2015 Musical HAIR Premiere @ Capitol Mannheim

Mannheim – Tobenden Beifall erntete das Ensemble des Mannheimer Capitols am vergangenen Freitag.

Auf der Bühne präsentierten sie am 18.09.15 das Musical Hair und daraus wurde eine Zeitreise 47 Jahre in die Vergangenheit. Beim Finale wurde das Team unterstützt von Ron Williams, Reiner Schöne und Su Kramer.

Die Jugend suchte damals ihre eigene Identität und der unbändige Willen nach Freiheit prägte die Menschen. In Vietnam tobte ein erbitterlicher Krieg der Amerikaner und die jungen Menschen standen auf, um diesem Irrsinn ein Ende zu setzen.

Let the sunshine in

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Die Geschichte dreht sich um den jungen Claude Bukowski. Er kommt wegen seiner Einberufung zum Wehrdienst aus der amerikanischen Provinz nach New York. Er soll in den Krieg ziehen – nach Vietnam. Im Central Park stößt er auf eine Gruppe „Hippies“ um den charismatischen  George Berger, die alles, was Bukowski in der konservativen Provinz bisher erfahren hatte, auf den Kopf stellen: Sie propagieren und leben „Freie Liebe“, „Mystische Bewusstseinsströme“, Drogen,  Selbstbestimmung und einen absoluten Pazifismus. In einem großen „Be In“ verbrennen sie öffentlich Ihre Einberufungs-Bescheide und sagen dem Kriegs-Establishment so endgültig den Kampf an. Claude ist hin und her gerissen zwischen der Faszination eines anderen, freieren und menschlicheren Amerikas und seinen traditionellen Werten. Das tragische Ende ist vorprogrammiert. Das „Zeitalter des Wassermanns“ provozierte die Elterngeneration, protestierte gegen überkommene Hierarchien, Rassismus und Militarismus und forderte unverhohlen ein elementares Menschenrecht: „Das Recht, anders sein zu dürfen.“

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Großartige Stimmen, tolle Kostüme und eine tolle Choreografie und klasse Musiker im Hintergrund, versetzten fast drei Stunden das Publikum in jene Jahre. Die acht Darsteller des Ensembles verstanden es, ihre Rolle meisterlich zu spielen. Jeder Einzelne hatte während des Programms an irgendeiner Stelle eine Solopassage, die den Künstlern wie auf den Leib geschrieben war.  Das Bühnenbild war eher schlicht, aber dennoch eindrucksvoll: Auf einer schiefen Ebene spiele sich die ganze Handlung ab und an den Seiten standen mächtige Säulen, die die New Yorker Häuser verkörperten. Über allem thront das Bild von „Uncle Sam“ , jene legendäre Figur mit Zylinder, die während der Kriege für den Wehrdienst mit den Slogan „I want you for US Army“ warb.

Schon am Nachmittag hatte das Ensemble außergewöhnlichen Besuch: Drei Musical Stars der ersten Stunde, gaben sich ein Stelldichein und erzählten von ihrem Debüt im Jahr 1969 in München. Reiner Schöne, Su Kramer und Ron Williams zählten zu jenen Künstlern, die damals die ersten Aufführungen von Hair spielten. „Die Presse und die Öffentlichkeit hatte uns damals im Vorfeld zerrissen“, meinte Ron Williams. In jener Zeit nannte man Langhaarige, Gammler und dass man auf der Bühne bislang verhüllte Körperteile zeigte oder auch einen vermeintlichen Joint rauchte, war total verpönt. Nach und nach gesellte sich die gehobene Gesellschaft in das Publikum und plötzlich gab es eine Sinneswandlung. Rainer Schöne, der in seiner aktiven Künstlerzeit rund 20 Jahre in Amerika lebte und bei vielen Fernsehserien mitwirkte, nannte die damalige Zeit „eine professionelle Befreiung“.

„Love and Peace forever“ war und ist die zeitlose Botschaft von Su Kramer. Sie hatte an dem Abend ihr damaliges Militärhemd an, mit dem sie ihr Debut von „Haare“ wie das Musical damals noch in Deutschland hieß, in München absolvierte. Für sie sind einige der Texte aus dem Musical Hair gerade in der heutigen Zeit leider noch immer zeitgemäß.  Kurz vor der Premiere sang sie vor Pressevertretern das Lied „Easy to be hard“, warum sind die Leute so herzlos.

Weitere Vorstellungstermine von Hair im Mannheimer Capitol sind am:

Dienstag, den 20.10.2015
Mittwoch, den 25.11.2015
Freitag, den 04.12.2015,

jeweils um 20 Uhr.

Text: Helmut Dell
Fotos: René van der Voorden

Mit freundlicher Genehmigung von Helmut Dell / Metropolnews.info