Der Tag beginnt leider erneut mit einer ziemlich unruhigen Nacht. Meine Hustenanfälle reißen uns immer wieder aus dem Schlaf, sodass weder Sabine noch ich wirklich zur Ruhe kommen. Mein Schlafindex liegt heute gerade einmal bei 46 von 100 Punkten – normalerweise bewege ich mich eher irgendwo zwischen 90 und 95. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Und trotzdem passiert etwas Merkwürdiges: Tagsüber geht es mir erstaunlich gut. Sobald wir auf dem Rad sitzen und langsam in die Pedale treten, habe ich sogar das Gefühl, dass mir die Bewegung richtig guttut. Der Körper scheint dabei irgendwie in einen anderen Modus zu schalten. Vielleicht ist Radfahren manchmal tatsächlich die beste Medizin – zumindest für den Kopf.
Der Motor übernimmt heute die Hauptrolle
Trotzdem ist klar: Vernünftig bleiben hat aktuell oberste Priorität. Deshalb fahre ich seit Beginn dieser Husten-Geschichte konsequent mit hoher Motorunterstützung.
Normalerweise versuche ich natürlich, möglichst viel selbst zu treten. Aber jetzt wäre alles andere vermutlich einfach fahrlässig. Sich mitten auf einer mehrtägigen Tour komplett auszupowern, obwohl der Körper deutliche Warnsignale sendet, wäre keine besonders clevere Idee.
Also gilt momentan: Tempo rausnehmen, Kräfte sparen und lieber entspannt rollen als verbissen kämpfen.
Wenn der Körper andere Pläne hat
Eigentlich hatte ich diese Tour auch ein wenig als Vorbereitung für den Stilfser-Joch-Radtag eingeplant. Ein paar längere Anstiege, mehrere Tage hintereinander im Sattel und wieder etwas Grundfitness aufbauen – der Plan klang ziemlich gut.
Tja… und dann kommt der Körper plötzlich mit seinem eigenen Drehbuch um die Ecke.
Momentan fühlt sich das Stilfser Joch jedenfalls ziemlich weit weg an. Denn wenn die Gesundheit weiterhin solche Schnippchen schlägt, wird das wohl eher nichts werden. Und so sehr man manchmal auch dagegen ankämpfen möchte: Gesundheit lässt sich leider nicht mit Willenskraft erzwingen.
Radreisen lehren Gelassenheit
Vielleicht gehört genau das aber auch zu solchen Reisen dazu. Nicht immer nur Kilometer sammeln, Höhenmeter jagen und Tagesziele abhaken. Sondern unterwegs auch akzeptieren, dass manches eben anders läuft als geplant.
Und immerhin zeigt diese Tour trotz allem auch etwas Positives: Selbst mit Husten, wenig Schlaf und Planänderungen sitzen wir noch immer auf unseren Rädern, erleben wunderschöne Landschaften und sammeln Erinnerungen.
Nur eben momentan mit deutlich mehr Unterstützung aus dem Akku.
Los geht es in Altmünster direkt am Traunsee. Bereits nach wenigen Kilometern begleitet einen das tiefblaue Wasser des Sees, während sich dahinter das imposante Traunstein-Massiv erhebt. Die Strecke führt überwiegend auf Radwegen oder ruhigen Nebenstraßen und ist insgesamt gut ausgeschildert.
Von Altmünster zum Attersee
Zunächst fährt man entspannt am Westufer des Traunsees entlang Richtung Gmunden. Dieser Abschnitt ist relativ flach und angenehm zu fahren. Unterwegs öffnen sich immer wieder traumhafte Blicke auf den See und die umliegenden Berge.
Gmunden selbst ist als Herkunftsort der Gmunder Keramik mit ihrem charakteristischen weiß-grün geflammten Muster bekannt. Es ist die größte Keramikmanufaktur Europas. Gleichzeitig beginnt hier langsam der alpinere Teil der Strecke.
Hinter Gmunden wird der Salzkammergut-Radweg deutlich ruhiger und naturnäher. Die Strecke steigt moderat an und führt durch Wälder, kleinere Täler und vorbei an so einigen Bauernhöfen.
Die Anstiege sind insgesamt gut fahrbar, allerdings merkt man spätestens hier, dass man sich mitten im Salzkammergut befindet. Vollkommen flach bleibt es nicht mehr. Es kommen schon einige Höhenmeter zusammen.
Richtung Attersee – Panorama pur
Nach den bewaldeten Passagen öffnet sich die Landschaft langsam wieder. Über kleinere Orte und sanfte Hügel nähert man sich dem Attersee. Gerade bei gutem Wetter sind die Ausblicke hier spektakulär: türkisblaues Wasser, Segelboote und dahinter die Alpenkulisse.
Der Radweg verläuft teilweise direkt am Seeufer, teilweise etwas oberhalb durch ländliche Gebiete. Dadurch bleibt die Strecke abwechslungsreich und nie eintönig.
Finale Richtung Mondsee
Vom Attersee aus geht es weiter Richtung Mondsee. Die letzten Kilometer führen durch sanft hügelige Landschaften mit Bauernhöfen, Wiesen und kleinen Ortschaften. Besonders schön: Immer wieder taucht plötzlich der Mondsee vor einem auf.
Die Einfahrt nach Mondsee ist dann fast schon ein kleines Finale. Der Ort mit seiner berühmten Basilika, den Cafés und der direkten Seelage wirkt wie gemacht für einen entspannten Etappenstopp.
Besonders angenehm ist, dass sich anstrengendere Passagen fast immer mit entspannten Rollabschnitten abwechseln. Genau diese Mischung macht den Salzkammergut-Radweg so beliebt.
Wer gerne Genussradeln mit alpiner Kulisse verbindet, bekommt auf dieser Etappe echtes Postkartenkino auf zwei Rädern.
Heute wartet auf unserer Reise eine Unterkunft, die direkt ein kleines Stück Kindheitserinnerung hervorholt: eine Jugendherberge. Ehrlich gesagt hatten wir dabei zunächst sofort Bilder von riesigen Schlafsälen, quietschenden Metallbetten und nächtlichem Schnarchkonzert im Kopf.
Doch diese Zeiten scheinen endgültig vorbei zu sein.
Wir bekommen ein Vierbettzimmer mit eigenem Badezimmer – und das sogar zur Einzelnutzung. Im Grunde fühlt sich das heute eher wie ein schlichtes, unkompliziertes Hotel an als wie die klassischen Jugendherbergen von früher. Kein Luxus, kein Schnickschnack, aber genau das mögen wir gerade sehr.
Denn mal ehrlich: Wir sind hier nicht auf Wellnessurlaub. Wir sitzen nicht im Bademantel mit Gurkenscheiben auf den Augen herum. Wir fahren Rad. Und morgen steigen wir wieder aufs Radl.
Einfach, praktisch und genau richtig
Gerade auf längeren Radtouren verändert sich der Blick auf Unterkünfte ohnehin ziemlich schnell. Irgendwann sind weiche Betten, eine heiße Dusche, sichere Fahrradstellplätze und ein bisschen Ruhe deutlich wichtiger als irgendwelche Designerlampen oder Spa-Bereiche.
Und genau deshalb passt diese Jugendherberge heute perfekt zu unserem Reisealltag.
Die Atmosphäre ist entspannt, unkompliziert und angenehm bodenständig. Genau die Art von Unterkunft, bei der man sich nach einem langen Tag im Sattel einfach wohlfühlt.
Ein Abendessen wie für Radfahrer gemacht
Das eigentliche Highlight wartet dann allerdings am Abend. Es gibt ein herrliches Drei-Gänge-Menü – und schon beim ersten Löffel Suppe merkt man: Heute wird das ein guter Abend.
Zur Vorspeise dürfen wir zwischen Suppe oder Salat wählen. Danach folgt ein wunderbar kräftiger Linseneintopf, der nach einem langen Radtag vermutlich exakt das liefert, was müde Beine brauchen.
Und als krönender Abschluss wartet noch ein Vanillepudding mit Johannisbeeren auf uns.
Ganz ehrlich: Mehr braucht ein Radlerherz wirklich nicht zum Glücklichsein.
Kein Luxusrestaurant. Kein Sternekoch. Sondern einfach ehrliches, gutes Essen nach einem langen Tag unterwegs. Dazu ein gemütliches Zimmer und die Vorfreude auf die nächste Etappe.
Manchmal sind genau diese einfachen Momente die schönsten Erinnerungen einer Reise.




















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