Tag 40: Volterra – Alabaster, Etrusker und windige Weitblicke
Ein facettenreicher Reise durch die Toskana führt einen unweigerlich an Orte, an denen die Geschichte förmlich aus jeder Mauerritze dampft. Heute stand Volterra auf dem Reiseplan – eine Stadt, die auf einem schroffen, windumtosten Bergrücken thront und schon von Weitem eine fast mystische Aura verströmt. Während andere toskanische Städtchen eher verspielt wirken, empfängt Volterra seine Besucher mit dunklem Tuffstein, ernsten Palazzi und stolzen 3.000 Jahren Geschichte.
Durch das etruskische Tor ins Herz der Stadt
Schon der Eingang in die Altstadt durch die ehrwürdige Porta all’Arco ist ein echtes Erlebnis: Der gewaltige Torbogen stammt noch aus der Zeit der Etrusker, und die drei verwitterten Steinköpfe blicken seit über zwei Jahrtausenden stoisch auf das Treiben herab. Von dort aus schlenderten wir durch die verwinkelten, kopfsteingepflasterten Gassen hinauf zur Piazza dei Priori.
Hier schlägt das historische Herz der Stadt: Der imposante Palazzo dei Priori, das älteste erhaltene Kommunalgebäude der Toskana, stand einst sogar Modell für den berühmten Palazzo Vecchio in Florenz. Bei einem ersten Cappuccino ließen wir die trutzige Kulisse auf uns wirken und schauten dem entspannten italienischen Alltag zu.
Weißes Gold und römische Theaterkunst
Volterra ist weltberühmt für sein „weißes Gold“: den Alabaster. An fast jeder Ecke stolpert man über kleine, staubige Handwerkswerkstätten (Botteghe), aus denen das leise Schleifen und Meißeln der Bildhauer dringt. Das weiche, durchscheinende Gestein wird hier seit der Antike zu Vasen, Lampen und filigranen Skulpturen verarbeitet – ein faszinierendes Kunsthandwerk, an dessen Schaufenstern man einfach hängenbleibt.
Anschließend spazierten wir weiter zum römischen Theater am Nordhang der Stadt. Die Anlage aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. ist erstaunlich gut erhalten und liegt malerisch eingebettet unterhalb der Stadtmauer. Von oben hat man einen grandiosen Blick auf die halbkreisförmigen Sitzreihen und die dahinterliegenden Thermalruinen. Drohne Luftikus musste im Stadtgebiet zwar aus Respekt vor den engen Gassen im Rucksack pausieren, aber der Blick mit den eigenen Augen reichte völlig aus!
Panoramablicke über die wilden Balze
Zum Abschluss unseres Rundgangs zog es uns zu den berüchtigten Balze – den gewaltigen, dramatischen Erosionsschluchten am Stadtrand, an denen der lehmige Boden über Jahrhunderte immer wieder abgerutscht ist und tiefe Abgründe hinterlassen hat. Der Blick schweift hier kilometerweit über die kargen Hügel der Region bis fast ans Mittelmeer. Mit dem typisch toskanischen Wind um die Nase und vielen Bildern einer ganz anderen Facette der Region machten wir uns schließlich auf den Rückweg zum Camper.
Ein solch eindrucksvoller Reise durch die Toskana zeigt eben immer wieder: Hinter jeder Hügelkuppe wartet eine komplett neue Welt!




































Tag 41: San Gimignano – Das mittelalterliche Manhattan der Toskana
Diese erlebnisreiche Reise hält an fast jeder Straßenecke ein neues Fotomotiv bereit, doch die Skyline unseres heutigen Ziels schlägt dem Fass die Krone aus. Schon aus vielen Kilometern Entfernung stechen die markanten Steintürme von San Gimignano wie spitze Zähne in den toskanischen Himmel. Einst bauten die reichen Adelsfamilien der Stadt um die Wette: Je höher der Familienturm ragte, desto mehr Macht und Ansehen demonstrierte man den verhassten Nachbarn. Von den einst über 70 Geschlechtertürmen trotzen heute noch 14 Wind und Wetter – und machen den Ort zu einer der spektakulärsten Kulissen im ganzen Land.
Zwischen Brunnenzauber und weltmeisterlichem Gelato
Nachdem wir den Camper auf einem der ausgewiesenen Stellplätze unterhalb der Festungsmauern geparkt hatten, machten wir uns zu Fuß an den Aufstieg durch das alte Stadttor Porta San Giovanni. Schon nach wenigen Metern waren wir mitten im Trubel: Schmale Pflastergassen, gesäumt von urigen Feinkostläden mit Wildschweinschinken, Safran und dem berühmten Weißwein Vernaccia di San Gimignano.
Unser Weg führte uns schnurstracks zur bezaubernden Piazza della Cisterna mit ihrem achteckigen Ziehbrunnen im Zentrum. Natürlich führte hier kein Weg an der legendären Gelateria Dondoli vorbei – schließlich will man sich als Reisender nicht die Chance entgehen lassen, das mehrfach zum Weltmeister gekürte Eis selbst zu testen. Mit zwei gewaltigen Eistüten bewaffnet setzten wir uns auf die warmen Steinstufen des Brunnens und genossen das bunte Treiben um uns herum.
































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