05.08.2017 Bodensee-Königsee & Alpe Adria Radweg: Von Stallau nach Bad Feilnbach


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Etappenlänge: 72 km bei 810 Hm

Erkenntnis des Tages: Beharrlichkeit zahlt sich aus

Unser Zelt steht direkt am Wasser und wir springen sogleich hinein. Das erfrischt und belebt unglaublich. Der tolle Campingplatz bietet auch ein komplettes Frühstück an, was wir dankend annehmen. So viel Luxus gönnen wir uns dann schon, dass wir das nicht selbst zubereiten. Als alle Sachen wieder an unseren Rädern hängen, geht die Fahrt weiter in Richtung Bad Tölz. Auf der Brücke über die Isar bleibe ich stehen, um ein Foto von zwei älteren Herren zu machen, die sich gerade unterhalten. Der eine Mann hat zwei Einkaufstaschen in der Hand (Foto) und weicht zur Seite, als ich auslöse, weil er denkt ich möchte die dahinterliegende Mädelsgruppe, die den Junggesellenabschied feiert, ablichten. Wir stehen eine ganze Weile auf der Brücke und genießen die Aussicht auf die bunt bemalten Häuser. Nachher kommt der Mann mit den beiden Einkaufstaschen zu uns und fragt, wo wir her kommen und wo wir hinfahren. Er kann es gar nicht glauben. Unsere Fahrt über Berg und Tal erinnert ihn an früher, wo er als junger Diener des Staates 37 km Fußmärsche gemacht hat. Zur Belohnung bekam er nach 10 solcher Gepäckmärsche am Stück 2 Tage Sonderurlaub. Es ist immer schön, mit älteren Leuten zu reden, denn diese Menschen haben noch Zeit und genießen den Augenblick und leben im hier uns jetzt und nicht in der virtuellen Welt. In unserer gehetzten Welt sehne ich mich nach Leuten, die Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen und zudem Zeit für Unterhaltung mitbringen. Egal was sie zu sagen haben, es ist immer ein tolles Gefühl. Die jüngere Generation interessiert sich meist mehr für ihr Smartphone als für den Nachbarn auf der Parkbank und viele hetzen von A nach B. Bad Tölz ist für Sabine auch ein klein bisschen Heimat, denn dort lebte die Oma Leni lange Zeit ihres Lebens. Wir besuchen das Elternhaus in der Konradgasse 17 (Foto). Die reich verzierten Häuser mit Lüftlmalereien sind eine Augenweide, sie stammen aus der Barock- und Rokokozeit.

Weiter geht´s in Richtung Tegernsee. Um dorthin zu kommen gibt es einige steile Rampen und viele Höhenmeter zu überwinden, bevor es wieder runter zum Tegernsee geht. Landschaftlich wieder eine sehr reizvolle Strecke. Viele typisch bayrischen Häuser mit Geranien an den Fenstersimsen und Balkonen. Hier wird noch oft der natürliche Rohstoff Holz verbaut.

Noch einmal den steilen Hügel hinauf zum Golfplatz, ab hier werden wir mit einer rasanten langen Abfahrt zum Tegernsee belohnt. Der Ausblick auf den Tegernsee mit den dahinter liegenden Bergen ist ein Traum. Diesen Ausblick bewahren wir uns noch für eine ganze Weile, denn am Ufer gibt es einen schönen Badeplatz mit einen Badesteg. Ein Veggieburger sorgt für neue Power in den Beinen. Nach der Bade- und Mittagspause geht´s bergauf, bergab zum Schliersee. Ein Abschnitt von 3km ist mit einer Warntafel (Foto) versehen, dass man ab hier einen 3km schwierigen Streckenabschnitt vor sich hat. Radler mit schwerem Gepäck sollen ggf. absteigen. Es gab dann hin und wieder Radler ohne Gepäck, die geschoben haben. An dieser Stelle muss ich mal ein großes Lob an Sabine aussprechen, die mutig alles gefahren ist, sei es die schwer zu fahrenden Schotterwege bergauf, als auch die schwierigen Schotterpisten bergab. Das Warnschild galt wohl eher den gehenden Radlern ohne Gepäck, die wir auf dem Weg überholt haben. 🙂

In Hausham muss die Bank nochmal kurz angezapft werden, denn am Tegernsee haben wir unser letztes Geld für den Veggieburger zusammengekratzt.

Nun geht´s weiter am Schliersee entlang, dann nach Fischbachau, bis wir schließlich nach einer landschaftlich schönen Irgendwo-im-Nirgendwo Passage mit Wiesen so weit wie das Auge reicht, vorbeifahren. Am Ende des Horizonts ist immer das faszinierende Bergpanorama.

Nach einer 72 km langen Fahrt mit 810 Hm soll das Ende der heutigen Etappe am Kaiser-Camping sein. Ein riesiger Camping mit Schwimmbad. Wir freuen uns schon auf die angenehme Erfrischung. Aber Sabine wird an der Rezeption eine Absage erteilt. Der Campingplatz sei belegt, wir sollen einen Gasthof in Bad Feilnbach aufsuchen.

Aus der Traum. Zumindest kurzzeitig, denn Sabine sagt: „Geh Du doch nochmal rein und versuche es bei einem anderen Mitarbeiter!“ Gute Idee. Jetzt versuche ich mein Glück bei einem freundlich aussehenden Rezeptionisten. Ich setze mein erschöpftes mitleidvolles, aber freundliche Gesicht auf und versuche es nochmal. Die Antwort lautet: „Wir sind leider belegt!“ Ich erwidere, dass wir von Stallau am Weiher bis hierher gefahren und sehr erschöpft sind. Ich versichere ihm, dass wir bestimmt noch eine kleines Fleckchen für unser Zelt finden würden. Er nuschelt mit derselben Kollegin, die Sabine bereits vorhin abgewiesen hat und kommt mit guten Nachrichten zurück. Wir bekommen einen Platz im Urlauberbereich, was immer das heißen mag. Der Transitbereich ist voll. Uns ist es eigentlich völlig Wurscht, wo wir nächtigen, Hauptsache hier und nicht weiterfahren.

Nach uns werden noch einige weitere Leute abgewiesen. Unter anderem ein Vater mit seiner 8-jährigen Tochter. Sie haben den ganzen Tag über die Sachen zusammengeräumt und alles organisiert und sind mit dem Rad von Au hierher gefahren. Sie sind beide sichtlich enttäuscht, dass sie abgewiesen werden. Na gut, sagt der Vater, dann essen wir hier noch ein Eis, fahren wieder nach Hause und bauen das Zelt im Garten auf.

Als wir durch den Campingplatz fahren, wundern wir uns, dass eigentlich recht viele freie Flächen vorhanden sind. Man weiß zwar nicht, ob sie vielleicht reserviert sind und die Gäste noch kommen, aber es ist schon recht spät, sodass es unwahrscheinlich ist. Unser zugewiesener Platz ist jedoch riesig groß, dass noch locker ein weiteres Zelt drauf passt.

Ich fahre zurück zur Rezeption, in der Hoffnung, sie sind noch nicht fertig mit dem Eis essen. Und tatsächlich, die Beiden sitzen noch da. Ich frage an der Rezeption, ob es möglich ist, die Beiden als unsere Gäste auf unserem Platz einzuladen, er sei groß genug für zwei Zelte. Kein Problem. So können die Beiden ihr kleines Abenteuer fortsetzen und hier zelten. Sie freuen sich riesig und bedanken sich immer wieder. In der Tat wird es auch ein Abendteuer, denn in der Nacht kommen zwei heftige Regenschauer mit Gewitter und setzen bei den Beiden das Zelt komplett unter Wasser. Sie haben so ein billiges Wurfzelt, wo sich die Heringe schon beim bloßen Anblick verbiegen. Genauso gut sieht es mit der Dichtigkeit aus.

Aber das Mädchen, sie heißt übrigens Leyla, wird sicher noch lange daran denken und ihr Leben lang davon erzählen.



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