Tag 49: Von St. Gallen nach Bad Wildbad – Barockklänge, Schwarzwaldkurven und Wiesenglück
Ein facettenreicher Reise durch DE-FR-CH-IT nähert sich langsam den heimischen Gefilden, doch an Reiselaune büßen wir keinen Funken ein! Obwohl unser 30-Euro-Asphaltplatz in St. Gallen gestern keinen Schönheitspreis gewonnen hatte, zahlte sich die zentrale Lage heute Morgen voll aus. Direkt nach einem gemütlichen Camper-Frühstück schnürten wir die Schuhe, um uns das historische Herz der Ostschweizer Kulturmetropole ganz in Ruhe anzuschauen.
Erkerzauber und himmlische Klänge im UNESCO-Weltkulturerbe
St. Gallen empfängt seine Besucher mit einem ganz besonderen Altstadt-Flair. Berühmt ist die Stadt vor allem für ihre kunstvoll geschnitzten, reich verzierten Bürgererker – über hundert dieser prachtvollen Auskragungen schmücken die Fassaden und zeugen vom einstigen Wohlstand der florierenden Textil- und Spitzenindustrie. Das unbestrittene Kronjuwel ist jedoch der Stiftsbezirk samt der weltberühmten barocken Stiftsbibliothek, die völlig zu Recht das Prädikat UNESCO-Weltkulturerbe trägt.
Als wir in die monumentale, doppelthürmige Stiftskirche traten, wartete ein echtes akustisches Geschenk auf uns: In dem lichtdurchfluteten Kirchenschiff fand gerade die Generalprobe für ein großes abendliches Konzert statt. Unter den prachtvollen Deckenfresken und dem filigranen Stuck ließen wir uns in eine Bank sinken und lauschten andächtig einer halben Stunde feinster Musik. Was für ein stimmungsvoller Abschied aus der Schweiz. Es passiert so oft auf dieser Reise: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort!
Tag 50: Von Bad Wildbad nach Hause – Camper-Liebe, bittersüßer Abschied und das Batterie-Drama
Gegen Mittag warfen wir schließlich den Motor an und nahmen Kurs auf Deutschland. Doch wer wochenlang über Dolomitenpässe und Schweizer Serpentinen gekurbelt ist, bekommt bei schnöden, geraden Autobahnen fast schon Phantomschmerzen im Lenkradarm! Kurzerhand entschieden wir uns auch heute gegen die graue Transitstrecke und bogen tief in den Schwarzwald ab.
Kurvensucht im Schwarzwald statt grauer Autobahn
Über malerische Bundes- und Landesstraßen schlängelten wir uns durch dichte Tannenwälder, über sonnige Höhenrücken und durch tiefe Täler. Das ständige Auf und Ab durch das Badnerland bewies eindrucksvoll: Auch die heimischen Mittelgebirge haben fahrtechnisch richtig was auf dem Kasten!
Bad Wildbad und das Wiesen-Glück
Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich das traditionsreiche Kurstädtchen Bad Wildbad im Enztal. Doch hier erlebten wir eine echte Premiere auf der gesamten Reise: Der offizielle Wohnmobilstellplatz war bis auf den letzten Millimeter voll besetzt! Nach fast sieben Wochen reisen, hatten wir das tatsächlich zum allerersten Mal.
Glücklicherweise blieb uns die nervige Weiterfahrt erspart: Direkt am idyllischen Kurpark gibt es eine offizielle Ausweichwiese, auf der Camper ebenfalls stehen und übernachten dürfen. Ruckzuck stand unser rollendes Zuhause mitten im Grünen, das Rauschen der Enz im Hintergrund. Mit den Füßen im Gras und den ersten Schwarzwald-Eindrücken ließen wir den Tag ausklingen.
Tag 50: Von Bad Wildbad nach Hause – Camper-Liebe, bittersüßer Abschied und das Batterie-Drama
Eine unvergessliche Reise geht heute ganz offiziell auf die letzte Etappe. Die letzten Kilometer von Bad Wildbad rollten ruhig dahin, während im Kopf noch einmal die Erlebnisse der vergangenen Wochen wie ein Film abliefen. Vor allem eines hat sich auf dieser Reise wieder einmal felsenfest bewiesen: Das Unterwegssein in unserem Mini-Camper macht uns einfach riesigen Spaß! Man hat alles Lebensnotwendige auf engstem Raum stets griffbereit dabei. Die Wege im Camper sind wunderbar kurz – und gleichzeitig überbrückt man damit gewaltige Distanzen innerhalb weniger Fahrstunden.
Ein riesiger Bogen von den Vogesen bis in die Toskana
Auf diese herrlich unkomplizierte Art haben wir in den vergangenen Wochen unzählige Facetten Europas kennengelernt: die urigen Wälder der Vogesen, die schroffen Felszacken Südtirols und der Dolomiten sowie die sonnenverwöhnten Zypressenhügel der Toskana. Wir durften die unterschiedlichsten Kulturen schnuppern, regionale Köstlichkeiten genießen und Landschaften bestaunen, die uns noch lange im Gedächtnis bleiben werden.
Bei der Ankunft in der heimatlichen Einfahrt schlagen dann aber unweigerlich zwei Herzen in der Brust: ein lachendes und ein weinendes Auge. Das lachende Auge strahlt, weil man endlich die Familie wieder in die Arme schließen kann. Das weinende Auge trauert natürlich der grenzenlosen Freiheit hinterher, weil die Reise nun vorbei ist und der gewohnte Alltag wieder unerbittlich anklopft.
Willkommen daheim: Das PKW-Schlachtfest beginnt
Nachdem wir den Camper fleißig ausgeräumt, durchgewischt und wieder auf Hochglanz poliert hatten, wartete prompt die erste „Begrüßungsüberraschung“ auf uns: Unser Alltags-PKW, den wir für die Reisezeit brav auf dem Stellplatz zwischengeparkt hatten, gab keinen einzigen Mucks mehr von sich! Das Urteil stand schnell fest: Die Starterbatterie war tiefentladen und komplett hinüber.
Ein kurzer Blick unter die Haube sorgte für noch größere Ernüchterung, denn die Batterie war im vollgestopften Motorraum auf den ersten Blick überhaupt nicht zu sehen. Ein schnelles YouTube-Erklärvideo brachte schließlich die bittere Gewissheit: Der Tausch gleicht bei diesem Modell eher einer halben Schlachtung des Vorderwagens! Statt die sonnigen Spätsommertage entspannt im Garten zu verbringen, erwartet mich nun eine nervige Schrauberei, auf die ich absolut keine Lust habe. Am liebsten würde ich direkt wieder alle Kisten in den Camper pfeffern, den Zündschlüssel umdrehen und vor der Arbeit flüchten!
Nach der Reise ist vor der Reise
Aber so spielt nun einmal das echte Leben – da hilft kein Jammern! Jede noch so traumhafte Reise geht irgendwann zu Ende, doch das Trösten fällt leicht: Nach der Reise ist schließlich immer vor der nächsten Reise! Unser abenteuerlicher Roadtrip durch Italien und die Berge hat neue Reiselust entfacht, und an frischen Ideen für künftige Touren herrscht bei uns zum Glück absolut kein Mangel. Die Planung im Kopf läuft bereits – bis zum nächsten Mal auf der Straße!
















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