Von Finisterre nach Lires

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Von Finisterre nach Lires
Lires, Spain

Lires, Spain


Der Wecker klingelt um 7:30, Uhr damit wir den Bus nach Muxia nicht verpassen. Wir frühstücken in einer Bar, die von außen sehr gemütlich aussieht. Sie ist es auch von innen. Ein gutgelaunter älterer Herr nimmt die Bestellungen in allen möglichen Sprachen dieser Welt entgegen und serviert immer mit einem flotten Spruch. Während des Frühstücks sehen wir die Südafrikanerin Annely durchs Fenster. Wir winken ihr zu und sie kommt herein. 5 Minuten später ist auch die Heilerin Shirley da.
Sie setzen sich zu uns, und wir tauschen noch Fotos und Email-Adressen aus. Sie wollen noch einen Tag hier bleiben und die bekannten Höhlen besichtigen. Wir verabschieden uns auf holländisch/afrikansche Art mit 3 Küsschen im Wechsel rechts und links auf die Wange.
Beim Bezahlen fragt uns der freundliche ältere Herr, wo wir herkommen und wo wir hin wollen. Wir sagen ihm aus Mannheim und er erzählt uns, dass er schon in Rüsselsheim, Offenbach, Frankfurt usw. gearbeitet hat. Sein Freund arbeite bei John Deere in Mannheim und ist gestern in Finisterre angekommen.
Als wir sagen, dass wir mit dem Bus nach Muxia fahren wollen, schlägt er die Hände über dem Kopf zusammen und beschwört uns mit einer unglaublichen Ueberzeugungskraft, dass wir den Weg viel lieber laufen sollen, denn im Bus würde man von der herrlichen Landschaft überhaupt nichts sehen.
Der nächste Bus nach Muxia fährt in 10 Minuten, und ich habe meine Sandalen an, weil ich das Gefühl habe, nicht mehr in meine Wanderschuhe hinein zu kommen. Ich hatte meine Blasen teilweise auf spanische Manier behandelt, indem ich einen in Betadine getränkten Faden mit einer Nähnadel durch die Blase hindurch gezogen habe, damit sie besser austrocknet.
Also schnell das Erste-Hilfe-Set ausgepackt, die Blasen mit Blasenpflaster abgeklebt und mit Leukoplast fixiert, Socken an und hinein in die Stiefel. Beim ersten Schritt denke ich: Unmöglich. Aber nach jedem weiteren Testschritt, verschwinden die anfänglichen Schmerzen. Ok, wir laufen noch nach Muxia. Es sind 28 km und man kann es auch aufteilen in zwei Etappen. Die Erholung bekommt uns eh nicht, wir werden beide schon leicht depressiv.
Der Weg geht erst wieder ein Stückchen in Richtung Santiago, bis links in einem Vorort von Finisterre der Weg nach Muxia abzweigt. Man läuft etwas nach oben (was sonst), um einen schönen Ausblick auf den Strand von Finisterre zu haben.
Sabine ist ganz glücklich, dass sie den Abschnitt nach Muxia laufen darf, denn dadurch, dass sie mal das Taxi ‚zum Ende‘ nehmen musste, fühlt sie sich nicht ganz zufrieden. Sabine’s Abschluss feiern wir jetzt in Muxia.
Der Weg geht in Sichtweite an der Küste entlang, verschwindet aber sehr oft im Kiefernwald, oftmals gesäumt von Steinmauern. Hin und wieder kommt man durch Fünfseelengemeinden hindurch. Hunde gibt es hier dafür umso mehr.
Wir sind fast in Lires, da spricht uns Manuel an. Ein Fischer aus Figueres in Katalonien. Er erzählt uns auf spanisch mit gut verständlicher Gestik, dass er mit seinem Fischerboot einen Seeunfall hatte und dabei fast ums Leben gekommen sei. Dieses Ereignis hat sein Leben umgedreht, gestikuliert er geschickt. Seitdem ist er ohne Geld auf dem Jakobsweg unterwegs.
Wir verabschieden uns mit kräftigem Handschlag, weil wir andeuten, hier in Lires zu bleiben. Dann haut er uns noch um 1 Euro für Brot an. Nachdem ich ihm zwei Euro gebe, bedankt es sich mit den Worten: ‚Vielen Dank, jetzt reicht es sogar für Brot und Wasser.‘ Wir machen noch ein Abschiedsfoto und lassen ihn ziehen. 10 Minuten später kommt ein Hotel mit Bar-Cafe. Wir schauen durchs Fenster der Kneipe und sehen unseren Freund Manuel, wie er Brot in großer Flüssigform kauft (Bier). Er schüttet es hastig hinunter, kommt nach draußen, setzt sich einen Tisch weiter und zeigt den Daumen nach oben, mit der anderen Hand zeigt er in die Bar und sagt: ‚Pan!‘ (Zu dt. Brot) und bedankt sich nochmal freundlich bei uns.
Irgendwie konnte man sich das fast denken, denn der liebe Manuel roch schon 3 Meilen gegen den Wind nach Alkohol.
Aber diese Geschiichte ist ihr Geld wert, findet ihr nicht?

Wir bestellen uns etwas zu Essen. Es gefällt uns hier. Alles ist hier sympatisch. Wir beschließen zu bleiben, wenn die Zimmer in Ordnung sind und der Preis stimmt.

Wir lassen uns die Zimmer zeigen und sind schlicht überwältigt. Modern eingerichtete Zimmer, viele Ablage-, Abstell- und Aufhängemöglichkeiten. WC und Dusche auf dem Zimmer. WLAN-Nutzung inbegriffen. Ein Traum von einem Zimmer, was seinesgleichen auf dem Camino sucht. Solche Zimmer kosten in Deutschland mindestens das Dreifache. Wir bleiben hier und laufen morgen die restlichen 12 km.
Unbedingt empfehlenswert: Hostal As Eiras, Doppelzimmer 35 €.

Wir lassen den Abend ausklingen bei herrlichen Calamares und Huevos con patatas y ‚geräuscherde Paprikaworscht‘.

Am Abend machen wir noch einen 30 minütigen Spaziergang zum Strand hinunter, um nochmal das Naturschauspiel ‚Sonnenuntergang‘ zu erleben.

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