03.08.2017 Bodensee-Königsee & Alpe Adria Radweg: Von Hopfen am See nach Ohlstadt


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Erkenntnis des Tages: No pain, no gain!

Etappenlänge 67,12 km – Gesamtanstieg: 718 m – Gesamtabstieg 846 m

Auf dem Campingplatz haben wir einen Stellplatz am Hang mit Blick auf den Hopfensee und dem dahinter liegenden Bergpanorama. Ein Ausblick wie er nicht besser sein könnte.

Um 7 Uhr klettern wir aus unserer Behausung aus Stoff. Die neuen Unterlagen sind übrigens fast so bequem wie eine echte Matratze und nehmen im entlüfteten Zustand den Platz eine Coladose ein. Naja, vielleicht etwas größer. Aber es ist schon Wahnsinn, was heute so technisch möglich ist, wenn ich bedenke wie sperrig und schwer die Isomatten noch vor 30 Jahren waren. Aufgeblasen werden sie mit einem Pumpbeutel. Wiegt so gut wie nix und nimmt keinen Platz weg, da man ihn z.b. mit einem Schlafsack befüllen kann und somit doppelt nutzbar ist. Er ist auch besser als die früheren ollen Fußpumpen, womit man nach 2 Luftmatratzen einen Krampf im Bein hatte. Man schließt das Ventil der Isomatte am Ausgang des Blasesacks an und fängt quasi die Luft ein, hält den Sack zu und drückt später die Luft vom Sack in die Term-A-Rest-Matte. Nach spätestens 3-4x Luft einfangen ist die dicke Isomatte mit Luft gefüllt. Früher lag ich nach zwei aufgeblasenen Luftmatratzen bewusstlos und hyperventiliert neben dem Zelt. Das ist schon Fortschritt. Da macht das Zelten wieder richtig Spaß.

Gleich nach den ersten Kilometern merken wir Beide, dass heute nicht unser Tag ist. Die Beine sind müde und schwer wie Blei. Giovanni Trapattoni würde jetzt sagen: „Flasche leer!“

Gut, dass wir nach ca. 5 km schon in Füssen sind. Bergab geht´s auch noch zum allergrößten Teil. Wir frühstücken in einer Bäckerei in der Fußgängerzone und irgendwie kleben wir an unseren Stühlen fest. Doch irgendwann geben wir uns einen Ruck und ziehen los. Es geht weiter zu den Königsschlössern Neuschwanstein und Hohenschwangau. Die zusätzlichen Höhenmeter ersparen wir uns dieses Mal, denn 2014 sind wir schon mal hochgeradelt. Und heute ist es uns zudem nicht nach zusätzlichen Höhenmetern.
Hinter Schwangau, wenige Kilometern weiter, finden wir linkerhand ein Wassertretbecken. Es ist heute wieder sehr schwül und heiß, sodass wir nicht lange zögern unsere Räder abzustellen, die Schuhe auszuziehen und durchs eiskalte Wasser zu treten. Das Wasser ist wirklich so eisig, dass uns nach 5 Storchengang-Schritten schon die Füße fast abfallen. Es ist wirklich kalt wie Eis. Schätzungsweise 5-6 Grad. Dieses lyrische Gedicht beschreibt die Gefühle die dabei frei werden: 🙂

Wassertreten
Er lief beschwingt im Storchengang
Durchs Wasser, schon minutenlang.
Im Kurpark an der Promenade.
Er war allein, das war sehr schade.
Da näherte sich eine Dame,
Brünett, Sabine war ihr Name.
Die wollt wie er das Gleiche tun
Und nachher noch im Schatten ruh´n.
„Hereinspaziert, ins kühle Nass!“
Sprach er zu ihr. „Denn es macht Spaß,
Den Kreislauf bestens anzuregen
Und das Immunsystem zu pflegen.
Die Venen mögen´s gerne kühl,
Und wunderbar ist das Gefühl,
Wenn´s so schön kribbelt an den Füßen,
Die die Erfrischung stets begrüßen.
Wenn man dann in die Socken schlüpft,
Sich flott bewegt, vielleicht auch hüpft,
Spürt man, die Füße sich erwärmen.
Das lässt den Kneippianer schwärmen.“
Von nun an kneippten sie zu zweit,
Genossen ihre freie Zeit.
Kälte am Fuß, Wärme im Herzen,
Das lässt sie glücklich sein und scherzen.

Jedenfalls ist das Wassertreten kein Schaden, denn nachher sind unsere Startschwierigkeiten wie weggeblasen. Es läuft wieder. Ob´s nun am Frühstück liegt oder am Wassertreten, oder vielleicht an Beidem?

Landschaftlich reiht sich wieder eine Traumkulisse an die Andere. In Eschenlohe endet unsere Fahrt durch das Werdenfelser Land und radeln weiter durch das Loisachtal. Eschenlohe ist umgeben vom Ester- und Ammergebirge – hat seinen ländlichen Charakter bewahrt und besitzt einen unverwechselbaren Charme. Da wir den höchsten Punkt gestern überschritten haben, erfreuen wir uns heute dafür an mehr Abfahrten als Anstiegen. Dennoch kommen im Laufe des Tages 718 Hm auf einer Distanz von 67 km zusammen.

Im großen Waldstück zwischen Unterreithen und Bad Kohlgrub verzehren wir die 60% der Pizza, die Sabine gestern nicht mehr geschafft hat und erfrischen uns im nahegelegenen Bach.

Kurze Zeit später kommt auf der Königsstraße ein großes Flussbett ohne Brücke. Hier zeigt sich, wer Radfahren kann 🙂 Denn die Einen fahren durch das schwere Gelände und Andere wiederum schieben oder tragen das Rad durch das Flussbett.

Im Kurpark von Bad Kohlgrub treten wir nochmal durch´s Kneippbecken und erfrischen unsere Arme im Armbecken, ruhen uns auf einer Liege aus, bevor wir ins Café-Restaurant des Kurparks gehen. Dort gibt es den leckersten gedeckten Apfelkuchen, den ich je gegessen habe. Ob´s daran liegt, dass alles schmeckt, nach einer anstrengenden Fahrt?

Unsere Satteltaschen am Rad sind wieder mal Anlass für neue Bekanntschaften. Am Nachbartisch sitzt ein älteres Ehepaar und fragt was wir vorhaben. Wir erklären uns und fragen sie das Gleiche.

Nun stellt sich heraus, dass ER (77) der großartige Maler und Künstler Rolf Barth aus Bad Bergzabern ist und im Wandelgang des Kurparks eine Ausstellung gehängt hat. Die Vernissage findet heute Abend statt. Leider können wir nicht dabei sein. Sie bieten uns an, auf unsere Räder aufzupassen, damit wir die Ausstellung besichtigen können.

Natürlich nehmen wir dieses Angebot kurzerhand an und besuchen die Ausstellung. Toller Künstler!

Neben dem Heinrich von Zügel-Kunstpreis der Stadt Wörth am Rhein erhielt Rolf Barth den Welde-Kunstpreis für Malerei, 2000 und 2007 den Kunstpreis für Malerei und Grafik der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe und 2010 den Kunstpreis für Malerei der Kulturstiftung der Sparkasse Esslingen-Nürtingen und hat seine Bilder in verschiedenen Galerien hängen.

Nach dem Besuch der Ausstellung unterhalten wir uns noch eine ganze Weile über seine Kunst und unsere Reise. Nebenbei haben wir auch noch eine gemeinsame Bekannte, nämlich eine Veranstalterin und Kunstliebhaberin Lilo Salten aus Bad Bergzabern. Eine sehr erfrischende Begegnung.

Die letzten 23 km gehen, bis auf ein paar kleine Anstiege, bergab oder sind eben. Wir finden einen netten Italiener in Ohlstadt mit wunderbaren Essen und verwerfen unseren Plan zum nächstgelegenen Campingplatz (>23 km weiter) zu fahren und bleiben einfach hier. Ein schönes Zimmer für teuer Geld ist auch mal eine Alternative 🙂

 



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