05.08.2020 Von Pilsen nach Hořovice


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Künstler strampeln um ihre Existenz – wir strampeln für die Kultur!

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Erkenntnis des Tages: 
Es lebe hoch: Die richtigen Ersatzteile oder die Improvisation mit den Rettern in der Not


Um 8.00 Uhr begeben wir uns in den Frühstücksraum. Sich auf Corona-Abstand am Frühstücksbüffet zu halten, gestaltet sich etwas schwierig, denn manche Leute rücken mir manchmal schon etwas zu nah auf die Pelle. Man kann es aber umgehen, indem man sich einfach nochmal hinsetzt und wartet, bis sich die “Vergesslichen” oder “Unvernüftigen” wieder gesetzt haben. Das geht aber auch und man kann es auf diese Weise durchaus selbst steuern.

Noch ein letzter Blick auf den wunderschönen Platz der Republik, bevor wir uns auf den Weg machen. Mit den Satteltaschen im Hotel ist nicht so ideal, insbesondere dann, wenn man nicht alles auf einmal tragen kann und noch einen Aufzug nehmen muss und mehrere Türen zu überwinden hat. Aber wir arrangieren uns und hangeln uns Schritt für Schritt zur Rezeption vor. Dort begleichen wir noch unsere Schulden und hangeln uns weiter zu den Fahrrädern durch, die wir in einem Flur im Nebengebäude unterstellen durften.

Im Innenhof der Hotelanlage dröhnt schon lautstarke Musik aus der Musikanlage einer Harley Davidson. Davor stehen 3 fette Holländer in Rockerkluft vor ihren noch fetteren Harley Davidson Maschinen und sich gerade fertig machen für die Abfahrt. Der vierte Mann ist auch schon im Anmarsch. Sein fetter Schmierbauch hängt sichtlich über dem zu eng geschnallten Gürtel und schaut unter seinem T-Shirt raus und ist eingerahmt von Hosenträger und Gürtel.

In dem Augenblick, als wir die Fahrräder aus dem Gebäude geholt haben, lassen die vier Rocker ihre Maschinen an und haben offensichtlich mächtig Spaß daran, den Innenhof mit dem harley-typischen, ohrenbetäubenden Motorenlärm zu füllen. Nach und nach stellen sie sich in den Tunnel vor den Innenhof und warten darauf bis das Rolltor aufgeht. Da macht es natürlich noch mehr Spaß am Gashahn zu drehen, damit man sie ja nicht überhört.

Aber sie sollen IHREN Spaß haben, wir haben UNSEREN Spaß, nämlich nahezu geräuschlos und möglichst umweltschonend mit eigener Kraft die Welt zu erkunden. Naja, zumindest fast.

Am Morgen ist es noch recht frisch und neblig. Der Android-Wetterfrosch zeigt schon Sonne an, aber die lässt scheinbar noch ein wenig auf sich warten.

Wir radeln stadtauswärts und fahren heute eine Mischung aus Paneuroparadweg und einer selbstgebastelten Routenplanung mit Komoot. Wir lassen die extrem schottrigen und extrem steilen MTB-Pisten aus und umfahren sie auf ruhigen Nebenstraßen. Die Tour ist wieder sehr hügelig, sodass doch 620 Hm auf der Strecke von 53 km zusammenkommen. Die Luft in den Reifen tut richtig gut und wir sind inzwischen auch ganz gut eingefahren. Die Landschaft ist heute besonders abwechslungsreich. Es gibt Seen, Wälder, Flure und auch eine schöne weite Aussicht am höchsten Punkt.

Nach ca. 30 km, in Dobřív legen wir in einem Ausflugslokal eine Pause ein und bestellen uns einen Gemüseteller für 2 und etwas zu trinken. Dann geht´s weiter auf und ab durch den Wald.

Päuschen im Ausflugslokal

Seit gestern macht sich beim Bremsen ein leichtes Kratzen bemerkbar, was von Abfahrt zu Abfahrt immer schlimmer wird. 4 km vor unserem Hotel gibt es dann noch dazu ein lautes Knackgeräusch kurz vor Ende der Abfahrt. Ein Blick auf das Höhenprofil zeigt, dass nun keine Abfahrt mehr kommt, also fahren wir erstmal weiter bis zum Hotel, wo wir um 14:30 Uhr ankommen. In Booking.com bekomme ich die Nachricht, dass die Rezeption erst ab 16 Uhr besetzt ist. Also gut, eine wunderbare Gelegenheit die Bremsbeläge zu wechseln, denke ich. Ersatzbeläge habe ich ja dabei.

Als ich dann die alten Bremsbeläge mit den neuen vergleiche, trifft mir der Schlag. Sie sehen von der Form her ganz anders aus. Offenbar gibt es doch verschiedene Shimano Deore Bremsbeläge. Das sollte ein Fachhändler aber eigentlich wissen und einem nicht irgendwelche Beläge andrehen. Aber ich gebe auch mir die Schuld. Ich hätte das vorher überprüfen sollen.

Jedenfalls ein großes Problem. 4 komplett abgefahrene Bremsbeläge und 4 Stück nicht passende neue Bremsbeläge. Die neuen Beläge sind zu breit und etwas kürzer und passen nicht in den Bremssattel. Ein Fahrradgeschäft sucht man hier weit und breit vergebens. Was nun?

Nachdenken … grübeln … nachdenken … grübeln und nochmal grübeln.

Wenn ich jemanden finde würde, der eine Feile oder Schleifmaschine hat, könnte ich versuchen, die Breite der neuen Bremsbeläge abzuschleifen und zu verkürzen. Die geringere Höhe wird wohl funktionieren.

Unpassende Ersatzteile

Das Hotel ist in einem Industriegebiet und ich habe Hoffnung, eine Firma mit Schleifbock zu finden. Ich schwinge mich mit den alten und neuen Bremsbelägen auf Sabine´s Rad und versuche mein Glück. Dieses lässt nicht lange auf sich warten. Schon beim 2. Anlauf finde ich ca. 200 Meter vom Hotel entfernt eine Autowerkstatt. Mit Händen und Füssen und durch zeigen der Beläge versuche ich den Automonteuren zu erklären, was ich will. Sie verstehen mich auf Anhieb. Der Mechaniker steckt den Stecker vom Schleifbock ein, stellt auf Stufe 1, nimmt die Zange, hält damit den Bremsbelag fest und schleift von beiden Seiten 1mm herunter. Sein Vater misst die alten Beläge mit dem Messschieber und vergleicht es mit den abgeschliffenen Belägen. Ich ziehe mir meine Mechanikerhandschuhe an und runde die Ecken an der anderen Seite des Schleifbocks ab und der Vater entgratet die Kanten.

Ich wollte den Mechanikern einen Schein in die Hand drücken, aber sie winken ab, aber ich bestehe darauf, dass sie ihn annehmen und sie strahlen über´s ganze Gesicht. Sie haben meine Radtour gerettet und ich bin vermutlich noch glücklicher.

Wieder im Hotel angekommen, baue ich die neuen, abgeschliffenen Beläge ein und was soll ich sagen, nach 2h fummeln: SIE PASSEN! UND SIE BREMSEN! 🙂

Unser Retter in der Not (Schleifbock links)

Zwar fehlt noch die Rückhaltefeder (weil auch zu breit) und es wird vielleicht hin- und wieder Schleifgeräusche geben, aber ich kann zumindest weiterfahren, bis ich die richtigen Beläge finde. Wir werden uns in Prag auf die Suche machen und vielleicht einen zusätzlichen Tag dort verbringen, auch um die wunderschöne Stadt zu besichtigen.

Jedenfalls ist dieser Tag gerettet.

Wir begeben uns ins Restaurant. Im Hintergrund läuft unaufhörlich deutsche Faschingsmusik: So werden wir mit Hey Baby von DJ Ötzi …. Die Hände zum Himmel, Viva Colonia oder Lebt denn der alte Holzmichel noch und Bier her, Bier her, oder ich fall um unterhalten. Ok, ich trinke jetzt noch ein paar Bier, bis mir die Musik endlich gefällt. 🙂

Dafür ist das Abendessen und die Gesellschaft mit den Hotelbetreibern traumhaft. Frankfurter Suppe, Servietten-Knödel mit Gulasch und ein Windbeutel und Kuchen zum Nachtisch. Hmmmm … lecker!

Gute Nacht Freunde. Und nicht vergessen! Ich schreibe mir nicht umsonst die Finger wund 🙂 … Wir strampeln immer noch für die Kultur: https://www.paypal.com/pools/c/8rjIDAot88

#strampelnfürdiekultur #kulturerhalten #supportyourlocalartist #paneurope #elberadweg

Die heutige Etappe aus der Vogelperspektive




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2 Antworten

  1. mooi verhaal weer. Het doet mij denken aan de keer dat je onderweg een onderdeel voor je aanhangwagen zelf op een draaibank hebt gemaakt. Goede reis verder zonder pech.

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