem Bächlein lassen wir uns nieder und entdecken Wasserläufer, Libellen, die unruhig wie Schmetterlinge fliegen und Frösche. Allein dafür hat sich der Umweg und die Zusatzpause schon gelohnt (Fotos).

Die Hitze fordert ihren Tribut. Ich trage Sabine’s Rucksack für eine Weile. Die Wasser und Essensvorräte sind schon wieder aufgebraucht, aber die nächste Oase ist in Sicht. Tortilla Española und Cola füllen die Defizite wieder auf. Wir machen nochmal eine längere Pause damit Sabine sich erholen kann.

Gut gestärkt nehmen wir die letzten 4-5 km in Angriff. Es geht abwärts und auch ein leichter Wind weht uns entgegen. Wir nehmen den 2. Tipp von Bernhard an und zweigen bereits am Flüsschen ab und folgen dem Wasser flussaufwärts bis in die Stadt.
Um 18 Uhr sind wir erst in der Herberge, aber sie ist belegt und man sagt uns, die Anderen auch. Man telefoniert für uns die Hostals ab und wird fündig. Dafür aber nochmal 1 km extra laufen. Am Ende sind es 26 km. Geschafft!
Im Hostal sind auch die beiden Männer aus dem Allgäu und aus Österreich, die wir vorgestern in der Herberge getroffen haben.
Am Abend nur noch ein paar köstliche Tapas und voll zufrieden horchen wir in die Kissen.



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