Unterschlupf vor Starkregen im Dorfladen in Nußdorf

2026 Radreise Mozart-Radweg & Salzkammergut-Radweg: Tag 10

Der Tag beginnt mit einem echten Luxusgefühl auf Radreise: ausschlafen! Die Nacht im Hotel war super und wir haben endlich mal wieder richtig lange und tief geschlafen.

Dank einer aufmerksamen Leserin unseres Reiseblogs bekommen wir am Morgen noch einen besonderen Tipp: Wir sollen uns unbedingt die „Stille-Nacht-Kapelle“ in Oberndorf anschauen. Im Bikeline-Buch hatten wir die Kapelle gestern zwar kurz gesehen, ihr aber keine große Aufmerksamkeit geschenkt. Zum Glück gibt es Menschen wie Kaya, die besser aufpassen als wir. Also rollen wir nochmal zurück über die Grenze nach Österreich Richtung Oberndorf.

Die berühmte Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf

Die kleine Kapelle steht genau an dem Ort, an dem einst die alte St.-Nikola-Kirche stand. Dort wurde am Heiligabend 1818 zum allerersten Mal das weltberühmte Weihnachtslied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ aufgeführt. Der Hilfspfarrer Joseph Mohr hatte den Text geschrieben und Franz Xaver Gruber komponierte die Melodie dazu. Weil die Orgel der Kirche damals wohl kaputt war, wurde das Lied kurzerhand mit Gitarrenbegleitung gespielt – und niemand ahnte, dass daraus eines der bekanntesten Weihnachtslieder der Welt entstehen würde.

Heute ist die kleine Kapelle ein stiller und fast schon magischer Ort direkt an der Salzach. Irgendwie faszinierend, dass ein Lied, das inzwischen auf der ganzen Welt gesungen wird, genau hier seinen Ursprung hat. Der kleine Umweg hat sich definitiv gelohnt.

An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank für den Tipp, Kaya!

Weiter auf dem Mozart-Radweg Richtung Chieming

Danach geht es weiter auf dem Mozart-Radweg Richtung Chieming. Hinter Oberndorf und Laufen verändert sich die Landschaft langsam. Die Strecke wird deutlich ruhiger und ländlicher. Kleine Bauernhöfe, grüne Wiesen und immer wieder dieser herrliche Blick auf die Alpen am Horizont begleiten uns durch die sanft hügelige Gegend.

Rund um Waging zeigt sich Bayern dann von seiner Bilderbuchseite. Saftig grüne Felder, kleine Dörfer mit Zwiebeltürmen und gemütliche Biergärten entlang der Strecke sorgen permanent dafür, dass man eigentlich alle fünf Kilometer wieder anhalten möchte. Der Waginger See glitzert immer wieder zwischen den Bäumen hervor und je näher wir Chieming kommen, desto beeindruckender wird das Alpenpanorama.

Allerdings zieht sich nach Waging der Himmel immer mehr zu. Erst nur ein paar dunklere Wolken, dann wird es plötzlich richtig finster. Kurz vor Nußdorf flackern in der Ferne schon die ersten Blitze über den Bergen. Das sieht exakt nach der Sorte Gewitter aus, bei der man besser nicht mitten auf freiem Feld neben einem Fahrrad aus Metall stehen möchte.

Vorsichtshalber ziehen wir schonmal die Regensachen an. Erfahrungsgemäß ist das auf Radreisen übrigens der sicherste Weg, damit es doch nicht regnet. Dieses Mal funktioniert der Trick allerdings nicht.

Rettung im Dorfladen von Nußdorf

In Nußdorf retten wir uns gerade noch rechtzeitig unter das kleine Vordach eines Dorfladens namens Czogi´s Genußladerl. Der Laden ist eigentlich schon im Begriff zu schließen. Der Chef sieht uns dort mit unseren vollbepackten Rädern stehen, schaut einmal Richtung Himmel – und weiß vermutlich sofort Bescheid.

Ohne lange zu überlegen bittet er uns kurzerhand mitsamt Fahrrädern, Taschen und kompletter Tropfsteinhöhlen-Ausrüstung in den Laden hinein. Keine Minute später öffnet der Himmel komplett seine Schleusen.

Während draußen das Gewitter tobt, versuchen wir eine Unterkunft zu finden. Leider ist das Netz ungefähr so stabil wie Wackelpudding auf Kopfsteinpflaster. Doch der Chef des Ladens und seine Mitarbeiterin geben sich unglaublich viel Mühe, uns zu helfen – obwohl sie eigentlich längst Feierabend hätten.

Zuerst wird gemeinsam das Regenradar studiert. Danach telefonieren die beiden tatsächlich eine Unterkunft nach der anderen ab, um für uns noch irgendwo ein Zimmer zu organisieren. Wirklich eine dieser Begegnungen, die eine Reise besonders machen.

Nach ungefähr einer Stunde haben wir tatsächlich Glück: In Egerer bekommen wir noch eine Unterkunft. Gleichzeitig verwandelt sich der Starkregen langsam wieder in normalen Regen. Zeit für ein schnelles Erinnerungsfoto fürs Fotoalbum, ein riesiges Dankeschön und die letzten Kilometer im Regen.

Übrigens: Das war tatsächlich der erste Regen seit inzwischen zehn Tagen auf Radreise – und selbst der dauerte nur etwa zwanzig Minuten.

Kulinarischer Tagesabschluss im Goriwirt

Kurz darauf erreichen wir den Landgasthof Goriwirt. Nass, aber glücklich.

Und dann passiert etwas Wunderschönes: Wir öffnen die Speisekarte.

Es gibt Spargel mit Zanderfilet. Allein beim Lesen läuft uns schon das Wasser im Mund zusammen. Und als krönenden Abschluss bestellen wir noch „Heiße Liebe“.

Nein, nicht das, was ihr jetzt schon wieder denkt.

Einfach nur Vanilleeis mit heißen Himbeeren. Aber ehrlich gesagt: Nach diesem Tag fühlt sich selbst das fast romantisch an.

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4 Kommentare

  1. Petting is dat in de buurt van Bad Füssing? Dat klinkt zo bekend. Volgens mij stopte daar de trein, n 1983 toen ik in Kur was in Bad Füssing.

  2. Freut mich sehr, dass sich der Umweg zur Kapelle für euch gelohnt hat. Ich mag diesen Ort sehr!

    Und Starkregen kann die Region wirklich gut. Ich drücke die Daumen, dass es der letzte war, den ihr begegnet.

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