15.08.2017 Bodensee-Königsee & Alpe Adria Radweg: Von Gemona nach Udine


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58,84 km | Einweg-Strecke
Gesamtanstieg 350 Meter | Gesamtabstieg 461 Meter

Erkenntnis des Tages: Rücksichtslosigkeit ohne Grenzen

Gestern Abend nach 21:45 Uhr Uhr kommt noch ein deutsches Ultraspezialisten-Pärchen mit einem knatternden Auto auf den Campingplatz gefahren und parkt unmittelbar neben unserem Zelt. Wir liegen bereits im Schlafsack und wollen gerade die Äuglein für den gepflegten Schönheitsschlaf schließen, aber das bleibt zunächst nur Wunschvorstellung. Die Karre wird nach lauter und langer Diskussion, ob das Auto denn so richtig steht, erst noch 2x umgeparkt. Also Türen gehen auf, schlagen laut zu, dass die Erde bebt. Die Dreckskarre wird angeschmissen und pustet erstmal ordentlich Abgase in unser Zelt. Auto wird umgeparkt, aber wieder unmittelbar an unserem Zelt. Wieder Diskussion, nochmal dasselbe Spiel von vorne. Auf dem Campingplatz ist es sonst mucksmäuschenstill, aber die Beiden machen einen Krach für 10 Personen und 3 Karren. Scheinbar haben die beiden Plagegeister auch nur sehr begrenzt der berühmten grauen Masse im Kopf, denn ständig wird die Heckklappe der Karre aufgemacht und wieder zugeknallt, weil sie etwas vergessen haben. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass das Spiel 10 wiederholt wird. Man ist innerlich schon ganz angespannt, wenn das nächste Mal die Heckklappe aufgemacht wird, denn danach wird so mit Schwung wieder zugeknallt. Da hilft selbst das beste Ohropax nichts, wenn die Erde dabei vibriert. Nachdem dann die 10 Einzelteile einzeln ins Zelt manövriert wurden, fing die Schnatter-Tante tatsächlich an lauthals zu telefonieren. Man versteht jedes einzelne Wort. Von Rücksichtnahme keine Spur. Die Krönung ist jedoch, dass sie sich bei ihrem Gesprächspartner darüber auslässt, dass sie vom letzten Campingplatz weggefahren sind, weil in der Nacht die Leute so laut gewesen wären. Selbstbeherrschung ist in diesem Fall eine der schwersten Disziplinen. In meiner Vorstellung habe ich in der Nacht schon heimlich alle 4 Ventile der Reifen herausgedreht, damit sich die Karre für ein paar Tage nicht mehr vom Fleck bewegen kann. Aber man übt sich ja in Disziplin und Toleranz und belässt es einfach bei der Vorstellung, aber dennoch mit einem dicken Klos im Hals.

Um Mitternacht ist dann endlich Ruhe und wir können unsere Schlaf beginnen. Jedoch um 6:15 Uhr das gleich Spiel. Mehrmals die Heckklappe auf und wieder zu gefeuert. Dabei wieder lauthals mit dem Partner geredet, obwohl alles noch schläft. Einen Platz weiter, ist auch ein Deutscher, der am frühen morgen seine Heringe mit einem Hammer auf einem Stein gerade klopft um sein Vorzelt nochmal neu zu justieren. Ganz nach dem Motto: „Wenn ich wach bin, brauchst Du nicht mehr zu schlafen!“ … in welcher Welt leben wir denn?

Ich kann es dann doch nicht lassen, sie um 6:20 Uhr im Sanitärgebäude davon in Kenntnis zu setzen, dass ich ihr Telefonat Wort für Wort mitgehört habe und ob sie sich vorstellen kann, was man sich fühlt, wenn die Tür 10 mal auf und zu geknallt wird. Antwort: Sie seien ja erst um 21:45 Uhr gekommen. Ich frage, was sie von der Idee hält die Heckklappe einfach aufzulassen, bis man alle Gegenstände aus dem Auto geholt hat und am Ende wieder leise verschließt. Und ob man sich vielleicht zur Rücksichtnahme der anderen Camper nicht ins verschlossene Auto setzen kann um zu telefonieren. Zumindest ist sie sprachlos. Aber hier wollen wir keine Sekunde länger bleiben und bauen sofort alles zusammen und verschwinden von diesem Platz.

Es gibt natürlich auch Gegenbeispiele. Oft haben wir schon erlebt, dass ein Zeltnachbar morgens auf einmal spurlos verschwunden ist und wir haben keinen Ton davon mitbekommen. Es gibt sie auch, die Leute die sich bemühen ihren Nachbarn nicht aus dem Schlaf zu reißen und quasi geräuschlos alles abbauen und lautlos verschwinden. Jedoch ist festzustellen, dass die Rücksichtslosigkeit und der Egoismus immer mehr überhand nimmt. Leider!

In Camping Restaurant frühstücken wird Croissant mit Marmelade gefüllt und leckeren Latte Macchiato.

Durch verschiedene kleine Städte und Dörfer verläuft der Weg teils auf Landstraßen teils auf Splitbelag. Der Berge sehen wir bald nur noch wenn wir uns nach hinten umdrehen. Auf dem Höhenprofil ist es zwar flach, aber es gibt doch ein paar Wellen auf und ab. Mit schier endlos vielen Kurven gelangen wir um 12 Uhr den Stadtrand von Odin und kaufen in einem Supermarkt ein. Es ist wieder Obsttag: Leckere Pfirsiche, Trauben und Datteln und das mit Cola verdünnt gibt uns die Kraft für die letzen Kilometer nach Odine. In der Stadt gibt’s zur Belohnung das Tagesziel geschafft zu haben ein leckeres Eis. Anschließend fahren wir auf die Piazza del Liberta. Der riesige Platz unterhalb der Burg ist das Herzstück der Stadt, ein architektonisches Meisterwerk im venezianischen Stil angelegt und mit großartigen Bauwerken gesäumt. Wir fahren steil hoch zum Castello, wo wir noch unsere Geräte laden, einen Capuccini trinken und den Ausblick rund auf das umliegende Land haben. Über Airbnb buchen wir ein Zimmer für heute Nacht. Alles weitere klappt wie am Schnürchen. Die Küche bleibt heute kalt, weil wir im Supermarkt mit Hunger eingekauft haben. Daher reichen die Vorräte wahrscheinlich noch bis morgen Mittag.

Man merkt anhand der Temperaturen, dass wir die Berge verlassen haben. Es war zwar bisher auch warm bis heiß, aber nun wird es doch drückender. Aber wir genießen es, denn der Herbst kommt schneller als wir uns vorstellen können. Und das Meer kommt immer näher, und somit auch auch unser Endziel Grado.



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