Von Morgada nach Hospital da Cruz (680 m)

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Von Morgada nach Hospital da Cruz (680 m)
Hospital Da Cruz, Spain

Hospital Da Cruz, Spain


6 Einzelbetten stehen im Zimmer, davon sind 5 belegt. Es war wieder eine erholsame Nacht. Vom Aufbruch der anderen 3 Personen bekommen wir nicht viel mit. So langsam mutieren wir zu Luxuspilgern. So verwöhnt sind wir von unseren letzten Herbergen. Erst um 8:15 Uhr sitzen wir am Frühstückstisch. Die große Wandergruppe aus Nürnberg ist auch noch da.

Nach dem Packen unseres Haushalts in den Rucksack machen wir uns auf den Weg. So spät war’s noch nie. Die große Gruppe versammmelt sich auf einer Wiese zur kleinen Morgenandacht.

Der Weg geht nochmals hinauf über einen zerfallenen Karrenweg. Wahrscheinlich wurde der Weg durch einen heftigen Regenguss weggespült.

Der Weg ist fantastisch. Lose aufeinander gesetzte Steine bilden kilometerlange Steinmauern, die rechts und links den Weg zieren. Überwältigend.

Uns holt die Großwandergruppe wieder ein. Im gleichen Augenblick kommen zwei Radpilger freundlich grüßend vorbei. Eine der Damen der großen Wandergruppe beschwert sich über die Radfahrer: ‚Warum müssen die den schmalen, steinigen Weg nehmen?‘ . Ich antworte: ‚Das ist der camino und der ist auch für Radfahrer da!‘ …. ‚Ja, aber … blablabla!‘ Dann erwähnt eine Mitpilgerin der Gruppe mit etwas schadenfreudigem Unterton, dass wegen ihr gestern ein Radpilger im Graben gelandet sei.
Bevor ich mich mit den Damen in die Wolle kriege, erhöhen wir lieber das Tempo, um den negativen Schwingungen zu entkommen. Würde zu gerne wissen, was sie bei der Morgenandacht verlesen haben. Soviel zum Thema gegenseitige Rücksichtnahme und Nächstenliebe.

Die nächste größere Stadt ist Portomarin. Wir überqueren den Rio Miño über eine Brücke, die auf riesigen Pfleilern steht (Foto).

Am Ende der Brücke führt eine große Treppe (Foto) hinauf nach Portomarin. Weiter geht es aufwärts bis zur Iglesia de San Nicolás (Foto), eine Kirche, die in den 60. Jahren wieder aufgebaut wurde.
Der Fluss Rio Miñor wurde aufgestaut, und einer der blühendsten und reichsten Orte Galiciens, verschwand im Wasser. Lediglich die beiden Kirchen hat man Stein für Stein, am neuen Standort wieder aufgebaut.

Wir sitzen in einer Bar am Kirchenplatz und essen und trinken eine Kleinigkeit. Die Kleider werden in der Sonne getrocknet.

Wir unterhalten uns mit netten Leuten am Nachbartisch aus Vaihingen Enz, die keinen Namen haben. Wir sehen den jungen Störchen, die ihr Nest oben auf dem Kirchturm haben, bei Ihren ersten Flugversuchen zu. Das ist ein wunderbares Schauspiel. Die Schnäbel der Störche klappern unaufhörlich. Es scheint, als würden die jungen Vögel dadurch ermuntert, zu fliegen. Wenn die Jungvögel zurückkommen, werden sie von den Eltern gefüttert.

Wir warten solange, bis die Kleider getrocknet sind. Frisch umgezogen machen wir uns wieder auf den Weg.

Plötzlich kommt aus dem Nichts die liebe Lou aus Brasilien auf uns zu. Es ist großartig sie wiederzusehen. Küsschen mehrmals, Umarmungen, wieder Küsschen. Es ist ein herzliches und warmherziges Wiedersehen. Sie dachte schon, wir seien über alle Berge. Aber dadurch, dass wir jeden Umweg mitgenommen haben und sie die kürzeren Wegstrecken gelaufen ist, sehen wir uns hier, an diesem wunderbaren Ort wieder. Wir quatschen noch ein wenig miteinander und sie nimmt sich hier eine Herberge. Wir wollen noch weiter.

Komisch, Sabine wollte schon vor einer Stunde weiterlaufen. Gut, dass ich noch länger bleiben wollte.

Portomarin verlässt man so, wie man hineingekommen ist. Wir laufen also zurück. Eine hohe, stählerne Fussgängerbrücke bringt uns wieder zurück über den Rio Mińo. Ein schmaler, schöner Waldpfad führt uns hinaus aus der Kleinstadt.
Wir haben unseren Wohlfühlwald wieder. Ein wunderbarer Weg.
Der Weg schraubt sich langsam aber immerzu nach oben, vorbei an einer stinkenden Hühnerfarm. Man könnte es eher eine Fabrik nennen. Dass es auch anders geht, sieht man in den vielen Weilern und Bauerndörfern. Dort laufen die Hühner immer frei umher.

Wir machen in Cazar an der Herberge nochmal eine Rast und gratulieren Karl per Email und von hier aus, zum Geburtstag. Heute Abend erheben wir das Glas auf Dich, Karl!

Ab der Herberge verlässt der Camino die Fahrstraße und führt durch einen Kiefernwald dann durch einen Mischwald. Hin und wieder säumen Steinmauern den Pfad. Es sind jetzt kaum noch Leute unterwegs, weil es schon relativ spät ist.

Wir kommen an unsem Ziel an. Es nennt sich Hospital de Cruz, liegt auf 680 Metern und ist eine 15 Seelengemeinde direkt an einer viel befahrenen Straße. Irgendwie hatten wir uns das hier anders vorgestellt, aber die vorherige Herberge haben wir auch schon übersprungen, weil sie uns nicht gefallen hat.

Wir wurden jetzt schon so oft verwöhnt, dass es nur logisch ist, dass jetzt unser hoher Standard wieder nach unten sinken muss. Wir sind ja schließlich auf dem Büsserpfad unterwegs und nicht auf einer Luxusreise 🙂

Zum Essen müssen wir in die Bar nebenan. MUESSEN beschreibt die Situation ganz treffend, denn es gibt weit und breit keine Alternative. Die Bedienung (ein ER), rennt ziemlich aufgeregt auf und ab. Ohne Konzept. Falsch. Er hat ein Konzept: Alles schön der Reihe nach. Es waren ca. 12 Leute zu bedienen, die alle noch nichts bestellt hatten. Selbst eine Laie würde so vorgehen: Von Tisch zu Tisch gehen, alle Bestellungen aufnehmen, in der Küche ordern, Geschirr verteilen. Essen ausgeben. Fertig. ER hat ein anderes Bedienkonzept. Einen Tisch aufnehmen, für jeden einzeln das Besteck bringen, für jeden einzeln Essen bringen, dann erst wurde der nächste Tisch bedient. Bei einem 3-Gänge-Menü dauert das halt ein bisschen. Block vergessen. Zurück. Kuli vergessen. Nochmal zurück. Unterwegs die Hälfte auf den Boden fallen lassen. ER liess sich auch nicht davon überzeugen die Bestellungen von uns UND unseren Nachbarn am Tisch gleichzeitig aufzunehmen. Es war äusserst lustig anzusehen, aber ER hat schon die Nerven aller Gäste bis auf’s Aeusserste strapaziert. Stunden später waren dann doch alle satt.

Unsere nervige Oesterreicherin war auch wieder da und hat ihrem lustlos zuhörenden Gegenüber erklärt bis wohin sie morgen laufen möchte. Wir wissen es jetzt auch, obwohl wir 5 Tische weiter weg saßen. Wie gefühlvoll doch manche Menschen sind.

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Von Calvor nach Morgade (660 m)

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Von Calvor nach Morgade (660 m)
Morgade, Spain

Morgade, Spain


Heute dürfen wir nach Herzenslust mit unseren Tüten rascheln. Schlangestehen an der Dusche? … Fehlanzeige! Um 7.00 Uhr werden wir wach, weil wir ausgeschlafen sind. Die Schalldämpfer blieben im Kulturbeutel. Wir kommen uns vor wie zwei Luxuspilger, die fernab vom Büßerpfad übernachten, aber dem ist nicht so.
Gut, es ist teurer als 5 €, das ist aber auch der einzige Wehrmutstropfen.
Wir verabschieden uns von der Herberge mit einer schönen Melodie aus der Spieluhr (Video) und einem Eintrag ins Gästebuch (Foto).

Unser erstes Frühstück besteht aus einem Automatenkaffee con leche, ein paar Keksen und etwas Baguette mit Käse aus unserem Rucksack.

Wir steigen wieder in den camino ein. Ab Galicien kommt alle 500 Meter ein Stein mit der Kilometerangabe nach Santiago de Compostela. Der Countdown läuft: Nur noch 124 Kilometer.

Der Pfad läuft jetzt in einem deutlichen Abstand parallel zur Straße bis nach Sarria. In das Centro urbano kommt man über eine Treppe mit vielen Stufen. Um unseren Koffeinhaushalt wiederherzustellen, verweilen wir in einem netten Café in der Rúa Maior, wo rechts und links der Straße herrschaftliche Häuser aus dem 18. Jh stehen. Die Altstadt zieht sich den ganzen Hügel hinauf. An der anderen Seite geht es wieder runter an einer Schule vorbei. Schulkinder bereiten einen Auftritt mit Musik und Regenschirmen auf dem Schulhof vor (Video). Die beiden Lehrerinnen haben Mühe, den wusseligen Haufen junger Schüler zu koordinieren.
Letztes schönes Bauwerk in Sarria ist eine alte romanische Brücke (Video), bevor wir auf einem schönen Waldpfad weiter wandern.
Wir laufen unter einer Autobahn hindurch, die auf riesigen Stelzen steht und überqueren sogleich einen Bahnübergang.
Dann wieder ein relativ steiler Aufstieg auf einem Pfad, der von alten, großen und knorrigen Bäumen bestückt ist.

Es geht immer weiter bergauf. Kurz vor der Anhöhe werden wir von einem älteren Herrn angesprochen, ob wir nicht die schöne Kirche abseits des Weges anschauen möchten. Wir gehen mit zur Iglesia de Santiago de Barbadelo. Eine schlichte schöne Kirche. Wir zünden nochmal eine Kerze an. Wir verweilen etwas und lassen uns beim Verlassen der Kirche noch einen Stempel geben.

Sabine denkt den ganzen Aufstieg schon an eine gekühlte Cola. Es dauert nicht lange und oben auf dem Berg finden wir eine personalfreie Bar (Automat). Ich werfe 1,20 € ein und drücke die Nummer 51 für Cola, aber nichts passiert. Ich will schon weiterlaufen, weil ich denke, der Automat sei defekt. Sabine entdeckt dann noch die magische ‚Start‘-Taste und die Cola kommt auf wundersame Weise doch noch aus dem Schlund. Wer ahnt schon, dass es Automaten gibt, die wie Windows aufgebaut sind und alles über Start geht?!

Mit neuer Energie geht’s weiter aufwärts. Wir erreichen eine Landstraße, die wir überqueren. 100 Meter weiter eine Bar. Das passt, denn wir haben Hunger. In der Bar gibt es leckeren Kaffee, Tortilla und Cola. Zum Nachtisch gibt’s noch eine Tafel Schokolade. Zu Hause würde uns schlecht werden, aber hier war die ganze Tafel im Nu verschwunden.
Es geht weiter hügelig auf und ab. Eine Landschaft wie im Bilderbuch. Hin und wieder ein kleiner Weiler, durch den man geht.

Höhepunkt des Tages ist die Ueberschreitung der 100 km Marke (Foto).

Kurz danach kommt eine Bar namens ‚Casa Morgade‘, die auch Zimmer und Betten anbietet. Wir lassen uns die Zimmer zeigen. Uns gefällt es hier sehr gut und wir entscheiden uns zu bleiben. Es ist bereits 16.30 Uhr, wenn wir weiter gehen würden, bestünde die Gefahr, kein Bett mehr zu bekommen.

In Morgada ist der Internet-PC defekt, deshalb muss ich mit meinem HTC auf den Berg steigen, um die Bilder und Videos loszuwerden. Ich komme mir vor, wie der Geschäftsmann bei dem französischen Pilgerfilm, der sein Telefon hoch in die Luft hält, um den bestmöglichen Empfang zu haben.

Die vorbeilaufenden Pilger denken bestimmt, ich hab sie nicht mehr alle. 🙂

Am Tisch gegenüber sitzt eine 12-köpfige ‚Wandergruppe‘ aus Nürnberg. Es gibt ein Fahrertrupp, der die Wanderer, die nicht mehr laufen können oder wollen, vom per Handy ausgemachten Ort, abholt. Sie laufen das 12. Jahr in Etappen von Nürnberg ans Kap Finisterre, allerdings nur mit Tagesrucksack. Die dicken Koffer fahren von Hostel zu Hostel.
Sie unterscheiden sich von den ‚echten Pilgern‘ insofern, als dass sie geschminkt, mit roten Fußnägeln und Abendgardarobe am Essenstisch sitzen.

Am Abend gibt es wieder ein Menü mit Wasser und Wein. Als Betthupferl gibt es noch einen Kräuterschnaps (Foto). Salud!

Wetter: Sonnig und warm

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Von Triacastela nach Calvor (490 m)

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Von Triacastela nach Calvor (490 m)
Calvor, Spain

Calvor, Spain


Normalerweise ist spätestens um 6.00 Uhr morgens die Nacht vorbei. Ein Wecker ist völliger Unsinn. Heute, wo wir in Samos eines der ältesten Klöster der westlichen Welt besichtigen wollen, ist es dermaßen ruhig in der wunderschönen, atmosphärischen, kleinen, privaten Herberge, dass fast alle über eine Stunde länger schlafen. Wir demnach auch. Ab 10 Uhr beginnen die Führungen im Kloster und wir haben noch nicht gefrühstückt.
Wir machen uns fertig und gehen ein paar Schritte weiter zur nächsten Bar. Wir frühstücken aber trotzdem in aller Ruhe und machen uns auf den Weg, der zunächst ein Stück an einer wenig befahrenen Landstraße entlang geht. Wir hoffen, dass es irgendwie trotzdem noch reicht.
Ab Triastela verzweigt sich der Weg wieder und führt nach ca. 21 km in Sarria wieder zusammen.
Ein Weg ist etwas kürzer und ländlicher, dafür gibt es kein schönes Kloster. Auf dem Weg zum Kloster ist mir gerade danach, eine ganz liebe Mail von Timo zu beanworten, der gerade in Kambodscha ist. Gestern war nicht der Tag dafür, aber heute. Ich war beim Laufen und schreiben der Email schön in Trance geraten. Ich will die Mail noch abschicken aber es geht nicht. Kein Netz. Komischerweise gab es das bisher noch nie.

Im nächsten Bauerndorf geht es steil bergab, wir sind gerade tief in unsere Gedanken versunken, als plötzlich ein Schrei von hinten kommt. Wir hechten zur Seite und eine Horde ungehobelter Radpilger walzt uns fast über den Haufen.
Das ist auf der ganzen Strecke bis jetzt noch nie passiert. Im Gegenteil, die Radpilger sind sehr rücksichtsvoll und grüßen mit ‚Buen camino‘ im Vorbeifahren. Um die Leute nicht zu erschrecken ist es besser, die Fahrradklingel einzusetzen, weil lautes Schreien auch andere Ursachen haben kann.
Kurze Zeit später, mitten im Dorf, zankt sich lautstark ein Bauernpaar. Sie schreien einander an. Man kann es auf einer Strecke von ca. 200 Metern hören. Geschirr geht aber nicht zu Bruch. Heute ist der Tag des Schreiens 🙂

Mein Schnürsenkel geht auf. Ich halte kurz an, um den Schuh zu binden. Ich trotte die ganze Zeit hinter Sabine her und mache während des Gehens ein paar Notizen.
Kurz nach Ortsausgang verzweigt sich der Weg: Gelber Pfeil auf Schild nach links. Später ist nur noch die Markierung für eine Albergue zu sehen. Ich drehe wieder um, gehe ein paar hundert Meter zurück bis zum Abzweig und siehe da, es gibt noch einen gelben Pfeil an der Steinmauer, der nach rechts zeigt (Foto). Sabine ist jetzt bestimmt über alle Berge.

Ein finsterer Wegabschnitt folgt. Auf der linken Seite knorrige Bäume, auf der rechten Seite grasbewachsene Hügel. (Foto) Gänsehaut durchzieht meinen ganzen Körper. Wenige Schritte später ein Krampf am rechten Fuß. Der Ringfußzeh schmerzt und beisst. Das Schaudern am Rücken wird schlimmer. Wieder wenige Schritte weiter: Eine sich widersprechende Wegweisung (Foto). Der gelbe Pfeil, und das schräge Kreuz. Das Kreuz bedeutet, dass man dort nicht hin soll. Das nächste Kuhdorf kommt und Krampf und Gänsehaut sind plötzlich weg. 10 Sekunden später sieht mich Sabine und ruft: ‚Reneeeeeé …. hieeer!!‘ läuft aber weiter. Ich hole sie nach 15 Minuten ein. Unglaublich, Sabine ahnte schon, dass ich genau an der besagten Abzweigung falsch laufen würde. Im gleichen Moment ist wieder Netz da und die Mail an Timo geht raus.

Alles ist wieder gut.

Ist es DAS, was einem auf dem Camino passieren kann? Sind das nur merkwürdige Zufälle?

Nochmal ein kurzer Anstieg, dann noch 500 Meter bis Samos. Wir kommen zu der Stelle, wo man unten im Tal das riesige Kloster liegen sieht (Foto). Ein Padre in einer Kutte macht die Klosterführung in spanischer Sprache und wir bestaunen die alten Gemäuer von innen. Dieter ist auch da. Wir versuchen, aus den für uns verständlichen Wortfetzen das Gesagte zusammen zu reimen.

Am Ende lassen wir uns noch einen Stempel von Padre Augustin in unsere Pilgerpässe geben. Er ist sehr pilgerfreundlich und interessiert sich für die Menschen. Eine wundervolle Begegnung, die mit einem Foto abgeschlossen wird. Er möchte das Foto gerne haben und wir schreiben seine Adresse auf.

Es ist Zeit für eine ausgiebiege Rast, die wir in einer Bar in der Nähe des Klosters machen. Meine Klamotten sind klitschnass verschwitzt und werden derweil in der Sonne getrocknet.

Dieter erzählt uns, dass auch Rita und Wolfgang hier abgestiegen sind. Wir sind noch am Überlegen, ob wir in Samos bleiben. Es ist aber erst 13 Uhr und wir sind noch fit.

Wir entschließen uns für’s Weiterlaufen. Es nieselt ein paar Minuten, aber es lohnt kaum, den Regenschirm herauszuholen.
Zuerst führt der Weg eine Weile an der Straße entlang, bevor wir wieder vor die Alternative gestellt werden: Kurz und Straße oder länger, dafür schöner und über die Berge.

Wir entscheiden uns für die landschaftlich schönere und längere Route Richtung Norden. Der Camino verläuft jetzt immer hügelig auf und ab. Die Sonne ist auch wieder da.

Wir brauchen nochmal 2,5 h bis Colvor. Unterwegs machen wir nochmal Rast und ziehen die Schuhe aus, damit die Füsse sich erholen und trocknen können.

In Colvor überlegen wir uns nochmal, ob wir bleiben oder weitergehen.

Dieter meinte, dass es kurz nach Colvor eine relativ neue Albergue gäbe, wusste es aber nicht mehr genau. Wir entscheiden uns dann doch für’s Weitergehen.
Und tatsächlich, wie eine kleine Oase liegt sie vor uns. Eine private Albergue, welche eher noblen Ferienhäusern gleicht. Mit großem Garten, Klavier, luxoriösem Aufenthaltsraum etc. (Foto). Radpilger sind hier übrigens auch willkommen. Es ist schon 17.00 Uhr, wir haben aber wenig Hoffnung noch einen freien Platz zu bekommen. Zu unserer Überraschung sind jedoch noch Mehrbettzimmer UND Doppelzimmer frei. Die Mehrbettzimmer sind schon voll, aber nachdem wir die Doppelzimmer sehen, wollen wir dort nicht mehr raus. Mal ein Zimmer mit eigener Dusche und ohne gelbe Ohrstöpsel schlafen. Ein Traum!

Um 19 Uhr bekommen wir ein gemeinsames vegetarisches Pilgermenü serviert. Als Vorspeise gibt es einen vorzüglichen Gemüse-Linseneintopf, als Hauptgericht Tortilla mit einem gemischten Salat und als Nachspeise galicischen Kuchen und verschiedenes Obst. Dazu Wasser und vino tinto (Rotwein).

Am Tisch neben uns sitzt eine gesprächige nette Pilgerin aus Ulm namens Annette, die mit Ihrem Vater (68 Jahre) unterwegs ist. Der Vater ist ihr allerdings zwei Tage voraus und wartet in Portomarin auf sie, um mit ihr die letzten 100 km nach Santiago de Compostela zu laufen.

Müde und satt beenden wir den Tag mit einem (hoffentlich) erholsamen Schlaf.

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Von O Cebreiro nach Triacastela (671 m)

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Von O Cebreiro nach Triacastela (671 m)
Triacastela, Spain

Triacastela, Spain


Wider erwarten war die Nacht sehr ruhig, abgesehen von einigen Schnachern. Wir haben sehr gut geschlafen und sind recht fit. Das Schnarchkonzert empfinden wir mittlerweile nicht mehr als störend. Scheinbar lernt man auf diesem Weg auch mit Dingen umzugehen, die man normalerweise als störend empfindet, insbesondere, wenn man die gelben Schalltöter zu Hilfe nimmt. Um 6:00 Uhr wurde das Licht von den Hospitaleros eingeschaltet und das ‚Kruschteln‘ in den Rucksäcken und das Rascheln der Müllbeutel nimmt seinen Lauf. Um 6.00 ist das auch ok, da will eigentlich kaum jemand mehr weiterschlafen. Der frühe Vogel fängt den Wurm 🙂 Um 7.00 sind wir dann startklar und haben ein kleines Frühstück ohne Kaffee. Das holen wir im nächste Ort nach.

Zunächst geht es noch ein paar hundert Meter bergauf. Ich spanne kurz den Regenschirm auf, um meine Kamera vor den Tropfen zu schützen, aber 10 Minuten später kann ich ihn wieder einpacken. Ab der Passhöhe duftet es nach einer Mischung aus Kierfern und Waldmeister. Die Gerüche erinnern uns ein bisschen an die Düfte der Maccia. Der Abstieg geht über einen breiten Weg mit grobem Schotter. Links werden wir von einem Gebirgszug begleitet. Dann wieder runter und hoch bis zur Passhöhe Alto San Roque (1270m) wo uns eine riesige Pilgerstatue erwartet. Wieder ein schönes Fotomotiv, denn in den fernen, dahinter liegenden Bergen ist noch etwas vom Morgenrot im Dunst zu sehen. Dann geht es über eine kleine Anhöhe und einer anschließenden Senke in das Ort Hospital da Condesa hinein. Wir frühstücken jetzt ausgiebig in der Bar mit Kaffee, Tostelas, Marmelade, Schokolade, Cola. Wir brauchen Energie, denn uns geht es heute mental nicht so gut wie in den letzten Tagen. Dieter setzt sich noch mit an den Tisch und hilft uns, die Tafel Schokolade aufzuessen. Anschließend besichtigen wir die kleine, schlichte Kirche San Juan de Hospital, deren winzigen Glockenturm man über eine Steintreppe besichtigen kann. Die wenigen Treppenstufen sind freitragende Steinplatten, die aus dem Mauerwerk herausragen. Im Glockenturm befinden sich zwei Glocken. Dieter war auch da, das freut uns. Aber auch die nervtötende Holländerin, die ich jetzt mal Miss iPhone nenne. Miss iPhone war übrigens in der Bar und wieder mal am Telefonieren.

Dann wird es mit dem Aufstieg zum Alto do Poio nochmal anstrengend. Das letzte 1/4 zieht sich sehr steil zur Passhöhe hinauf. Damit haben wir den letzten großen Anstieg überwunden. Am Pass ist eine Bar und wir treffen auf die beiden Berliner, die gemütlich in der Sonne sitzen und Ihr 2. Frühstück nehmen. Wir wünschen ‚Buen camino‘ und gehen weiter, weil wir gerade gefrühstückt haben. Mit schönen Ausblicken über das galicische Bergland gelangt man auf gut ausgebauten Pfaden nach Fonfria und O Biduedo. Die keltische Vergangenheit auf diesem Abschnitt ist unverkennbar. Manchmal hat man ein bisschen das Gefühl in Irland herumzulaufen. Die Landschaft, die Steinmauern, die runden Steinbauten, die vom Grün eingesäumten Wege, die Dörfer. Nach ca. 2,5h kommen wir nach O Biduedo. Eine Bar lockt uns hinein, denn es ist wieder Hunger zu spüren. Wir verköstigen uns mit Cafe con leche grande, Cola und Tortilla mit Speck, um wieder Energie für die 1,5 Wanderstunden zu haben. Wir schneiden gerade die Tortilla an, kommen Rita und Wolfgang um die Ecke. Sie bestellen Mineralstoffe in flüssiger Form und Dieter erscheint. Die Runde ist wieder komplett 🙂 … Nach kurzem Wortwechsel machen wir uns aber einzeln auf den Weg. Es geht merklich bergab. Es folgen noch zwei malerische Bauerndörfer namens Pasantes und Ramil. In Pasantas kaufen wir ein Schälchen Himbeeren und in Ramil steht eine bewunderswerte, uralte Kastanie. Um das uralte Gehölz zu fotografieren benötige ich ein Fisheye-Objektiv, deshalb werde ich es erst später hochladen können. Es geht weiter bergab und wir erreichen unsere Albergue Aitzenea in Triacastela. Miss iPhone ist auch wieder da, aber glücklicherweise in einem anderen Zimmer. Zwei Koreaner, wahrscheinlich Mutter mit Sohn, sehen wir jetzt auch schon zum dritten Mal.

Das Pilgermnü nehmen wir heute alleine ein, weil wir nicht wissen, wo Dieter, Rita und Wolfgang stecken. Es gibt Gemüsesuppe, Hühnchen mit Pommes oder Kalbsfleisch mit Pommes. Obligatorisch ist das Wasser und der Wein.

Ein paar Tische weiter sehen wir wieder das sächsische Zankpaar beim Essen. Der Koreaner Baek ist auch wieder da. Er huscht schnell an unserem Tisch vorbei, sieht uns aber nicht.

Am Abend sitzen wir noch mit Rita, Wolfgang und Dieter zusammen.

Leider habe ich keine schnelle Internetverbindung, deshalb kann ich nicht alle Fotos und Videos hochladen.

Wetter: Meist sonnig, windig. Angenehmes Wanderwetter

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Von Trabadelo nach O Cebreiro (1330m)

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Von Trabadelo nach O Cebreiro (1330m)
O Cebreiro, Spain

O Cebreiro, Spain


Die Nacht ist äußert ruhig. Keine Schnarcher, kein Husten, keine Handys. Um 5.00 Uhr verlassen einige der 8 Personen bereits das Bett. Aber auf leisen Sohlen, sehr rücksichtsvoll und leise. Alle Frühaufsteher nehmen Ihren Rucksack mit nach draußen und rascheln in den Fluren bei geschlossenen Türen. So viel Rücksichtnahme wie heute wünscht man sich öfter. Wir trinken einen Cappuccino aus dem Automaten und nehmen einen trockenen Kuchen, ebenfalls aus dem Automaten. Die erste Tasse geht in den Gulli, weil ich keinen Becher darunter stelle. Es reicht nur noch für eine Tasse, die wir uns teilen.

Wir sind schon vor 7.00 Uhr auf den Beinen. Diese tragen uns und unsere Last auf einem wenig schönen Weg an der Fahrstrasse entlang, was aber glücklicherweise nicht sehr lange dauert.

Das 2. Frühstück nehmen wir nach ca. 1,5 Stunden in einer Bäckerei mit schönem Café zu uns. Es geht immerzu bergauf an einer fast unbefahrenen Landstraße entlang. Es wird immer grüner. Dann verlassen wir linker Hand die geteerte Straße und der Camino macht seinem Namen alle Ehre. Es ist ein grüner Kamin. Alles ist umgeben von Laubbäumen und Blättern, wie ein grüner Tunnel. Der Pfad geht steinig und steil bergauf, die Radfahrer müssen leider der Strasse weiter folgen bis La Faba (916m). Wir legen eine Rast an einer Bar ein und bestellen Cola, Kaffee …. und? ……Falsch: Diesmal gibt es keine Tortilla, sondern einen Schokoladenkuchen, den wir zuvor in der Bäckerei gekauft haben. Sabine ist nach dem Aufstieg nicht mehr wieder zu erkennen (Foto). Sie bestellt sich nach dem Kuchen noch ein gefülltes, süsses Teilchen mit Schokoüberzug. Bei den Pilgermenüs wird auch immer alles aufgegessen. Was das zur Folge hat, könnt ihr auf dem Foto sehen.
Wir müssen ’nur‘ noch 300 weitere Höhenmeter überwinden auf einer Länge von 4 km, dann haben wir unser heutiges Etappenziel erreicht. Zuerst kommt aber La Laguna, ein malerisches Bauerndorf.
Landschaftlich ist der ganze Aufstieg von ca. 830 hm ein absoluter Naturgenuss mit wunderschönen Ausblicken. Die Höhepunkte des Weges scheinen in der autonomen Region Galiciens zu liegen. Wir überschreiten kurz vor O Cebreiro die Grenze nach Galicien (Video), die durch einen Grenzstein am Wegesrand markiert ist.
Alle Mühen und Entbehrungen haben sich gelohnt für dieses prächtige Panorama auf 1330 Metern Höhe.

Am Ende der Etappe gelangen wir in das Museumsdorf und Heiligtum O Cebreiro. Ein wunderschönes Bilderbuchdorf, wie auf einer Postkarte.

Wir kommen in die Herberge, einer der meist frequentierten am Weg. Ungefähr 100 Menschen in einem Raum. Mal sehen wie die Nacht wird. Im Augenblich ärgere ich mich über eine Landesgenossin, die tatsächlich schon seit über einer halben Stunde im Schlafraum telefoniert, wo die Leute ihr Mittagsschläfchen halten wollen. Unmöglich. Wir beziehen unser Bett und wer liegt unter uns? Dieter!

Rita und Wolfgang treffen wir auch an der Kirche. Wir bestellen einen Tisch für 19.00 Uhr für unser gemeinsames Abendessen.

Das Pilgermenü kostet 10 € und besteht aus Wasser und Wein, Gemüsesuppe, Spare Ribs mit Pommes Frites. Zum Nachtisch gibt es galicischen Kuchen, Jogurt, Weichkäse aus Kuhmilch mit Honig.

Es war wieder sehr lustig.

Wetter: Angenehm mild und sonnig. Ideal zum wandern. Nicht zu heiss.
Strecke: ca. 18km und 830hm

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