Nordseeküsten-Radweg Tag 1: Von Wassenaar nach Velsen-Zuid

Wir haben uns in der Nacht sehr bemüht keinen Krach zu machen und unser Zelt so leise wie möglich aufzubauen, damit wir unsere Zeltnachbarn nicht aufzuwecken. Das entpuppte sich als Fehler, denn mitten in der Nacht kommen unsere Nachbarn erst nach Hause, gröhlen, lachen und wecken uns wieder auf. Mittlerweile sind wir aber darin geübt, uns wieder in den Schlaf zu meditieren, trotz Krach.

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Wir schlafen heute etwas länger, weil die Sonnenstrahlen nicht durch die Bäume hindurch kommen, um das Zelt aufzuheizen.
Wir haben nichts zu frühstücken dabei, also müssen wir uns etwas zu essen suchen. Wir fahren nach Wassenaar. Auf dem Weg dorthin fällt auf, dass die Radwege fast so breit sind wie die Baumalleestraßen.

Radwege so breit wie Straßen

Der Radweg hat sogar einen Mittelstreifen, während man auf der Straße teilweise darauf verzichtet. Uns kommen Räder entgegen, die man in unserer Gegend vergeblich sucht: Bakfietsen, sind teils E-betriebene Räder, deren hinterer Teil einem normalen Rad gleicht. Vor dem Lenker befindet sich ein riesiger, bis fast zum Boden reichender Holzbehälter mit Sitzbänken für die Kinder. Man hat quasi die Kinder in einer Reihe vor sich sitzen und sie können schön aus dem großen Kübel schauen. Vor dem Behälter befindet sich das lenkbare Vorderrad.
Wir begegnen einem Tandem, bei dem die hintere Person über die vordere Person schauen kann, weil der vordere Teil des Rades einem Liegerad gleicht. Dann ein Rad, bei dem die Taschen vom Hinterrad bis zum Vorderrad reichen, um die Waden des Fahrers herum. Im vorderen Bereich der Taschen sitzen rechts und links zwei kleine Kinder. Viele Räder haben vorne riesige Ablageflächen, die unterschiedlich genutzt werden.

Räder mit Kisten

Die Einen haben einen großen Klappbehälter darauf befestigt, die anderen einen Heineken-Bierkasten. So könnte man stundenlang fortfahren.
Wir kommen nach Wassenaar hinein und hören in der Ferne eine typische holländische Drehorgel.

Eine solche Drehorgel zieht mich immer wie ein Magnet an. Kindheitserinnerungen werden da wieder wach. Erinnerungen an meinen Opa „Wim“. Mein Lieblingsopa aus Holland, der mich überall mit dem Rad oder zu Fuß mitnahm. Vor jeder Drehorgel blieb er zu Lebzeiten immer lange stehen und lauschte der Musik. Er sog die Musik förmlich in sich auf. Seine Gedanken schwelgten in anderen Sphären. Genau so geht es mir heute auch. Ich komme nicht mehr weg von der kraftvoll und wohlklingenden Orgel, die sogar ein Akkordeon komplett automatisch bespielt. Ein Wunderwerk der Mechanik. Meine Gedanken waren immerzu bei meinen geliebten Opa. Unweigerlich kann ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Rest in Peace, lieber Opa. Irgendwann machen wir wieder eine schöne Radtour zusammen von Rotterdam nach Scheveningen und wieder zurück. So wie früher!
In Hörweite der Orgel finden wir unser Frühstück im „Broodje bij de molen“ was soviel heißt wie „Brot bei der Mühle“. In Sichtweite ist sie zu sehen; wunderschön hergerichtet.

Windmühle in Wassenaar

An den Nachbartisch stolpert ein älterer, gut gekleideter Herr. Er überspielt den Einfall mit einem freundlichen Lächeln und einem flotten passenden Spruch. Wir unterhalten uns über dies und das.
Die Fahrt geht heute überwiegend durch die abwechslungsreiche Dünenlandschaft.

Rehe in den Dünen

Auch so kommt hier der ein oder andere Höhenmeter zusammen, denn es geht ständig auf und ab. In Nordwijk eine Bude auf zwei Rädern, an der wir nicht so schnell vorbeikommen.

Snackbude

Snackbude

Es gibt Kibbeling mit Frites und ein Matjesbrötchen mit Zwiebeln. An der Bude sind Schilder mit der Aufschrift „Hüte Dich vor den Möwen“. Erfolgreich verteidigen wir unseren Snack vor den Möwenangriffen.
Die Strecke bis nach Zandvoort sind wir bereits vor 2 Jahren geradelt und wir erinnern uns an einige Teilstrecken. Im Strandpavillion „Surfer’s Paradise“ genehmigen wir uns Kaffee und Kuchen in sonniger Beachboys-Atmosphäre.

Surfer’s Paradise

Noch ungefähr 20km cruisen wir, bis kurz vor Ijmuiden. Unterwegs kaufen wir bei Albert Hijn noch etwas zum Abendessen. Die Küche bleibt heute kalt. In Velsen-Zuid gehen wir auf den Campingplatz, laden in der Rezeption noch alle Geräte, weil es sonst auf der Zeltwiese keinen Strom gibt.
Momentan liegen wir im Zelt und lesen und schreiben. Um uns herum toben gefühlte 100 Kinder.
Eines davon durchbricht schon fast unsere Zeltwand. Um 22.00 Uhr wird das große Lagerfeuer inmitten der Zeltwiese eröffnet.

Lagerfeuer auf dem Campingplatz

Wir sind sehr gespannt auf die Nachtaktivitäten.

Gute Nacht, Freunde. 🙂

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