Von Rabanal de Camino nach El Acebo (1145m)

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Von Rabanal de Camino nach El Acebo (1145m)
El Acebo, Spain

El Acebo, Spain


Heute widmen wir den Weg unserer Freundin Ulrika. Sie geht morgen in Kur um Ihre drei ’schlimmen Finger‘ auszukurieren. Der Weg zum Cruz de Ferro ist WUNDERbar. Wir denken an Dich. Alles wird gut!

Das Einschlafen gestern, bereitete Sabine Probleme. Das ältere Paar aus Thüringen oder Sachsen, benahm sich ungefähr so, wie das zankende Paar aus Hape’s Erzählungen mit den Spiznamen ‚Schnawwl und Bap‘ oder so ähnlich. Wir nennen sie ab sofort Ratsche und Doofy, mit dem Unterschied, dass uns nicht einmal eine Wand trennte. ‚Wo ist denn das Handtuch? Vorhin lag’s doch noch da!!‘. ‚Unmöglich, nur zwei Toilletten und Duschen‘ riefen sie sich zu, als Sabine schlafen wollte. ‚Hast Du meine Socken schon eingepackt?‘. ‚Nein, das mache ich morgen früh!‘. So ging ca. 45 Minuten im Schlafraum hin- und her. Bereits am gestrigen Nachmittag lagen zwei Zahnbürsten mit Zahncremestreifen darauf, ordentlich auf dem Beistellstuhl nebeneinander, um einsatzbereit zu sein, für das abendliche Zähneputzen. Am Abend hat Ratsche ihrem Doofy schon die Kleider bereitgelegt zum Anziehen für den nächsten Morgen. Das beobachten wir jetzt schon drei Tage. Es ist ein herrliches Schauspiel 🙂

Das Frühstück besorgen wir uns am Vorabend, es besteht aus ein paar süßen Teilchen und einem Cappuccino aus dem Automaten.
Weil ich schon etwas früher fertig bin als Sabine, mache ich mich schon mal ganz langsam auf den Weg. Weil sie nach einer halben Stunde noch nicht nachkommt, warte ich. Ganz rot im Gesicht und ziemlich abgekämpft erzählt sie mir, dass sie ihren neuen Pilgerstab in der Herberge vergessen hat und nochmal zurückgelaufen ist.
Der Weg ist traumhaft schön, vielleicht sogar einer der landschaftlich reizvollsten Abschnitte. Nach ca. 90 Minuten erreichen wir Foncebadón. Ein ausgestorbenes Dorf, wo es nur verlassene und zerfallenen Häuser, zwei Refugios und eine Kirche gibt. Für die Rast entscheiden wir uns für das obere Refugio, wo es im Inneren Obst, Kekse, Schokolade,Kaffee und Frühstück gibt. Es duftet nach Räucherstäbchen und es läuft beruhigende Harfenmusik im Hintergrund. Täglich um 8.00 Uhr wird für die Pilger Joga angeboten und das alles gegen eine freiwillige Spende.
Wir sitzen am Tisch mit der Holländerin Melanie, die gerade damit beschäftigt ist eine Mitpilgerin Maria de Lurdes (Lou) zu trösten. Sie weint schamhaft und leise und ist wohl sehr froh darüber, Melanie als Beistand für ihre Sorgen zu haben. Ich werde gefragt, ob ich noch ein Foto von den Beiden machen würde, wir wechseln noch ein paar Worte, wollen dann aber in der emotionsgeladenen Atmosphäre nicht weiter stören.
Wir trinken einen Kaffee, essen ein paar Kekse und Bananen, stecken was in die Spendenkasse und gehen weiter.

Dann sind es nur noch einige hundert Meter bis zum Cruz de Ferro (1531m). Es ist wohl das schlichteste und eindringlichste Eisenkreuz am ganzen Jakobsweg und befindet sich auf der Hochebe des Monte Irago. Sabine und ich legen den Stein, den wir von zu Hause mitgebracht haben, am Cruz de Ferro ab.
Unser Stein ist eine versteinerte Jakobsmuschel, die ich auf dem Jakobsweg bei Metz in Frankreich am Wegesrand einer Fahrstrasse gefunden habe und seither in meinem Rucksack herumtrage.
Wir legen symbolisch den Stein nieder um uns etwas Gutes zu wünschen. Gläubige Menschen legen hier Ihre Last ab.
Wir verweilen noch eine ganze Weile, um dem buten Treiben am Cruz der Ferro zuzusehen und machen noch einige Bilder für unser Fotoalbum.
Es geht weiter bergauf. Vor allem links des Weges bieten sich immer wieder atemberaubende Ausblicke in die Berge der Sierra Teleno. Auf einem angenehm zu laufenden Pfad geht es sachte bergab, bis wir wieder an ein verfallenes Dorf kommen. Der Hospitalero Tomás, der sich in der Tradition der Tempelritter sieht, hat dort seine Oase für Pilger inmitten des Nichts erschaffen. Er vermietet 20 Betten ohne Dusche aber mit Plumpsklo. Es ist ein merkwürdiger aber reizvoller Ort, an dem die Zeit stehengeblieben ist. Es gibt 1000 Dinge zu sehen. In seinem Shop (Fotos) liefen die ganze Zeit über gregoreanische Gesänge, um den Leuten das Kaufen seiner Heiligensymbole schmackhaft zu machen. Es laufen dutzende abgemagerter Katzen umher und betteln, sobald ein Pilger den Rucksack öffnet. In seinem Shop sitzt ein Templer-Kollege und liest eine Zeitschrift, es ist Tomás, der Templer+Chef 🙂

Es geht weiter hinauf, bis über den Pass. Den Pass hinunter geht der Weg über schroffes Gelände mit Schieferplatten, so dass ein Teil der Radpilger sich lieber für den geteerten Weg daneben entscheidet.
Wir kommen in der Albergue Parroqual an und derselbe Ablauf wie gestern findet statt (siehe gestern). Wir treffen wieder auf viele alte Gesichter. Die Holländerin Melanie, Debbie und Adea aus Neuseeland. Die Slowenin Mariane, das Berliner Paar. Und noch viele andere mehr, die vielleicht später noch genannt werden. Das ältere Paar aus Sachsen bleibt uns heute erspart. 🙂
Es gibt ein gemeinsames Abendessen, welches wir auch gemeinsam zubereiten. Pedro, der Hospitalero gibt die Anweisungen, Die Brasilianerin Lu, die Holländerin Melanie und wir dürfen die Zutaten für die Linsensuppe schnibbeln. Es ist ein frohes und vergnügtes, gemeinsames Kochen mit vielen lustigen Geschichten vom Camino. Melanie schreibt übrigens auch Ihre Erlebnisse in einen sehr schön geschriebenen Blog auf waarbenjijnu.nl.
Es stellt sich ganz klar heraus, dass Lou aus Brasilien der Chef im Koch-Ring ist. Sie bereitet eine geschmackvolle Linsensuppe zu, die durch die 21 Pilger mit einem gebürendem Applaus belohnt wird.
Mal sehen wie den Leuten die Linsen in der Nacht bekommt. 🙂 Als Nachtisch gibt es einen Apfel und die fleisigen Köche müssen beim Geschirr spülen nicht helfen. Wir unterhalten uns nach dem Abendessen mit dem netten und unglaublich belesenen, weit gereisten und intelligenten Baek aus Korea. Es ist ein spannender Ausklang des Abends mit vielen interessanten Gesprächen. Das einnehmenste Thema war jedoch die klassische Musik.
Da er zwischen 30 und 40 km am Tag läuft, werden wiir ihn wahrscheinlich nicht wiedersehen.

Wetter: Meist sonnig, bei angenehmen Wandertemperaturen. Am Morgen sehr windig und frisch. Bei 1200 bis 1500 hm durchaus normal.

Strecke ca. 19 km

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van der Voorden PHOTOGRAPHY
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