2026 Rundreise DE-FR-CH-IT: Tag 46-48

Tag 46: Pässe-Parade statt Autobahn – Von Colfosco über das Trentino nach Tirano

Eine grandiose Reise neigt sich zwar langsam dem Ende zu, aber wer sagt denn, dass die Heimreise langweilig sein muss? Nach der berauschenden Sellaronda auf zwei Rädern packten wir heute ganz gemütlich unseren Camper zusammen, um die Rückfahrt in die Heimat anzutreten. Autobahnen waren für uns heute absolute Tabuzone! Stattdessen entschieden wir uns für die landschaftliche Höchststrafe im besten Sinne: unendlich viele Kurven, frische Alpenluft, wolkenloser Himmel und Panoramablicke, die einen sprachlos machen.

Pässe-Fieber im Camper: Grödner Joch, Sellajoch und Karersee

Gleich nach dem Start am Campingplatz in Colfosco ging es direkt wieder ans Kurbeln – diesmal allerdings motorisiert. Zuerst schraubten wir uns die vertrauten Kehren hinauf zum Grödner Joch, um uns gebührend von den schroffen Cirspitzen zu verabschieden. Von dort aus führte die Route nahtlos weiter hinauf zum Sellajoch, wo die mächtigen Felsflanken des Langkofels im Morgenlicht förmlich erstrahlten. Kurvenfans kommen hier voll auf ihre Kosten, denn das Lenkrad stand praktisch keine Sekunde still.

Anschließend schlängelten wir uns hinab Richtung Fassatal und bogen ab zum legendären Karersee (Lago di Carezza). Das smaragdgrüne Wasser, in dem sich die Nadeln des Latemar spiegeln, ist jedes Mal ein Postkartenmotiv der Extraklasse. Weiter ging die wilde Fahrt durch die beeindruckend enge Schlucht des Eggentals talwärts in Richtung Bozen, wo sich die hochalpine Szenerie für einen Moment in sonnige Weinberge verwandelte.

Apfelplantagen im Val di Non und Rast am Passo del Tonale

Doch lange hielten wir uns im Tal nicht auf, denn der Ruf der nächsten Berge ließ nicht auf sich warten. Vorbei am weitläufigen Lago di Santa Giustina rollten wir durch das Val di Non, das zu dieser Jahreszeit mitten im Duft frischer Äpfel stand. Nach der Durchquerung von Cles und dem beschaulichen San Giacomo stieg die Straße wieder steil an, bis wir auf 1.883 Metern Höhe die Passhöhe des Passo del Tonale erreichten.

Hier legten wir eine wohlverdiente, ausgiebige Pause ein: Während der Motor abkühlte, machten wir es uns in den Liegestühlen gemütlich, ließen uns die Höhensonne ins Gesicht scheinen und blickten auf die mächtigen Gletscher der Adamello-Presanella-Gruppe. Ein perfekter Stopp, um die Seele baumeln zu lassen!

Über den Passo d’Aprica bis ins Veltlin

Frisch gestärkt ging es auf die letzte Gebirgsetappe des Tages. Über Ponte di Legno schraubten wir uns hinauf auf den Passo del’Aprica, der die Regionen Lombardei und Trentino miteinander verbindet. In weiten, geschwungenen Kurven ging es auf der anderen Seite hinab ins grüne Veltlin (Valtellina), wo die steilen, terrassierten Weinberge das Landschaftsbild prägen.

Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich unser Etappenziel: den Wohnmobilstellplatz in Tirano, der bekannten Grenzstadt zur Schweiz.

Tag 47: Berninapass – Von Tirano über das Engadin bis nach St. Gallen

Eine wunderschöne Reise durch die Alpen verlangt nach einer cleveren Reisekasse, denn der Grenzübertritt in die Schweiz steht bevor! Bevor wir morgens den Motor starteten, versorgten und entsorgten wir unseren treuen Camper in Tirano erst einmal blitzblank. Anschließend steuerten wir direkt den örtlichen Lidl an, um die Vorräte noch einmal bis unter die Decke mit italienischen Köstlichkeiten aufzufüllen – schließlich ist allseits bekannt, dass die Schweizer Franken die Geldbörse ungleich schneller erleichtern. Danach erkunden wir die Altstadt Tirano zu Fuß. Nach 4 km Erkundungstour sind wir wieder zurück am Camper und bereit für das nächste Abenteuer.

Das Kreisviadukt von Brusio und die Spuren des Bernina Express

Eigentlich ist die berühmte Bernina-Route dafür prädestiniert, gemächlich aus dem Panoramafenster des feuerroten Bernina Express bestaunt zu werden. Wir entschieden uns jedoch ganz bewusst dafür, die weltberühmte UNESCO-Welterbestrecke auf vier eigenen Rädern nachzuempfinden. Schon kurz nach der Grenze wartete der erste absolute Paukenschlag: das weltbekannte Kreisviadukt von Brusio.

Dieses geniale Eisenbahnbauwerk aus grauem Granit vollführt einen kompletten 360-Grad-Bogen unter freiem Himmel, nur um auf engstem Raum Höhenmeter zu gewinnen, ohne dass Zahnstangen nötig sind. Hier durfte unsere Drohne „Luftikus“ endlich wieder an die frische Luft! Aus der Vogelperspektive fing Luftikus spektakulär ein, wie sich die Gleisschleife elegant in das Tal schmiegt – ein atemberaubendes Ingenieurskunstwerk, das von oben noch gewaltiger wirkt.

Eisriesen und Panoramastopps bis zur Passhöhe

Weiter ging die Fahrt bergauf durch das Puschlav, wo wir am malerischen Ufer des Lago di Poschiavo den nächsten Fotostopp einlegten. Das tiefblaue Wasser, in dem sich die umliegenden Berghänge spiegeln, bot die perfekte Kulisse für eine kurze Verschnaufpause. In weiten Serpentinen kurbelte unser Camper anschließend höher in Richtung Hochgebirge, bis die Zunge des mächtigen Palügletschers am Horizont aufblitzte. Auch hier schickten wir Luftikus noch einmal in den stahlblauen Himmel, um die schroffen Eiskanten und die alpine Weite im Bild festzuhalten.

Oben auf der Passhöhe des Berninapasses auf 2.328 Metern angekommen, machten wir den nächsten Pflichtstopp am künstlich aufgestauten Lago Bianco. Die milchig-weiße Farbe des Gletschersees bildet einen faszinierenden Kontrast zum tiefblauen Himmel und den kargen Geröllfeldern rundherum.

Morteratsch-Gletscher, Glamour in St. Moritz und Ziel St. Gallen

Auf der Nordseite des Passes ging das Fotofeuerwerk nahtlos weiter: Ein Halt mit Blick auf das gewaltige Morteratsch-Massiv und die Eisriesen der Berninagruppe war absolute Pflicht. Schließlich rollten wir hinab ins elegante Oberengadin und erreichten St. Moritz, wo sich die Nobelhotels und eleganten Paläste rund um den schimmernden St. Moritzersee aufreihen. Etwas außerhalb finden wir einen tollen Camingplatz, der von Kite-Surfern nur so wimmelt. Die Winde sind hier genau richtig für diese Sportart.


Tag 48: Von St. Moritz nach St. Gallen – Seen-Radeln, Julierpass und ein teurer Schotterplatz

Ein facettenreicher Roadtrip durch Italien und die angrenzenden Alpenländer hält selbst auf den letzten Etappen keine Ruhepausen bereit! Nach einem stärkenden Frühstück und einer herrlich heißen Dusche hieß es heute im Oberengadin: Rauf auf die Räder und rein ins alpine Seenglück. Die frische Bergluft vertrieb auch das letzte bisschen Müdigkeit, als wir direkt zu einer traumhaften Seentour aufbrachen.

Seenglanz im Engadin und der schiefe Turm von St. Moritz

Unsere Radrunde führte uns zunächst rund um das glitzernde Wasser des Silvaplanasees, der im morgendlichen Licht wie ein geschliffener Edelstein zwischen den Berggipfeln ruhte. Weiter ging die entspannte Kurbelfahrt entlang des malerischen Ufers des Lej da Champfèr und schließlich ein gutes Stück am berühmten St. Moritzersee entlang. Das Spiel aus dem tiefblauen Wasser, den goldenen Lärchen und den schneebedeckten Viertausendern im Hintergrund war schlichtweg atemberaubend.

Anschließend schalteten wir in die kleineren Gänge, um uns die Höhenmeter hinauf in den mondänen Ortskern von St. Moritz zu erkämpfen. Vorbei an Luxusboutiquen und Grand Hotels radelten wir noch ein Stück weiter hinauf zum bekannten Schiefen Turm von St. Moritz. Das 33 Meter hohe Bauwerk – der verbliebene Rest der im 19. Jahrhundert eingestürzten Mauritiuskirche – weist eine Neigung von stolzen 5,5 Grad auf und stellt damit sogar den Turm von Pisa in den Schatten! Nach einer kurzen Fotopause rollten wir im Freilauf zurück zum Campingplatz, wo unser mobiles Zuhause bereits auf uns wartete.

Kurvenzauber über den Julierpass Richtung Norden

Nachdem die Drahtesel wieder sicher verstaut waren, starteten wir den Motor für den nächsten Gebirgsritt: die Fahrt über den Julierpass auf 2.284 Metern Höhe. Die Straße schraubt sich in weiten, flüssigen Kehren durch eine dramatische, fast baumlose Felslandschaft. Oben an der Passhöhe sticht einem sofort der markante rote Theaterturm ins Auge, der wie eine surreale Skulptur in der kargen Geröllwelt thront.

Auf der Nordseite ging die spektakuläre Abfahrt durch das Surses-Tal hinab Richtung Tiefencastel und Chur. Kurve um Kurve wichen die schroffen Felszacken den sanfteren, sattgrünen Hügeln des Rheintals, bis wir schließlich die Autobahn Richtung Bodensee und Ostschweiz erreichten.

Das 30-Euro-Parkplatzwunder von St. Gallen

Am Nachmittag rollten wir schließlich in St. Gallen ein und steuerten den örtlichen Wohnmobilstellplatz an. Platz gibt es hier gerade einmal für drei Mobile – und die Schweizer Preisgestaltung ließ uns kurz die Augen reiben: Satte 30,77 Euro verlangt die Stadt für diesen schlichten Flecken Schotter in einer Art Industriegelände! Fairerweise muss man sagen: 5 Euro hätten es für diesen wenig ansprechenden Hinterhof-Charme auch dicke getan, denn außer etwas Schotter und schnödem Ausblick auf eine mit lieblosem Graffiti an der gegenüberliegenden Wand, hat er wirklich nichts zu bieten.

Weil der Platz jedoch unschlagbar zentral liegt und wir keine Lust auf lange Weitersucherei hatten, blieben wir stehen. Für unsere morgen anstehende Stadtbesichtigung samt Stiftsbibliothek ist die Lage schließlich Gold wert. So ging ein weiterer kontrastreicher Tag zu Ende.

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