Ein echter Roadtrip durch Italien hält eben immer Überraschungen bereit – vor allem dann, wenn man es sich gerade so richtig gemütlich gemacht hat. Zu meiner Schande muss ich gestehen: Die letzten 11 Tage war das Blog-Faulsein einfach verlockender als das Tippen, weshalb ich die Etappen 21 bis 32 samt Stilfser Joch und schweißtreibenden Trainingseinheiten in Südtirol ganz bald nachliefere. Versprochen! Heute springen wir deshalb direkt zu Tag 33, dem 31. August, an dem unser kleiner Reisekosmos eine spontane Wendung nahm.
Tag 33 – Trient und die Weiterfahrt nach Modena
Espresso-Glück und Altstadt-Zauber in Trient
Nachdem wir morgens flugs alles zusammengepackt hatten, rollten wir voller Vorfreude nach Trient. Glücklicherweise fanden wir zügig einen Parkplatz am Straßenrand, sodass wir direkt zu Fuß in das Herz der Stadt spazieren konnten. Bei herrlich cremigem Cappuccino und saftigem Kuchen schalteten wir sofort in den Genussmodus. Anschließend besichtigten wir die ehrwürdige Kathedrale auf der Piazza del Duomo und ließen uns durch die malerischen Gassen treiben. Das typisch italienische Lebensgefühl hatte uns voll im Griff! Danach deckten wir uns im Supermarkt noch schnell mit Proviant ein und nahmen Kurs auf Modena. Denn was wäre ein Roadtrip durch Italien ohne den nächsten kulturellen Meilenstein am Horizont?
Der ungeplante Boxenstopp auf der A22
Doch die Idylle währte nicht ewig, denn plötzlich ertönte auf der Autobahn A22 ein höchst verdächtiges Geräusch. Ein kurzer Blick genügte: Der rechte Hinterreifen hatte sich spontan in eine leblose Gummi-Flunder verwandelt.

Glücklicherweise tauchte genau im richtigen Moment eine rettende SOS-Haltebucht auf. Während René heldenhaft versuchte, das schwere Gefährt aufzubocken, leistete der Wagenheber erst einmal erbitterten Widerstand. Nach gefühlten tausend Kurbelumdrehungen bewegte sich das Rad endlich Richtung Himmel. Allerdings wartete die nächste Hürde bereits: Die Radschrauben saßen bombenfest, sodass jede Menge Muskelkraft und Flüche nötig waren, bis sie endlich nachgaben. Auch das Ersatzrad zierte sich zunächst ein wenig, ließ sich schließlich aber doch montieren.
Wenn der Pannendienst schweigt, hilft nur Handarbeit
Parallel dazu hing ich stolze 23 Minuten in der Warteschleife der Pannenhilfe. Kaum hatte ich der Dame sämtliche Fahrzeugdaten diktiert, war die Verbindung weg – und auf den versprochenen Rückruf warte ich wahrscheinlich noch heute. Zum Glück war René schneller fertig als der Service! Auch kam zufällig ein Pannendienst vorbei und fragte ob wir Hilfe benötigen, als ich gerade die letzte Schraube des Hinterrades angezogen hatte.
Nachdem wir die Kisten im Innenraum kurzfristig aufs Bett verbannt hatten, fand auch der kaputte Pneu seinen Platz im Camper.
Nach anderthalb Stunden unfreiwilligem Fitnessprogramm ging unser abenteuerlicher Roadtrip durch Italien endlich weiter. In Modena steuerten wir den Stellplatz Camper Club Mutina an, der Platz für rund 40 Mobile bietet. Für faire 22 Euro pro Nacht stehen wir hier herrlich ruhig – und haben damit das perfekte Basislager, um uns morgen ganz entspannt ins Stadtgetümmel von Modena zu stürzen. Diesmal hoffentlich ohne platte Reifen.



































Tag 34: Modena und neue Schuhe für den Camper
Ein erlebnisreicher Roadtrip durch Italien verlangt nach einer perfekten Mischung aus Kultur, Genuss und pragmatischem Schrauberglück. Genau das bot unser Tag in Modena, dem stolzen Herz der Emilia-Romagna, das weltweit für edlen Balsamico-Essig, packende Opernabende und die schnittigen Traumkarossen von Ferrari und Lamborghini bekannt ist. Nach dem gestrigen Reifen-Krimi schwangen wir uns morgens voller Tatendrang auf die Räder und legten die sechs Kilometer vom Stellplatz entspannt in die Altstadt zurück.
Kultur pur und ein unverhoffter Werkstatt-Erfolg
Unser Sightseeing-Programm konnte sich wirklich sehen lassen: Wir bestaunten den prächtigen Palazzo Comunale, schlenderten über die weitläufige Piazza Grande und ließen den imposanten romanischen Dom San Geminiano auf uns wirken. Direkt daneben ragt der Torre Ghirlandina in den Himmel – ein freistehender Glockenturm, wie man ihn auf einer stilechten Reise durch Bella Italia einfach liebt. Auch dem majestätischen Palazzo Ducale, der heute die traditionsreichste Offiziersschule Italiens beherbergt, statteten wir einen Besuch ab.
Allerdings stand noch ein ganz weltlicher Punkt auf der To-do-Liste: Neue Reifen mussten her! Also radelten wir zielstrebig zur Werkstatt Euromaster. Zu unserem riesigen Glück klappte alles wie am Schnürchen: Vier frische Reifen waren innerhalb von wenigen Stunden lieferbar und sollten noch am selben Nachmittag montiert werden. Damit stand fest, dass unser Roadtrip nicht an unfreiwilligen Standzeiten scheitern würde.
Dolce Vita, Radrunden und die Riesenpizza
Erleichtert kehrten wir in den historischen Stadtkern zurück, wo wir uns direkt mit einem ausgiebigen zweiten Frühstück belohnten. Bei zwei herrlich cremigen Cappuccino pro Nase ließen wir die Seele baumeln. Da der Montagetermin erst für 16:30 Uhr angesetzt war und es im Camper mittags ohnehin viel zu heiß geworden wäre, hatten wir alle Zeit der Welt. Anschließend rollten wir gemütlich mit den Fahrrädern durch die engen Altstadtgassen und den schattigen Parco Enzo Ferrari, um auf einer Parkbank etwas zu entspannen.
Wenig später wartete bereits die nächste Überraschung in einer urigen Pizzeria: Uns wurde die wohl gewaltigste Pizza serviert, die wir je zu Gesicht bekommen haben! Der knusprige Teig ragte locker zehn Zentimeter über den riesigen Tellerrand hinaus. Obwohl wir unser Bestes gaben, kapitulierten wir schließlich und schafften vom Rand gerade einmal die Hälfte.

Arbeitsteilung am Nachmittag
Zurück am Stellplatz angekommen, folgte schließlich die verdiente Arbeitsteilung für Reisende: Während René mit dem Wagen zu Euromaster rollte, um den Camper mit den vier neuen Pneus ausstatten zu lassen, legte ich am Stellplatz die Beine hoch. Mit einem guten Buch in der Hand ließ ich den Nachmittag ruhig ausklingen. Bestens gerüstet und frisch bereift kann unsere Reise nun in die nächste Etappe starten!















Tag 35: Arezzo
Ein gelungener Roadtrip durch Italien führt einen oft genau dann an magische Orte, wenn das pure Leben auf den Straßen tobt. Heute steuerten wir Arezzo an, die viertgrößte Stadt der Toskana nach Florenz, Livorno und Prato, in der rund 56.500 Einwohner zu Hause sind. Unser rollendes Zuhause parkten wir bequem auf dem Stellplatz in der Via Pier Luigi da Palestrina.
Mit der Rolltreppe direkt ins toskanische Mittelalter
Von dort aus machten wir uns auf den Weg nach oben. Denn das Beste an Arezzo für fußmüde Reisende ist zweifellos die Rolltreppe, die einen herrlich entspannt direkt unterhalb des imposanten Doms wieder ans Tageslicht befördert.
Nachdem wir das ehrwürdige Gotteshaus ausgiebig besichtigt hatten, schlenderten wir durch die verträumten und angehmen kühlen Gässchen der historischen Altstadt. Unser Ziel war die berühmte, schräg abfallende Piazza Grande. Dort sicherten wir uns sogleich ein gemütliches Plätzchen, um einen herrlich aromatischen Cappuccino zu genießen. Doch die Aussicht bot diesmal weit mehr als nur alte Fassaden: Wir landeten mitten in den Vorbereitungen und Proben zur legendären Giostra del Saracino.
Lanzen, Galopp und beste Plätze auf der Tribüne
Dieses historische Ritterturnier ist ein Spektakel der Extraklasse! Vier traditionelle Stadtviertel treten gegeneinander an, wobei jedes Team mit zwei wagemutigen Reitern ins Rennen geht. Im vollen Galopp sprengen die Kontrahenten mit angelegter Lanze auf eine hölzerne Figur zu. Ziel ist es, die Zielscheibe des sogenannten Sarazenen so präzise wie möglich zu treffen, um die Höchstpunktzahl abzuräumen. Weil uns der Blick vom Café noch nicht nah genug am Geschehen war, wechselten wir kurzentschlossen auf die Tribüne. Von dort aus fieberten wir begeistert mit den Reitern mit – genau solche unerwarteten Momente machen einen echte Reise durch Italien schließlich unvergesslich.
Entspannter Rückweg im Schatten der Palazzi
Nachdem der Staub sich auf dem Platz gelegt hatte, spazierten wir noch eine Weile durch die angenehm schattigen Gassen, die bei den toskanischen Temperaturen eine willkommene Wohltat waren. Schließlich steuerten wir wieder die Rolltreppe an, ließen uns mühelos hinabgleiten und kehrten glücklich zum Camper zurück. Mit vielen bunten Turniereindrücken im Gepäck ließen wir den Abend ausklingen – bereit für die nächsten Abenteuer, die unsere Reise durch die Toskana noch für uns bereithält!






































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