2016 Mexiko & Kuba Rundreise: Tlaxcala, Cacaxtla Pyramiden & St. Ana Chiautempan

Benötigt man auf 2000 Metern Höhe weniger Schlaf als auf 90? Liegt es an der Neugier? Letztlich weiß ich es nicht und es ist eigentlich auch egal. Ich bin jedenfalls schon wieder als erstes auf den Beinen. Die Zeit werde ich gleich nutzen, um dem Gemeinwohl zu dienen: Frühstück für meine Wegbegleiter vorbereiten.

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Wir frühstücken gemeinsam und machen uns sogleich auf den Weg zu den Pyramiden Tlaxcala & Cacaxtla. Die Fahrt mit dem Auto dauert ca. 90 Minuten.

Mexikanischer Schwertransport

In den Ortschaften wird die Fahrt durch Hundertschaften von Toppes (Bremsschwellen) unterbrochen. Manche Toppes sind mit Warnschildern versehen, damit man rechtzeitig herunterbremsen kann. Allerdings sind das oft Toppes, die man aufgrund ihrer Größe eh nicht übersehen kann. Die meisten Schwellen sind jedoch ohne Warnschilder und kommen zum Teil sehr unerwartet. Die Beschaffenheit der Toppes folgt keiner Norm, sondern jeder Toppes hat seine ganz individuelle Form. Manche sind langgezogen und hoch. Manche sind kurz und niedrig. Manche sind auch kurz und hoch, was dann dazu führt, dass der Audi A3 des Öfteren mal aufsitzt. Auch die Abstände variieren zwischen 100 und 10 Metern.

Weil wir uns ein bisschen verfahren, kommen wir durch viele kleine lang gezogene Dörfchen. In einem Örtchen ist etwas mehr los und wir entdecken einen Trödelmarkt in der Ferne. Wir beschließen kurz auszusteigen, um uns dem Treiben hinzugeben.

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Die Weiterfahrt zu den Pyramiden ist teils sehr abenteuerlich. Eine Straße war so steil, dass die Vorderräder schon an Haftung verloren. Ich schätze 20% Steigung. Die Schlaglöcher muss man gekonnt umschiffen, um nicht die Reifen zu demolieren. Letztendlich sind wir den Berg aber hochgekommen.

Wir erreichen die Pyramiden Tlaxcala und werden zufällig Zeuge einer Beerdigung, die so ganz anders „gefeiert“ wird als in unseren Breiten. Der Sarg wird von der Kirche zum Friedhof getragen, begleitet von Familie und Freunden. Dahinter eine Blaskapelle, die aber im Gegensatz zu unserer Tradition sehr fröhliche Musik spielt. Das Video zeigt einen Ausschnitt der Zeremonie.

Die Pyramiden Tlaxcala sind mit einem gigantischen Wellblechdach überbaut, um die Ausgrabungsstätte mit ihren zahlreichen, gut erhaltenen Wandmalereien zu schützen.

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Überdachte Tlaxcala Pyramide

Sie gilt als eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen des 20. Jhdts. Erbaut und betrieben wurde die Anlage im Spätklassikum, etwa von 650 – 900 n. Chr. von den Olmeca-Xicalanca, einem Volk, das wahrscheinlich von der Golfküste kam. Ungefähr 10000 Menschen sollen hier gewohnt haben. Die Wände waren verputzt und z.T. mit Stuck verziert. Das besondere sind die Wandmalereien. Sie sind riesig und sie sind sehr gut erhalten.

 

Am Ende der Besichtigung lassen wir uns im Schatten eine großen Baumes nieder, um die warme Sommerbriese um unsere Nasen wehen zu lassen. Die restlichen Pizzastücke von gestern gibt es heute beim Picknick.

Picknick an der Pyramide

Von der Tlaxcala Pyramide zur Cacaxtla Pyramide gibt es einen neu gebauten Fussweg, der heute allerdings geschlossen ist, so müssen wir nochmal ins Auto steigen, um die Cacaxtla Pyramiden zu besichtigen.

Dort befinden sich gleich mehre Pyramiden. Um eine davon herauszupicken:

Spiralpyramide

Die Spiralpyramide mit kreisrundem Grundriss besteht aus neun geböschten Stufen, die als Spirale angeordnet sind. Sie bilden auch den einzigen alten Zugang zur Plattform an der Spitze der Pyramide. Das aus dem Präklassikum stammende Bauwerk wurde mehrfach überbaut, ohne den Charakter zu ändern.

Anschließend fahren wir zurück nach Puebla auf einer Strecke die sehr „ursprünglich“ und wenig befahren ist. Uns durstet es, aber die Getränke sind im Kofferraum. Wir halten kurz an, um die Getränke nach vorne zu holen. Sabine holt die Getränke und ich mache ein Foto von einem Gebäude gegenüber, das einer Garage gleicht.

In diesem Augenblick schreit jemand aus etwa 100 Metern Entfernung und rennt schreiend und fluchend auf uns zu. Einen Augenblick später rennen noch zwei andere Leute aus der Garage auf uns zu. Panik kommt auf. Ich ziehe Sabine am Arm und schreie: „Schnell, ins Auto!“. Ich springe auch ins Auto und bekomme in letzter Sekunde noch die Türe zu, denn in diesem Moment war auf schon der kreischende Typ neben unserer Tür.

Ort des Grauens

Ort des Grauens

Yvonne schreit Uwe an „FAHR LOS!“. Mit Vollgas und quietschenden Reifen entkommen wir unseren Verfolgern. Kurze Zeit später sagt Uwe: „Im Rückspiegel sehe ich einen Jeep, er kommt immer näher!“. Unser Atem stockt und alle sind kreidebleich im Gesicht. Uwe tritt auf´s Gas, um den Jeep abzuhängen. An der nächsten Kreuzung biegt der Jeep aber in eine andere Richtung ab. Der Schock sitzt tief und wir wissen bis heute nicht, was jemanden dazu

veranlasst, so zu reagieren. Möglicherweise war der Laden den ich fotografiert habe nicht ganz hasenrein? Wir wissen es nicht!

Es dauerte noch viele Stunden, bis wir diese brenzliche Situation verdaut haben.

Straßenverkäuferin in St. Ana Chiautempan

Nächster Stopp ist der Ort St. Ana Chiautempan. Dort durchstreifen wir einige riesige Markthallen & Passagen in denen es hauptsächlich mexikanische bunte Ponchos, Kleidung und Schuhe zu kaufen gibt. Jede Passage hat ihren eigenem heiligen Schrein und auch sonst findet man diese überall. Mit einem Kaffee beschließen wir diesen Zwischenstopp bevor wir zurückfahren.

Um 18:00 Uhr kommen wir nach Hause, ziehen uns noch schnell um und gehen gemeinsam mit Rocio und Sven zu einem Brasilianer essen. 28 Sorten Fleisch, Ananas und Gambas am Spieß. Ein reichhaltiges und köstliches Büffet. Ein toller Nachtisch. Äußerst quirlige und aufmerksames Personal. Dieses Abendmahl ist das i-Tüpfelchen des Tages.

Im brasilianischen Restaurant

Erkenntnis des Tages:
Am Ende gilt doch nur, was wir getan und gelebt haben – und nicht was wir ersehnt haben.
(Arthur Schnitzler)

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