Von Mélide nach Arzúa (388 m)

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Von Mélide nach Arzúa (388 m)
Arzúa, Spain

Arzúa, Spain


Diese Etappe widmen wir meinem Kollegen Volker K.
Wir wünschen Dir alles Gute zum Geburtstag und dass Du wieder gesund wirst.

Wir fühlen uns porentief rein und riechen wie der Frühling. Es hat schon etwas Komfortables, wenn man 4 verschiedene Frotteehandtücher zur Auswahl hat. Zur Feier des Tages, haben wir diese sogar alle verwendet und wir müssen sie nicht einmal zum Trocknen an den Rucksack hängen.
Ich denke, nach 750 km in Herbergen und tagelanger Krankheit, darf sich auch ein hartgesottener Pilger diesen Luxus gönnen. Man kann sich nicht vorstellen, wie gut es tut, nach Herzenslust in den Beuteln zu kramen, ohne Angst haben zu müssen, dass sein Bettnachbar davon aufwacht. Wir können ‚kruschteln‘, umher laufen, müssen nicht flüstern, haben ein modernes, geräumiges Bad und eine 4 qm Liegewiese als Bett. Einfach traumhaft.
Entsprechend ausgeruht sind wir. Wir gehen in die Cafe-Bar nebenan und bestellen uns zwei ‚desayunos‘ (Frühstück), eines mit Kamillentee und eines mit Cafe con leche grande.

Ganz leichter Niesel und Nebel sind heute unsere Wegbegleiter durch die schier endlose Zahl an Weilern und Bauerndörfern, an dene wir vorbeigehen. Ein Wetter, welches für Galicien typisch sein soll. Der Niesel ist so gering, dass ich nur die Kamera, die mit einem Karabinerhaken am Tragegurt des Rucksacks befestigt ist, schützen muss.

Es dauert nicht lange, und wir passieren den 50 km Stein. Kurze Zeit später durchlaufen wir wieder einen mystischen Wald. Diesmal sind die Bäume nicht knorrig und verwarzt, sondern rießengroß und kahl. Die Rinde der Bäume fehlt größtenteils. Es ist ein Eukalyptuswald und es duftet, als würde man gerade wegen Reizhusten inhalieren. Wer durch diesen Wald mit Lungenproblemen geht, ist bestimmt nachher geheilt 🙂
Sehr merkwürdiger Anblick diese vielen, riesigen, kahlen Bäume (Foto).

Kurze Zeit später folgt eine schön angelegte Wasserquerung mit großen Steinblöcken, die als Ersatz für eine Brücke dient (Video). Weiter geht es bergauf durch die grüne Eukalyptus-Lunge Galiciens.
In der Kirche in Buente holen wir uns bei der Stempelfrau noch einen Laufnachweis ab, damit uns in Santiago die Compostela nicht verwehrt wird.
Nach der Kirche geht der Weg erstmal ein Stück bergab, bevor es auf der anderen Seite eine längere Steile Rampe wieder aufwärts geht. Es ist jetzt etwas schwül, so dass sich die ein oder andere Schweißperle auf der Stirn verirrt.

Unsere Rast machen wir in Castañeda. Mich spricht ein Mann mit ungewöhnlich langem Bart auf meine Kamera an. Fast in einem Satz erklärt er mir, dass er früher eine noch viel schwerere Kamera trug, weil er die Fotos, die er für seine Vorträge über den Camino hält, brauche. Jetzt kommt er aber mit einer kleinen Kamera aus. Er erzählt in der Runde, dass er schon in China war, 10 Jahre lang Flohmärkte machte, er Schwingstühle verkaufte, quasi seine ganze Lebensgeschichte in wenigen Sätzen. Seine Begleiterin, auch sehr nett, aber sehr esoterisch alles. Im Nu wurde uns erklärt, wofür der Camino alles gut ist, welche heilende Wirkung er hat, dass man Schnecken in Honig auflösen und essen soll, sie helfen innerlich gegen Neurodermitis etc. Am Ende der Sitzung kam man sich doch etwas vereinnahmt vor, denn wir wurden am Ende freundlich darauf hingewiesen, dass wir gerne mal den Tai Chi, Futschi und Hatschi Kurs besuchen dürfen und dass sie sich bei uns melden würden. Das ist bestimmt alles gut gemeint, aber entspricht absolut nicht unserer Lebensphilosophie.

Der Weg geht weiterhin auf und ab und kommt in Arzúa an der Straße wieder heraus und führt in die Kleinstadt hinein. Wir steuern wieder auf eine Pension zu. Irgendwie ist uns wieder danach.

Im Ort suchen wir eine kleine Bar, wo wir ein nettes Menü für Pilger zu uns nehmen.

Der Abend ist noch etwas voller Emotionen, durch einen Telefonanruf. An dieser Stelle möchten wir unsere Kinder Eric und Timo nochmal herzlich grüssen.

In Liebe
René &amp; Sabine

Wetter: Ab und zu Niesel, nachmittags sonnig

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