René van der Voorden

Von Negreira nach Olveiroa

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Von Negreira nach Olveiroa
Olveiroa, Spain

Olveiroa, Spain


Der frühe Vogel fängt den Wurm, ist unser heutiges Aufstehmotto. Dies geschieht zwar unter Zwang mittels Wecker, aber wenn wir die kühlen Morgenstunden nicht nutzen, würden wir es spätestens am heißen Nachmittag oder Abend bereuen. Es macht sehr viel aus, ob man 2-3 Stunden ‚gut gekühlt‘ wandert. In dieser Zeit hat man bereits die ersten 10-12 km ohne nennenswerte Probleme zurückgelegt. So stehen wir bereits um 6:30 Uhr in unseren Wanderschuhen und sind bereit für die große Etappe von 33 km Länge. Durch das hügelige Gelände sind auch einige hundert Höhenmeter zu überwinden. Die reine Gehzeit wird mit 8 1/4 Stunden angegeben.

Durch einen alten Torbogen geht es stadtauswärts, bevor es auf der anderen Seite hinauf in den Wald geht.
Der Camino ist hier ein ständiges Auf und Ab. Teils Waldwege, teils zerfallene Karrenwege bevor es in die erste Ortschaft geht. Nach 2 1/4 Stunden Gehzeit kommen wir in ‚A Pana‘ an eine Bar um uns zu stärken. Die Vorzeichen für den Tag sind schlecht, bereits um 9:00 Uhr ist es sehr warm und im Fernsehen der Bar werden für Santiago Höchsttemperaturen von 38 Grad im Schatten gemeldet. Das kann ja, im wahrsten Sinne ‚heiter‘ werden.

Der Camino geht weiterhin immerzu Auf und Ab, die Hitze wird von Kilometer zu Kilometer immer grösser. Es gibt auch kaum noch Schatten. Die nächste Bar in Vilaserio überspringen wir, denn wir haben genügend eigenes Proviant im Rucksack und dieser soll auch leerer werden.
Sabine von Minute zu Minute langsamer und trinkt auch zu wenig für diese Temperatur. Nach weiteren 2 h in der sengenden Sonne kommen wir nach Cornado an. Sabine hat Kopfschmerzen und will und kann nicht mehr weiterlaufen.

Zwei freundliche spanische Radfahrer, die sich gerade am Brunnen erfrischen und englisch sprechen, bitte ich, mit meinem Telefon ein Taxi anzurufen. 10 Minuten später ist das Taxi da und Sabine fährt nach Olveiroa in die teuerste Pension am Platz.
Von Cornado aus sind es immer noch 18 km. Nach 6 km über die Hochebene in Wellenform kommt man nach Santa Mariña. In der dortigen Bar werden noch mal alle Kohlehydrat- und Flüssigkeitsspeicher aufgefüllt für letzen 14 km in der Hitze.
Auch diese Strecke verläuft wieder wellig auf und ab.
Ziemlich erschöpft komme ich in Olveiroa an und setzte mich in der Albergue an den Tisch unserer Weggefährten der heutigen Etappe und trinke und plaudere noch etwas.

Diese Etappe war wirklich eine große Herausforderung an Körper und Geist. Die Kombination aus Gewicht, Geschwindigkeit, Temperatur, Länge und Höhendifferenz hat ungefähr die Hälfte aller Pilger zum Aufgeben gezwungen. Das Taxi war heute im Dauereinsatz.

Beim Abendessen saß ich mit Shirley und Annely aus Südafrika beim Abendessen. Sie fragt mich nach meinem Geburtsdatum und sie nennt mir alle möglichen Eigenschaften von mir, zunächst nur Positive und sogar spezielle Eigenarten, die ich habe und die so schnell nicht auf jemand anderen passen. Ich bin Technokrat und habe mit diesen übersinnlichen Dingen normalerweise nicht viel am Hut. Aber das, was Shirley in einem kurzen Zwiegespräch gesagt hat, ist schlichtweg verblüffend, denn es stimmte alles und war nicht allgemein gehalten, sondern schon sehr speziell.

Nachdem ich sie auf meine negativen Eigenschaften anspreche, sagt sie mir, ich solle mich lieber auf die positiven Dinge konzentrieren. Ich bleibe hartnäckig und sie nennt mir dann auch meine negativen Eigenschaften. Alles richtig. Mal sehen, ob bei mir nächstes Jahr der Rubel rollt, so wie sie mir voraus sagt. Dann hätte sich der Jakobsweg ja gleich in zweifacher Hinsicht gelohnt. 🙂
Sie überlegt eine Weile und sagt, ich habe einen Hang zum Schreiben, ich solle unbedingt schreiben. Und genau dies mache ich gerade mit dem Blog. Vielleicht sollte ich noch ein Buch daraus machen?

Meinem Gegenüber, Ferry, hat sie auch Eigenschaften und Fähigkeiten genannt, die allesamt stimmen, aber überhaupt nicht zu mir gepasst hätten. Meine Tischgenossen verabschieden sich von mir, weil sie in der Albergue wohnen. Ich gehe ganz beeindruckt von dem was passiert ist, die Treppen nach oben in unser Zimmer.

Sabine wird morgen mit dem Taxi oder Bus fahren müssen, sie hat noch das kalte Handtuch auf dem Kopf liegen und versucht sich von ihren Kopfschmerzen zu befreien. Ich versuche, die ebenso harte letzte Etappe von 31,1 km zu laufen. Wir treffen uns dann in Finisterre.

Morgen heisst es wieder früh aufstehen.

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Von Santiago de Compostela nach Negreira (185 m)

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Von Santiago de Compostela nach Negreira (185 m)
Negreira, Spain

Negreira, Spain


Wir bekommen für die heutige Nacht ein deutlich einfacheres Zimmer im 4. Stock. Eines, worin früher die Mönche wohnten. Es hat keinen Platz für zwei Betten nebeneinander, deshalb hat man sie aufeinander gestapelt. Dafür haben wir am Morgen einen herrlichen Blick auf die Kathedrale, die fast zum Greifen nah ist.
Wir frühstücken wieder im großen Saal, danach geht es weiter auf den Camino.
Unser Ziel haben wir erreicht, wir wollen aber noch versuchen, an’s Ende der Welt zu kommen und machen heute die erste Etappe. Es sind zwar nur 23,8 km, dafür hat es aber einen steilen Anstieg von ca. 250 hm drin.
Zunächst geht der Weg durch den Gang, den sich die Straßenmusiker im Stundentakt teilen, weil dort eine sehr gute Akustik vorherrscht. Dieser Gang kommt am Platz der Kathedrale raus und führt dann stadtauswärts, den Berg hinab.
Nach 15 Minuten geht es an der anderen Seite wieder nach oben. Auf dem Hügel gibt es nochmal einen schönen Blick zurück auf Santiago und die Kathedrale. Leider steht die Kathedrale durch das starke Gegenlicht im Schatten. Aber vielleicht habe ich am letzten Abend noch die Gelegenheit, von diesem Punkt aus die von der Abendsonne angestrahlte Kathedrale zu fotografieren.
Man merkt, dass man langsam Richtung Küste kommt. Die Vegetation verändert sich wieder einmal und die Wege werden zum Teil sandiger und staubiger.
In Alto do Vento machen wir eine längere Rast in einer Cafe-Bar bei Tortilla, Kaffee und Cola. Ab hier geht es ein Stück an der Straße entlang und dann eine gute Stunde relativ steil bergauf auf einem unbefestigten Weg. Alle paar hundert Meter steht am Wegesrand eine steinerne Bank zum Ausruhen, die wir aber alle auslassen. Auf dem Hügel an der Straße befindet sich ein Brunnen, den wir als Kneippbecken für die Oberarme verwenden. Eine schöne Erfrischung.
Jetzt geht der Weg an der Straße entlang. In Transmonte machen wir noch eine kurze Erfrischungsgetränkepause. Es geht weiter bergab, bis wir in ein schmuckes Dörfchen namens Ponte Maceira kommen. Eine schöne gotische Brücke aus dem 14. Jh. überquert den Rio Tambre. Von der Brücke aus hat man einen schönen Blick über den Fluß und auf mehrere restaurierte Mühlen, sowie ein schönes mittelalterliches Anwesen (pazo) inmitten einer Parkanlage.
Nach der Brücke geht man nach links und ist in ca. 0,5 h in Barca. Nach einer weiteren halben Stunde sind wir in Negreira, unserem heutigen Etappenende.
Wir kommen in der Albergue Lúa unter, die direkt in der Ortsmitte liegt.
Für die morgige lange Etappe von 33 km bevorraten wir uns noch im Supermarkt nebenan, denn es gibt unterwegs keine Einkaufsmöglichkeiten lt. Roter Wanderführer aus dem Jahre 2006.

Wir essen bei einem Italiener Pasta, um für morgen gut gerüstet zu sein.
Als wir vom Essen zurück kommen, treffen wir auf Johannes aus Tirol in der Albergue.

Wetter: sonnig und sehr warm

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Ein Tag in Santiago

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Ein Tag in Santiago
Santiago de Compostela, Spain

Santiago de Compostela, Spain


Am Frühstückstisch sitzt schon ‚Pippi Langstrumpf‘, eine Pilgerin, die mit uns im Flugzeug saß. Sie hatte meherer Puppen an Ihren Rucksack befestigt. Sie fuhr mit uns zusammen noch im Bus bis nach Oviedo, danach verlor sich jede Spur, weil sie den Camino del Norte (den Küstenweg) laufen wollte. Nach 3 Wochen sitzen wir wieder am selben Frühstückstisch.
Ihr Flug geht heute zurück nach Deutschland und sie verabschiedet sich.
Kurze Zeit später kommen Edeltraud und Herrmann hinzu und wir plaudern wieder ganz nett miteinander. Rita Ecker, die gestern die Führung gemacht hat, setzt sich zu uns an den runden Tisch.
Nach dem Frühstück gehen wir zurück in Richtung Zimmer; wir trauen unseren Augen nicht, Lou aus Brasilien kommt uns freudestrahlend entgegen. Die Freude auf beiden Seiten ist überwältigend. Die Augen sind jetzt doch etwas feucht geworden. Wir erzählen einander, wie jeder seinen Weg die letzten Tage erlebt hat, denn wir haben uns doch einige Tage nicht mehr gesehen.
Gestern noch haben wir immer Ausschau gehalten, aber keine Lou. Jetzt auf einmal ist sie da, wie Phönix aus der Asche. Es ist das Tüpfelchen auf dem i, dass wir sie wiedersehen.
Sie fliegt morgen nach Paris, will ein paar Tage in eine Bibliothek und die Stadt anschaunen, bevor sie zurück nach Brasilien fliegt.

Wir holen unsere Credential (Pilgerurkunde) im Pilgerbüro und treffen dort die beiden Kanadier wieder, mit denen ich gestern auf dem Weg ein längeres, interessantes Gespräch hatte.
Bevor wir um 12 Uhr zur Pilgermesse in die Kathedrale gehen, bringen wir unsere Credentials ins Hotel.
Im Hotel kommen uns plötzlich der Schweizer Walter und
Bea aus Owwahause, deren Freund in Raueberg wohnt, entgegegen. Sehr schön, dass wir auch die Beiden wiedersehen.

Um 11:30 Uhr gehen wir durch’s Nordportal in die Kathedrale und nehmen auf der Bank Platz.

Die Messe ist eine sehr bewegende Zeremonie. Wir denken an alle Menschen, denen wir den Weg und die Wegabschnitte gewidmet haben und an diejenigen, die uns auf dem Camino begegnet sind. Es sind viele wundervolle Menschen darunter, zu denen wir den Kontakt aufrecht erhalten werden. Viele Nationen, viele unterschiedliche Kulturen, jung und alt, arm und reich, groß und klein, dick und dünn, schwarz und weiß. Der Camino vebindet sie alle miteinander. Es ist ein Schmelztiegel der Menschheit und Santiago ist wirklich eine Weltkulturstadt der Menschen. Er beschreibt das Leben mit allen Höhen und Tiefen im Zeitraffer, aber mit wesentlich mehr Tiefgang. Freud und Leid. Glück und Schmerz werden viel intensiver wahrgenommen, wie es der Fall ist, wenn man sein ’normales Leben‘ lebt. Am Ende hat man sehr viel über sich und andere gelernt. Man lernt mit Unannehmlichkeiten besser umzugehen und gleichzeitig gibt es große freudige Erlebnisse.

Ein Satz im Begleitbuch des Pilgermuseums beschreibt es ganz treffend:

‚Auf dem Weg aber, Metapher irdischen Daseins, beginnt eine wahrnehmbare, personelle Veränderung aufgrund einer Reihe von Riten, die im Moment der Ankunft ihren Höhepunkt erreichen. Wenn der Pilger einmal sein Ziel erreicht hat, verwandelt er sich in einen neuen Menschen.‘

ES IST EINACH SCHOEN, DASS ES DEN CAMINO GIBT.

Am Ende der Messe wird noch das Weihrauchfass durch das Kirchenschiff geschwenkt. Ein Ritual, welches nur bei besonderen Anlässen durchgeführt wird. Das 50 kg schwere versilberte Weihrauchfass hängt an einem 35 Meter langen Seil von der hohen Decke herab und wird mit gewaltigem Krafteinsatz von 6 Mönchen zum Pendeln gebracht und schwingt mit berauschender Geschwindigkeit durch das Kirchenschiff. Ein faszinierendes Erlebnis.

Am Ende der Messe stellen wir uns in die Warteschlange, um den Apostel Jakobus zu umarmen. Mit dieser Geste ist die Pilgerreise offiziell zu Ende.

Der Camino ist sicherlich nicht für Jeden geeignet, aber diejenigen die ihn laufen, werden Ihre Betrachtungsweise des Lebens in manchen Belangen ändern und für sich ein gutes Stück Lebenserfahrung mitnehmen.
Das gilt für gläubige Menschen, aber auch für Menschen wie mich, die immer noch davon überzeugt sind, dass am Ende des Lebens kein Neuanfang passiert.

Am Nachmittag besuchen wir noch das Pilgermuseum von Santiago und zeigt die Historie vom Pilgerdasein von gestern bis heute.

Wir wollen morgen unsere Wanderung nach Finisterre fortsetzen und holen noch einige Informationsunterlagen. Es wird auf jeden Fall anstrengender, weil die Distanzen größer sind.

Wir beschließen den Abend mit einem Menü im Cafe Casino, welches 1873 erbaut wurde. Die Atmosphäre ist entsprechend: Hohe Decken mit Stuck und Ornamenten, aufwändige Wandschnitzereien, gemütliche Sessel und Kronleuchter in einem riesigen Saal.

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Von Pedrouzo nach Santiago de Compostela

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Von Pedrouzo nach Santiago de Compostela
Santiago de Compostela, Spain

Santiago de Compostela, Spain


Den Weg ans Ziel widmen wir nochmal unseren Kindern Eric und Timo. Möget ihr Eure gesteckten Ziele immer erreichen. Setzt Euch immer Ziele die man auch erreichen kann. So wie zum Beispiel eine Pilgerreise nach Santiago.

Wir denken aber auch an alle da draußen, die uns so schön über den Blog unterstützt, mitgefiebert, mitgelitten und mitgefreut haben. Wir lesen abends und morgens immer die Kommentare und sind überglücklich, dass der Blog so erfolgreich geworden ist. Wir lieben Euch dafür!

Wir liegen direkt neben der Schiebetür, wo ca. 40 Pilger ein und ausgehen. Manche müssen nachts sogar mehrmals auf’s Klo. Wir waren die Letzten, die ins Bett gingen, insofern hat das Einschlafen wenigstens keine Probleme bereitet.
Sabine ist dann aber doch nachts um 3 Uhr in ein anderes freies Bett umgezogen, weil sie die Unruhe nicht mehr aushält.
Ich habe meine gelben Helferlein im Ohr und bekomme nicht sehr viel davon mit.
Am Morgen sind wir erstaunlicherweise trotzdem total fit. Es liegt vielleicht an der Vorfreude auf unser gestecktes Endziel.

Wir laufen wieder durch Eukalyptuswälder. Hin und wieder kribbelt es auf der Haut.

Nach dem Wald kommt eine schöne sonnige Blumenwiese, die zu ein paar gestellten Fotos einlädt. Der Hang gegenüber ist im Nebel, wir laufen auf der Sonnenseite.
Ab hier geht es wieder lange einen Berg hinauf. Diejenigen die uns am schnellsten überholen, machen nachher auf dem Berg eine Rast. Eine Stunde später haben sie uns immer noch nicht überholt. Ich unterhalte mich mit einem kanadische Paar. Er, gerade pensioniert, sieht aber aus, als müsste er noch 20 Jahre arbeiten. Sie wird erst in 5 Jahren pensioniert und hat sich eine Auszeit für 1/2 Jahr geben lassen, um Europa kennenzulernen. Sie haben schon England, Irland, Schottland, Frankreich und Spanien gesehen und werden auch ihre Verwandten in Heilbronn besuchen. Wenn sie den Camino zu Ende haben, geht es nach Norwegen, sie wandern dann von Hütte zu Hütte. In den Rucksäcken, die wirklich sehr klein sind, ist alles drin für das halbe Jahr, inkl. Netbook. Sehr angenehme und nette Leute.

Wir machen eine längere Rast in der Cafe-Bar Botana in Lavacolla. Eine jugendliche Gruppe setzt sich an den Nachbartisch und singt ein schönes Lied nach dem andern. Ich frage sie, ob ich ein Lied aufzeichnen darf. Sie freuen sich darüber und singen ein katalanisches Volkslied (Video).
Die jugendlichen Pilger haben sich immer mehr in Trance gesungen. Unweit der Bar ist eine Bühne, wo sie allesamt hinströmen. Dort legen sie nochmal einen Tanz mit Gesang für’s Video hin. Eine unglaubliche Freude, Lebenslust und Temperament legen die jungen Leute an den Tag. Woher sie nur so viele Lieder kennen?
Es geht immer weiter bergauf und vorbei auf der lichten Hochebene an den Sendestationen von TV galicia und TV españa ins Einzugsgebiet von Santiago. Der Monte do Gozo, der Berg des höchsten Genusses, liegt noch ca. 1 und 1/4 Stunde vor uns.
Als wir die Statue auf dem Monte do Gozo erreichen, treffen wir auf Johannes aus Tirol, der uns noch eine Motto-Karte und eine Visitenkarte des Hotels seiner Eltern mit auf den Weg gibt. Nach 10 Minuten will er wieder weiter, weil er ansonsten Probleme mit seinen Füßen bekommt.
Auch unsere katalanische Gruppe treffen wir für ein Gruppenfoto wieder.
Dann gibt es vor der Kapelle einen Stempelstau (Video), verursacht durch eine Horde deutscher Radpilger.
Einer davon stellt sich rotzfrech sichtbar auf die Kapellenmauer und pinkelt ohne jegliche Schamgefühle in hohem Bogen von der Kapellenmauer hinunter. Auf dem Rucksack von hinten die Deutschlandfahne befestigt.
Das Foto folgt leider erst, wenn ich wieder zu Hause bin
Es geht ungefähr 15 Minuter bergab und die Hauptstadt Galiciens und Kulturhauptstadt der Menschheit ‚Santiago de Compostela‘ empfängt uns lautstark und mit offenen Armen.

In der Cafe-Bar De Mon essen und trinken wir noch eine Kleinigkeit, damit wir voller Elan in die Altstadt ‚centro urbano‘ von Santiago kommen.

Kurz vor der Kathedrale treffen wir wieder auf den netten Mann aus Vaihingen Enz, den wir genau vor einer Woche in Portomarin zum ersten Mal getroffen haben. Wir plaudern eine ganze Weile. Er fragt uns, ob wir schon eine Bleibe für die Nacht haben. Wir verneinen und er gibt uns einen supertollen wertvollen Tipp für unsere Uebernachtung direkt gegenüber des Nordpotals der Katedrale. Es ist ein Kloster, indem auch ein Hotel namens San Martin Pinario untergebracht ist. Dann macht er uns noch darauf aufmerksam, dass um 19.00 Uhr eine deutsche Führung rund um die Kathedrale stattfindet.

Bevor wir einchecken, wollen wir aber die Kathedrale von außen sehen. Nur noch wenige Schritte durch eine Pforte, und da steht sie vor uns:

Die gewaltige Kathedrale von Santiago de Compostela. Ein absoluter Traum. Sie steht wirklich vor uns. Wir können es noch nicht wirklich fassen.

Auf dem riesigen Platz sind viele Pilger, die sich das Bauwerk im Liegen ansehen. Sie ist wirklich phänomenal und beeindruckend. Man hat von der Kathedrale vorher schon viele Fotos gesehen, aber ein Foto kann nicht das abbilden, was man sieht und erlebt, wenn das Bauwerk livehaftig vor einem steht.

Wir verweilen eine ganze Zeit auf dem Platz und wollen uns selbst fotografieren, aber nach 10 Selbstauslöserversuchen haut das nicht so richtig hin.

Ein aufmerksamer Österreicher beobachtet uns und bietet sich an, ein Foto von uns zu machen.
Er legt sich für uns auf den Boden, um die richtige Perspektive zur Kathedrale zu bekommen. Wir gehen in Pose und die erste Aufnahme ist ein Volltreffer. Wir bedanken uns bei ihm und im Gegenzug bekommt er den gewünschten Korkenzieher von uns, um seine Rotweinflasche zu öffnen.
Nachdem wir genügend Fotos von uns vor der Kathedrale gemacht haben, machen wir uns auf die Zimmersuche.

Es gibt im San Martin Pinario Perigrino-Doppelzimmer zu 23 € pp und normale Hotelzimmer. Die Rezeptionistin bietet uns ein normales Doppelzimmer zu 70 € an, da die günstigeren Peregrinozimmer schon alle belegt sind. Nach kurzer Verhandlung bekommen wir schlussendlich das richtige Hotelzimmer zum Peregrino-Preis. Haben wir wieder ein Glück.
Morgen ziehen wir dann um in ein Peregrino-Zimmer.
Das Frühstücksbuffet soll der Wahnsinn sein. Wir lassen uns überraschen.

Der Innenhof ist ein Kreuzgang, wie in einem Kloster. Das Zimmer besitzt eine Steinbank. Uraltes Gemäuer, ganz geschmackvoll eingerichtet. Das Bett aus Metallstangen. Im Kreuz eine Jakobsmuschel. Schaut’s Euch alles selbst an auf www.sanmartinpinario.eu

Wir beziehen unsere Zimmer, machen uns ein wenig frisch und treffen uns am Nordportal der Kathedrale zur Führung. Diese geht ungefähr eine Stunde und gibt uns einige Hintergrundinformtionen über das meisterhafte Bauwerk.

Wir treffen wieder auf den Oesterreicher von vorhin, der immer noch auf dem Platz sitzt und erzählt einem anderen Pilger, dass er aus Wildalpen sei, das sowieso keiner kenne. Wir legen an dieser Stelle unser Veto ein, denn wir waren 1998 mit dem Paddelclub in der 500 Seelen-Gemeinde zum Paddeln in Wildalpen an der Salza.
Er stand sogleich auf und war völlig überwältigt, dass wir diesen kleinen Ort in Oesterreich kennen. Das hatte er vorher noch nie erlebt und wir plauderten bestimmt eine Viertelstunde über Wildalpen und Umgebung.

Nach der Führung suchen wir einen Italiner auf und nehmen wieder ein Menü. Sehr lecker.

Nach dem Essen machen wir noch einen Verdauungsspaziergang durch die wunderschöne und belebte Altstadt und hoffen darauf, einige Menschen vom Weg wiederzusehen. Was wird Lou machen? Ob wir Melanie nochmal sehen? Wo sind Rita, Wolfgang und Dieter? Wir kehren noch in eine Tapasbar
ein und trinken noch etwas. Beim Verlassen der Bar, ducken wir uns und huschen schnell weiter. Hatschi mit dem langen Bart und Schigong sitzen nämlich da, und wir wollen wirklich ins Bett. 🙂
Ein paar Straßenecken weiter hören wir noch einigen verschiedenen Straßenmusikern zu. Es sind auch zwei ausgebildete chilenische Tenöre dabei (Video).

Am späten Abend treffen wir nochmal die beiden netten Vaihingen Enzer und plauschen eine ganze Weile über den Camino Norte, Finisterre, Muxia und viele andere interessante Dinge. Wir hatten eine wirklich sehr nette und sehr angenehme Unterhaltung den Leuten aus dem Äffle &amp; Pferdle Land. Wir wissen jetzt auch, dass die Beiden Edeltraud und Herrmann heissen.
Wäre irgendwie schade, wenn man sich nicht mehr sehen würde. Wir laufen gemeinsam zurück zu unserem gemeinsamen Domizil, verabschieden uns im Aufzug und hoffen, dass wir uns morgen beim Frühstück nochmal wieder sieht.

Wetter: Sonnig, vormittags bewölkt. Nachmittags fast wolkenfrei.

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Von Arzúa nach Pedrouzo (289 m)

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Von Arzúa nach Pedrouzo (289 m)
Pedrouzo, Spain

Pedrouzo, Spain


Die halbe Flasche Rotwein und die beiden Schnäpse gestern abend bereiten meinem Kopf keine Probleme.

Wieder herrlich ausgeschlafen sitzen wir in der Bar bei Manzanilla (Kamillentee), Cafe con leche grande (Milchkaffee) und Tostadas con Mermelada (getostetes Brot) beim Frühstück. Diesmal gibt es zur Abwechslung Erdbeermarmelade. Sonst gibt es immer Aprikose. Überall.
An den Tischen draußen sitzen Pilger, die bereits seit 5 oder 6 Uhr unterwegs sind, beim 2. Frühstück. Einer davon läuft den Weg barfuß.
In der Bar gibt es einen Internet-PC, den man kostenlos benutzen darf. Er ist sehr beliebt bei den Pilgern, die ohne Geld unterwegs sind. Es setzt sich ein junger Mann mit langem Rauschebart an den PC, der sich und seine Kleider zum letzten Mal gewaschen hat, als er noch ohne Bart war. Jedenfalls riecht er so.

Heute sind sehr viele 100 km Läufer unterwegs. Also diejenigen, die nur die letzten 100 km laufen, um in Santiago ihre Compostela, die sie für ihre Bewerbungsunterlagen brauchen, zu bekommen. Oder diejenigen, die glauben, es werden Ihnen am Ende des Weges alle Sünden genommen.
Die Meisten laufen mit Tagesrucksack und lassen sich die Abendgardarobe im schweren Wanderrucksack oder Koffer von Etappe zu Etappe fahren. Viele davon rennen anfangs regelrecht. Die Schnellsten von Ihnen holen wir am Ende des Tages wieder ein. Sie sitzen am Straßenrand und behandeln, mit schmerzverzerrtem Gesicht, ihre Blasen.
Viele Grüppchen und viele Nebelwolken aus Parfüm hüllen den Camino ein. Das haben wir seit 700 km ‚vermisst‘, dass hier die Menschen gut riechen. Das Parfüm überdeckt streckenweise den guten natürlichen Duft der Eukalyptusbäume.
Auch wenn das Höhenprofil des Reiseführers suggeriert, es ginge nur wenige Höhenmeter bis zur nächsten Etappe hinauf oder hinab, geht es in Wirklichkeit ständig auf und ab. Es sind also viele Sägezähne, die im Reiseführer als geglättete Linie dargestellt werden. Deshalb sind die zurückgelegten Höhenmeter viel mehr, als die Höhendifferenz zwischen zwei Orten.
Der Camino geht heute anfangs viel durch Wälder. Der Farn gedeiht überall hier. Die Bäumstämme sind teilweise vom Efeu bekleidet. Ein Vogel sitzt auf einem Zaunpfahl in 3 Metern Entfernung und singt uns eine schöne Melodie. Wir bleiben stehen und hören zu, bis er weg fliegt.
Kurze Zeit später stolziert ein mächtiger Hirschkäfer über den Camino (Video). Nachdem ich ihn entdecke, bleibt eine Traube von Pilgern auch stehen um das bemerkenswerte Insekt zu fotografieren. Nachdem der letzte Pilger sein Foto gemacht hat, setzen wir den Käfer am Waldesrand ab, damit er nicht von anderen Pilgern überrollt oder zertrampelt wird.
Wir machen nach 2 Gehstunden in Calle eine Rast in einer Bar, in die man quasi hineinstolpert, weil sie in einer Biegung liegt und essen eine Bocadillo francesa (Brötchen mit Rührei) und eine Cola. Diese Kombination hat den Energieinhalt, um nochmal 2,5 h zu laufen. Vorher wollen wir nicht mehr anhalten.
Riesige Hortensien stehen rechts und links des Weges. Sie sind so groß, wie wir sie sonst noch nirgends gesehen haben (Foto).
Größtenteils ist der Camino hier ein Hohlweg und führt auch wieder durch hohe Eukalyptuswälder hindurch. Wirklich sehr beeindruckende Bäume.
Wir haben das Glück, einen Hahn beim Krähen auf Video aufzuzeichnen, er muss verschlafen haben, denn es war schon nachmittags.
Nach ca. 2,5h machen wir in O Empalme eine ausgedehnte Pause mit der besten Tortilla patata, die wir bisher auf dem Weg gegessen haben. Gut …. sie kostet 5 statt 3 Euro, war aber ihr Geld durchaus wert.

Nach der Pause laufen wir noch ca. 45 Minuten bis zur privaten Herberge in Pedrouzo.

Heute genehmigen wir uns eine Waschmaschine und stecken fast alles hinein was wir haben, damit wir morgen wohlriechend in Santiago einlaufen. Dummerweise bleibt das verrückte Ding mitten im Programm stehen, und die Wäsche ist seifig und klitschnass. Das haben wir uns etwas anders vorgestellt, denn nun stehen wir da und spülen die ganze Sch***e doch noch von Hand und wringen alles unter grössten Mühen aus, damit wir morgen etwas Trockenes zum Anziehen haben.

Im Restaurant gegenüber gibt es noch ein köstliches Menü. Ich genehmige mir noch einen ‚orbas hierbas‘ (Kräuterschnaps) zur Feier des Tages.

Wetter: Stark bewökt, aber für uns schien immer wieder die Sonne hindurch. Sehr angenehmes Wanderwetter.

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Von Mélide nach Arzúa (388 m)

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Von Mélide nach Arzúa (388 m)
Arzúa, Spain

Arzúa, Spain


Diese Etappe widmen wir meinem Kollegen Volker K.
Wir wünschen Dir alles Gute zum Geburtstag und dass Du wieder gesund wirst.

Wir fühlen uns porentief rein und riechen wie der Frühling. Es hat schon etwas Komfortables, wenn man 4 verschiedene Frotteehandtücher zur Auswahl hat. Zur Feier des Tages, haben wir diese sogar alle verwendet und wir müssen sie nicht einmal zum Trocknen an den Rucksack hängen.
Ich denke, nach 750 km in Herbergen und tagelanger Krankheit, darf sich auch ein hartgesottener Pilger diesen Luxus gönnen. Man kann sich nicht vorstellen, wie gut es tut, nach Herzenslust in den Beuteln zu kramen, ohne Angst haben zu müssen, dass sein Bettnachbar davon aufwacht. Wir können ‚kruschteln‘, umher laufen, müssen nicht flüstern, haben ein modernes, geräumiges Bad und eine 4 qm Liegewiese als Bett. Einfach traumhaft.
Entsprechend ausgeruht sind wir. Wir gehen in die Cafe-Bar nebenan und bestellen uns zwei ‚desayunos‘ (Frühstück), eines mit Kamillentee und eines mit Cafe con leche grande.

Ganz leichter Niesel und Nebel sind heute unsere Wegbegleiter durch die schier endlose Zahl an Weilern und Bauerndörfern, an dene wir vorbeigehen. Ein Wetter, welches für Galicien typisch sein soll. Der Niesel ist so gering, dass ich nur die Kamera, die mit einem Karabinerhaken am Tragegurt des Rucksacks befestigt ist, schützen muss.

Es dauert nicht lange, und wir passieren den 50 km Stein. Kurze Zeit später durchlaufen wir wieder einen mystischen Wald. Diesmal sind die Bäume nicht knorrig und verwarzt, sondern rießengroß und kahl. Die Rinde der Bäume fehlt größtenteils. Es ist ein Eukalyptuswald und es duftet, als würde man gerade wegen Reizhusten inhalieren. Wer durch diesen Wald mit Lungenproblemen geht, ist bestimmt nachher geheilt 🙂
Sehr merkwürdiger Anblick diese vielen, riesigen, kahlen Bäume (Foto).

Kurze Zeit später folgt eine schön angelegte Wasserquerung mit großen Steinblöcken, die als Ersatz für eine Brücke dient (Video). Weiter geht es bergauf durch die grüne Eukalyptus-Lunge Galiciens.
In der Kirche in Buente holen wir uns bei der Stempelfrau noch einen Laufnachweis ab, damit uns in Santiago die Compostela nicht verwehrt wird.
Nach der Kirche geht der Weg erstmal ein Stück bergab, bevor es auf der anderen Seite eine längere Steile Rampe wieder aufwärts geht. Es ist jetzt etwas schwül, so dass sich die ein oder andere Schweißperle auf der Stirn verirrt.

Unsere Rast machen wir in Castañeda. Mich spricht ein Mann mit ungewöhnlich langem Bart auf meine Kamera an. Fast in einem Satz erklärt er mir, dass er früher eine noch viel schwerere Kamera trug, weil er die Fotos, die er für seine Vorträge über den Camino hält, brauche. Jetzt kommt er aber mit einer kleinen Kamera aus. Er erzählt in der Runde, dass er schon in China war, 10 Jahre lang Flohmärkte machte, er Schwingstühle verkaufte, quasi seine ganze Lebensgeschichte in wenigen Sätzen. Seine Begleiterin, auch sehr nett, aber sehr esoterisch alles. Im Nu wurde uns erklärt, wofür der Camino alles gut ist, welche heilende Wirkung er hat, dass man Schnecken in Honig auflösen und essen soll, sie helfen innerlich gegen Neurodermitis etc. Am Ende der Sitzung kam man sich doch etwas vereinnahmt vor, denn wir wurden am Ende freundlich darauf hingewiesen, dass wir gerne mal den Tai Chi, Futschi und Hatschi Kurs besuchen dürfen und dass sie sich bei uns melden würden. Das ist bestimmt alles gut gemeint, aber entspricht absolut nicht unserer Lebensphilosophie.

Der Weg geht weiterhin auf und ab und kommt in Arzúa an der Straße wieder heraus und führt in die Kleinstadt hinein. Wir steuern wieder auf eine Pension zu. Irgendwie ist uns wieder danach.

Im Ort suchen wir eine kleine Bar, wo wir ein nettes Menü für Pilger zu uns nehmen.

Der Abend ist noch etwas voller Emotionen, durch einen Telefonanruf. An dieser Stelle möchten wir unsere Kinder Eric und Timo nochmal herzlich grüssen.

In Liebe
René &amp; Sabine

Wetter: Ab und zu Niesel, nachmittags sonnig

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Von Palas de Rei nach Mélide

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Von Palas de Rei nach Mélide
Mélide, Spain

Mélide, Spain


Diesen Wegabschnitt widme ich meiner lieben Sabine. Sie ist mit mir den ganzen Lebensweg gegangen. In guten und in schlechten Zeiten, durch dick und dünn. Sabine ist mein ruhiger Pol und immer noch meine große Liebe. Bis zum heutigen Tag.

Heute liegt eine merkwürdige Stimmung in der Luft. Sabine fühlt sich zwar besser, hat aber immer noch eine stark weiß-belegte Zunge und im Gesicht sieht aus wie ein Geist. Die Magen-Darm-Verstimmung ist auch nicht zu 100% überstanden. Es ist Sonntag. Apotheken und Aertzte, sie sind geschlossen. Sabine will bis zum nächsten Ort weiterlaufen, aber mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, wenn sie unterwegs aus den Latschen kippt.
Immerhin sind es zum nächsten Ort 1:15 h bei normalem Wandertempo. Und dieses ist heute schlichtweg unmöglich.

Wir frühstücken in der Bar, wo man mich schon mit Namen kennt und überlegen nochmal gemeinsam unseren weiteren Plan. Am Nebentisch sitzen vier flotte Damen. Geschminkt, gut aussehend und frisch, als ob sie den Jakobsweg geflogen sind. An der Eingangstür türmen sich die schweren Wanderrucksäcke der Damen, die auf Ihre Abholung durch den Peregrinoservice warten. Und jetzt der Hammer: Die Damen steigen in ein Taxi ein. Man will ihnen ja nichts Böses nachsagen aber es riecht einfach danach und kommt offensichtlich immer mehr in Mode:
Wahrscheinlich werden sie in ihrem unbenutzten Wanderoutfit zum nächsten Hostel gefahren und ergaunern sich auf diese Weise einen preiswerten Urlaub und eine Compostela dazu. Wir beneiden diese Menschen aber nicht, im Gegenteil man kann sie nur bedauern.

Sowieso ist auf den letzten 100 km alles anders.

Ich muss heute weitergehen, sonst fällt mir hier noch die Decke auf den Kopf. Sabine ist nicht fit genug zum wandern, aber auch nicht krank genug für’s Bett, also entscheiden wir uns dafür, dass ich nach Mélide laufe und Sabine mit dem Bus dorthin fährt. Für Beide die beste Lösung und Sabine hat nochmal einen Tag mehr Zeit, wieder zu Kräften kommen.

Heute gönne ich mir einen neuen Kleiderschrank in Form einer Einkaufstüte mit zwei gesunden Henkeln. Bei meinem vorigen Kleiderschrank (Mülltüte) war schon ein Henkel abgerissen, das war sehr unangenehm beim Transport und beim Aufhängen in die Duschkabine. Welche Sorgen man hier hat, werdet Ihr sicherlich denken?

Der Wetter ist herrlich. Keine Wolke am Himmel und dennoch nicht zu heiß. Der erste Abschnitt des Weges, nach Palas de Rei ist wie ein Laubtunnel, der vor der Sonne schützt und dadurch ein sehr angenehmes Laufklima schafft.
Heute ist Tag der Kornspeicher. Unzählige dieser Kammern auf Stelzen verschönern den Weg.
Die Landschaft ist hier wieder ganz anders. Irgendwie dichter, nicht so frei. Das liegt wahrscheinlich daran, dass hier keine fernen Bergblicke mehr möglich sind. Dennoch ist es wunderschön. Ich wundere mich, wo die vielen Pilger auf einmal geblieben sind. Die Pilger, die ich bis jetzt gesehen habe, kann man an einer Hand abzählen. Fahren die heute alle mit dem Bus oder Taxi? Komisch irgendwie. Gut, mag sein, dass es an der fortgeschrittenen Zeit liegt. Es ist schon 13.00 Uhr und viele werden versuchen, bis dahin ein Bett zu finden, weil sie Angst haben, keines mehr zu kriegen. Ich kann jetzt ganz sorglos dahinschlendern, denn soeben erhalte ich von Sabine einen Anruf, dass sie ein sehr schönes Hostel gefunden hat. Sie hört sich am Telefon auch wieder deutlich besser an. Hoffentlich täuscht das nicht.
Ein wunderschönes altes Dorf namens Lebreiro durchläuft man, wo rechts eine kleine, schlichte aber wunderschöne Kirche mit dem klangvollen Namen ‚Iglesia de Santa Maria de Lebreiro‘ zum Verweilen einlädt.

In der Kirche ist das Fotografieren leider nicht erlaubt. Draußen vor dem Kirchenportal spreche ich den Stempelmann an, dass es eine schöne Kirche sei und lasse mir auf dem Reiseführer zeigen, wo sie steht und wie sie heisst. Mein großes Interesse an der Iglesia scheint ihm zu gefallen, denn er belohnt mich damit, ein Foto machen zu dürfen. Allerdings solle ich den Blitz nicht verwenden. Ich erkläre ihm, dass ich in Kirchen nie den Blitz einsetze. Er freut sich darüber und schaltet für mich sogar noch extra das Licht am Altar ein.
Mit einer kleinen Spende für dieses Kunstbauwerk und einem freundlichen Händeschütteln verlasse ich die Kirche und den Stempelmann.

Der Weg führt wieder über eine alte steinerne Brücke und ist ab jetzt wenig im Schatten. Es ist aber gut in der Sonne auszuhalten. Kurz vor Mélide kommt nochmal ein galicischer Grenzübertritt von der Province Lugo nach de A Coruña. Er ist gekennzeichnet durch einen hohen Stein mit einem Kreuz darauf (Foto).
Es geht nochmal über eine wunderschöne alte Brücke in ein noch wunderschöneres, altes Dorf mit Steinhäusern. An der Biegung wieder eine Kirche die geöffnet ist. Fast in jeder Kirche sitzt jemand mit Stempel und Kugelschreiber bewaffnet, um den vorbeikommenden Pilgern einen Stempel zu geben. Uns wurde gesagt, dass es sich auf den letzten 100 km empfiehlt, pro Tag mindestens 2 Stempel an verschiedenen Orten zu sammeln.
Sabine hat mir per SMS das Hostel und die Zimmernummer durchgegeben.
Die moderne Technik lotst mich dann direkt bis vor die Haustür der Pensión Berenguela. Übrigens hilft uns das HTC mittlerweile auch perfekt beim Uebersetzen von Deutschen in Spanische und umgekehrt. Wir quasseln ins HTC-Mobiltelefon und Mr. Google-Translator überstetzt uns blitzschnell ins Spanische mit Schrift und Laut. Und wir lernen noch etwas spanisch dabei. Auf diese Weise ordern wir in der Bar Kamillentee für Sabine.
Unter dem Sonnenschirm wird uns zu warm und wir wollen an einen kühlen Ort. Wir steuern auf die Kirche ‚Iglesia de San Pedro‘ zu, setzen uns hinein und lassen sie auf uns wirken. Sabine lässt sich noch einen Stempel geben. Ich lasse es lieber, weil in meiner Credential nicht mehr viel Platz ist und unterwegs schon ein paar Stempel gesammelt habe.

Wir setzen uns auf eine Steinbank im Schatten vor der Iglesia de San Pedro und ich arbeite noch etwas am Tagebuch.

Plötzlich steht Melanie aus Holland mit Ihrem Freund vor uns. Sie hat in Ponferrada auf Ihren Freund gewartet, der ab hier mitgelaufen ist. Wir haben sie zum letzten Mal in Molinaseca bei 220,9 km am 11. Juni gesehen. Jetzt sind wir bei 57,5 km vor Santiago, 11 Tage später. Die Freude war riesengroß, Melanie hat so ein herrlich frisches und angenehmes Wesen.

Sabine braucht zum Stärken eine Suppe. Wir finden die beste Suppe in Mélide in der stilvollsten Bar von Mélide. Nur einheimische ältere Herren im Lokal.
Wir bekommen eine köstliche Gemüse-Kraftsuppe mit viel Knoblauch, das wird uns die notwenige Kraft geben, um morgen gemeinsam weiterzulaufen.
Wir unterhalten uns wieder einmal mit einem netten 66-jährigen Spanier, der viele Jahre in der deutschen Schweiz gelebt und gearbeitet hat. Er erzählt uns viele interessante Dinge über Galicien. Nämlich, dass Franco die galicische Sprache unterdrückt hat, wie es mit der Politik in Galicien steht und dass jetzt in den Schulen seit 78 wieder zweisprachig unterrichtet wird. Galicisch soll dem Potugiesischen ähnlicher sein, als dem Spanischen. Er meint, Galicier haben zwar Ihren Nationalstolz, sind aber nicht gar so fundamentalistisch wie zum Beispiel Basken.
So haben wir ganz nebenbei noch ein bisschen kulturellen, galicischen Unterricht in schweizer Dialekt erhalten.

Wetter: Sonnig und warm, aber angenehm

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Zwei Ruhetage in Palas de Rei

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Zwei Ruhetage in Palas de Rei
Palas De Rei, Spain

Palas De Rei, Spain


Die heutige Geschichte ist relativ kurz: Ruhetag in Palas der Rei

Gute Nachricht: Die Magen-Darm-Geschichte ist überstanden.
Die schlechte Nachricht: Vermutlich hat der starke Flüssigkeitsverlust eine Migräne ausgelöst.
Jetzt heißt es: Abwarten und Teetrinken.

Heute abend wollte ich einkaufen gehen, da stellte ich fest, dass ich meinen Geldbeutel mit allen Karten darin, nicht mehr finden konnte. Einzige Möglichkeit: Ich habe ihn gestern Abend irgendwo am Computer in der Bar liegen lassen. Ziemlich aufgeregt bin ich zur Cafe-Bar ‚Vilariño“ nebenan gegangen. Und tatsächlich hat der Barkeeper die Geldbörse gefunden und in Sicherheit gebracht und sogar die Polizei informiert. Ich will nur soviel sagen: Für den Finder hätte es sich gelohnt ihn zu behalten.
Dem Barkeeper habe ich einen großzügigen Finderlohn gegeben, welchen er sogleich mit einem Freibier quittierte.

Es gibt doch noch ehrliche Menschen.

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Von Hospital de Cruz nach Palas de Rei (574 m)

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Von Hospital de Cruz nach Palas de Rei (574 m)
Palas De Rei, Spain

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Nur ein ‚Walross‘, das die ganze Nacht auf dem Rücken lag, störte die sonst ruhige Nacht. Sein Schnarchen vibriert durch die Ohrstecker hindurch. Aber es ist gedämpft genug, dass wir gut schlafen können.

Wir frühstücken in der Bar nebenan und treffen einen Deutschen aus Münster und einen Schweizer, der viele flüssigkeitsgefüllte, dicke Pickel auf der Stirn hat. Er vermutet, dass die Allergie durch seinen Hut (Made in China) ausgelöst wurde. Auf seine Frage, ob jemand von uns medizinisch bewandert sei, antworte ich: ‚Ich bin Hobbychirurg!‘ Aber das nütze ihm leider nichts. Ich hätte durch jeden einzelnen Pickel mit einer Nadel eine Faden hindurch gezogen, so wie die Spanier Ihre Blasen an den Füßen behandeln. 🙂 … er wollte aber lieber einen richtigen Arzt konsultieren. Wer den Schaden hat … 🙂

Der Pfad geht über die Überführung der Schnellstrasse und führt zunächst als geschotterter Gehweg parallel zur Straße entlang. Kurz vor Ligonde steht links ein sehr schönes steinernes Wegkreuz aus dem 17. Jh. Das Kreuz zeigt zwei Personen. Auf der einen Seite Christus am Kreuz und auf der anderen Seite die Jungfrau Maria. Das ist in Galicien so üblich.
Weiter geht es durch kleine Dörfer, wo gerade die Straßen neu betoniert werden. Ich frage mich, wie die Betonmischfahrzeuge hier hinein kommen, denn es geht hier furchtbar eng zu. Am Wegesrand steht jetzt auch ein altes Pilgerhospital aus längst vergangener Zeit. Wie bereits zuvor führt der Weg durch kleinste Siedlungen nach Palas de Rei.

Noch vor Palas de Rei – in Portos – legen wir ene kurze Energie-Pause ein.
Cola und Bananen, um wieder zu Kräften zu kommen.

Es geht kurz steil bergauf und am Ortsausgang befindet sich ein Friehof, dessen Grabkammern zur Straße hin zeigen (Foto). ‚Ruhestätte‘ ist hier der falsche Ausdruck. Bei einer Beerdigung muss bestimmt die Strasse gesperrt werden.

Sabine geht es heute nicht gut, im Bauch grummelt es heftig. Mir ist aber auch etwas flau im Magen. Irgendwie stehen die Zeichen auf eine Magen-Darm-Infektion. Deshalb steuern wir bereits nach 13 km das Hostel ‚Hospedaje Arcos‘ in Palas de Rei an. Der Ortsname erinnert zwar an einen längst verschwundenen Königspalast, sonst ist die gesichtslose Stadt aber ein gutes Beispiel für unsensible Stadtplanung. Wir machen einen ausgedehnten Mittagsschlaf im Hostel. Hoffen wir mal, dass die Magen-Darm-Verstimmung relativ schnell wieder überstanden ist und wir morgen wieder weiter können.

Hier gibt es wieder schnellen Mobilfunkempfang für mein HTC und lade alle fehlenden Fotos und Videos vom Vortag und von heute hoch. In einer Bar mache ich dann noch den letzten Feinschliff am PC, während Sabine im Hostel liegt und sich gesund schläft.

Schaut Euch also auch nochmal den Eintrag von gestern an, es gibt einige neue Fotos und Videos.

Wetter: bewölkt und frisch, die Sonne zeigt sich dennoch zwischendurch

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