René van der Voorden

19.06.2019 Camino Primitivo: Von Vilamaior nach Santiago de Compostela


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Erkenntnis des Tages: 
Glücklich. Ein bisschen stolz. Und eine wundervolle Überraschung ….


Der Ruhetag ist beendet. Jetzt sind die Akkus wieder voll und wir sind bereit, die letzten 11 km nach Santiago in Angriff zu nehmen. Nach dem Frühstück dürfen wir zur Erinnerung noch ein gemeinsames Foto mit unserem sympathischen Hostaliero machen. Es hat uns super im Casa de Āmancio gefallen. Muchas gracias!

Netter Gastgeber

Heute merken wir wieder sehr schnell, dass wir auf der last💯zone unterwegs sind. Die Pilger reihen sich auf wie an einer Perlenkette und viele davon haben entweder gar nichts auf dem Rücken, oder nur eine Trinkflasche in der Hand.

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18.06.2019 Camino Primitivo: Ruhetag in Vilamaior


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Erkenntnis des Tages: 
In der Ruhe liegt die Kraft


Die beiden letzten Tage haben uns sehr viel Kraft gekostet. Man könnte auch sagen, dass wir uns blutleer und ausgelaugt fühlen. Nicht einmal zum Schreiben des Blogs reicht die Energie. Daher beschließen wir, nach 18 Wandertagen einen Ruhetag einzulegen. Es ist ein ruhiges Hotel mit unglaublich angenehmem Servicepersonal und Menüs der etwas gehobenen Kategorie. Ein Ort, an dem man sich sehr wohl fühlt. Außerdem ist der Camino ein Weg, der entschleunigen soll. Unsere Beschleunigung hat dem Ganzen nicht gut getan, drum ändern wir unseren Plan ein zweites Mal und nehmen doch wieder die zuerst geplante Variante. Nämlich, nach Santiago de Compostella laufen und dann mit dem Zug nach Pontevedra.

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17.06.2019 Camino Primitivo: Von Salceda nach Vilamaior


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Erkenntnis des Tages: 
Nur die Frösche hatten ihren Spaß


Ausgeschlafen und dennoch furchtbar müde schleppen wir uns zum Frühstückstisch. Nach dem Kaffee und Frühstück geht’s uns leider auch nicht viel besser. Heute ist der erste Tag, an dem wir uns beide den ganzen Tag nur Schritt für Schritt quälen und auch nicht gut fühlen. Vermutlich hätten wir heute mal einen Ruhetag gebraucht. Wahrscheinlich stecken uns noch die knapp 30 Kilometer von gestern in den Knochen. Es stellt sich auch eine gewisse Wehmut ein, denn es wäre der letzte Tag zum ernannten Ziel gewesen. Das ging uns bisher immer so, dass der letzte Tag nach Santiago nicht der Fröhlichste war. Man sollte denken, froh zu sein das Ziel erreicht zu haben. Aber andererseits ist es dann auch alles wieder vorbei. All diese schönen Erfahrungen, Erlebnisse und Begegnungen. Alles vorbei. Einfach so.

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16.06.2019 Camino Primitivo: Von Melide nach Salceda


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Erkenntnis des Tages: 
Im Paradies angekommen!


Um 6:30 hat der Wecker geklingelt. Aber irgendwie war mir noch nach ein bisschen mehr Schlaf. Deshalb noch mal kurz auf stumm geschaltet. 10 Minuten später schalten wir dann doch den Wecker aus und stehen auf.

Beim Blick auf das Mobiltelefon, erscheint eine Facebook-Messenger-Nachricht. Marco aus der Pfalz hat uns über Facebook gefunden und sich gemeldet. Er ist inzwischen eine Etappe vor Finisterre und hat sich heute morgen den Fuss auf der Treppe abgeknickt. Nun ist der Fuß dick angeschwollen und er versucht dennoch die letzte Etappe zu laufen. Meine kurze Recherche zeigt, dass er ein Buch über seine Radtour auf dem Camino geschrieben hat und er meinen Blog gefunden hat. Das Buch habe ich gleich mal bei ihm bestellt. Ich würde mich freuen, wenn er daran denkt und es mir zuschicken würde.

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15.06.2019 Camino Primitivo: Von As Seixas nach Melide


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Erkenntnis des Tages: 
Dumm gelaufen (wörtlich genommen)


Gestern Abend beim Abendessen in der nahegelegenen Bar war es dann noch sehr angenehm. Ich war nämlich der Hahn im Korb und umringt von vier hübschen Frauen am runden Tisch. Das hat man nicht alle Tage. Zu meiner Linken saß eine quirlige Koreanerin, zur Rechten ein junge Frau aus Tschechien und mir gegenüber eine flotte Italienerin und daneben meine Geliebte aus Deutschland. Der Vorteil für mich war, dass ich mich berieseln lassen konnte, denn ich kam kaum zu Wort und hatte dabei stets einen schönen Anblick. Am Nebentisch sitzt ein gut erhaltener Rentner aus Franken, der bereits seit 2 Jahren unterwegs ist und keinen festen Wohnsitz mehr hat. Er läuft die Jakobswege kreuz und quer, rauf und runter. Er kennt auch die Jakobswege, die sonst kein Mensch läuft. Mit einem Segelschiff ist er über den Atlantik quasi per Anhalter mitgefahren und hat dort den berühmt berüchtigten Appalachian Trail in 4 Monaten gelaufen. Ein zäher Hund, das sieht man ihm schon an.

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14.06.2019 Camino Primitivo: Von San Román nach As Seixas


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Erkenntnis des Tages: 
Irgendwo im Nirgendwo (Song von Stephan Ullmann)


Heute Nacht hatte ich einen ganz klaren Traum. In diesem Traum wurden wir gefragt, ob wir zu Fuß zur nächsten Herberge laufen wollen, oder lieber mit einer Sänfte getragen werden wollen. Wir entschieden uns gemeinsam für die Sänfte. 😄 Kurze Zeit später kam ein Jaguar Cabriolet vorbei gefahren und hielt an. Es saß ein äußerst adrett gekleidetes Pärchen vorne im offenen Cabrio. Hinten im Wagen war der Rand mit Leder ausgekleidet, allerdings hing das Leder in Fetzen herunter. In der Mitte befand sich ein tolles flauschigen Bett, allerdings war alles total verstaubt. Das Pärchen fragte uns, ob wir nicht lieber mit Ihnen fahren wollten, statt in der Sänfte getragen zu werden. Wir nahmen dankend an und legten uns unter die verstaubte Bettdecke. Der Jaguar fuhr los und kurze Zeit später schwamm der Cabrio auf dem offenen Meer. Die Wellen wurden immer höher. Mit der ersten Welle ins Cabrio bin ich aufgewacht.

So, liebe Leser, Traumdeuter oder diejenigen, die es werden wollen. Schreibt mir Eure Ideen und Vorschläge gerne in den Kommentar. 👻

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13.06.2019 Camino Primitivo: Von Lugo nach San Román


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Leider hat die Routenaufzeichnung heute nicht geklappt. Laut Reiseführer sind es von Lago nach San Román 19,6 km. Dazu kommen noch der Weg auf der Stadtmauer und ein kleiner Umweg zu einer Bar. Geschätzte Entfernung heute 22 km.


Erkenntnis des Tages: 
Straße, Asphalt, Bitumen und Teer. Nichts lieben wir mehr.


Vorwort: Wenn der heutige Reisebericht etwas komisch aussieht, dann könnte es eventuell daran liegen, dass ich ihn mit einem etwas erhöhten Alkoholspiegel verfasst habe. Ich bitte deshalb 1000 Mal um Verzeihung!

Wir frühstücken in der nahegelegenen Cafébar gegenüber des massiven Tors, das die Stadtmauer durchbricht. Da wir einen kleinen Stadtrundgang bereits gestern gemacht haben, umrunden wir einen Teil der gigantischen historischen Mauer, auf der ein breiter Pfad angelegt ist, beginnend am Aufgang der Puerta de San Pedro. Von hier oben hat man gute Ausblicke auf die Stadt. Linkerhand die Altstadt, rechts der Mauer die neueren Häuser.

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12.06.2019 Camino Primitivo: Von Castroverde nach Lugo


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Erkenntnis des Tages: 
Ab jetzt: Restkilometer 2-stellig


Der gestrige Abend war dann noch eine Überraschung, die man im Reisebericht erwähnen sollte. In der Bar mit der abgeschlossener Pension Cortes bediente uns eine Frau, die uns die Auswahl des Pilgermenü in deutscher Sprache aufsagte. Die holländische Pilgerin sprach davon, dass sie mit ihr holländisch gesprochen hätte. Ich lobte sie für ihr Sprachtalent und kam mit ihr ins Gespräch. So nach und nach ließ sie dann erblicken, dass das längst nicht alles ist. Sie spricht, englisch, französisch, italienisch, spanisch, deutsch, niederländisch, portugiesisch, galego oder galicisch, weiterhin studiert sie jetzt arabisch. Vermutlich hat sie noch ein paar andere Sprachen unterschlagen, sie war nämlich eher eine bescheidene und zurückhaltende Person. Sie sagt wenn man mal 3-4 Sprachen spricht, lernt man die anderen Sprachen sehr viel schneller. Ich spreche zwar auch 3 Sprachen, aber weit davon entfernt zu behaupten, dass ich jetzt schnell eine 4. Sprache lernen könnte. Eine unscheinbare aber interessante Erscheinung, die es aber ziemlich faustdick hinter den Ohren hat. Gerne hätte ich mehr über sie erfahren. Warum arbeitet eine so talentierte Person in einer einfachen Bar/Pension und nicht im Goethe-Institut? Fragen, die wohl für immer unbeantwortet bleiben.

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11.06.2019 Camino Primitivo: Von Cadavo-Baleira nach Castroverde


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Erkenntnis des Tages: “Langsam macht schnell glücklich.” (Christof Hermann) #langsamkeit #slowlife #glück


Das Wandern (oder Pilgern) ist im Vergleich eine sehr langsame Fortbewegung für einen modernen Menschen. Heute hasten wir mit dem Flugzeug, Zug oder Auto hektisch von A nach B und weiter nach C, leben nur noch nach der Armbanduhr und vergessen dabei schnell, dass wir nur einmal leben. Alles kann uns nicht schnell genug gehen. Der Autofahrer vor uns ist ein langsamfahrender Trottel, obwohl er im Vergleich zu uns locker 25 Mal schneller unterwegs ist. Der nur auf der linken Spur fährt ist sowieso ein Vollidiot. In der Warteschlange drängeln sich alle zur nächsten Kasse vor, die gerade aufmacht, nur um ein paar Minuten einzusparen. Oftmals vergebens. Ich gebe zu, dass ich mich häufig auch in einer solchen Mühle befinde und den Augenblick oder die schönen, kleinen Dinge des Lebens oft gar nicht mehr wahrneme, geschweige denn genießen kann. Für mich gibt es kaum eine bessere Art, diesem Hamsterrad zu entkommen und zu entschleunigen, als das Streckenwandern oder das Pilgern. Man nimmt alles sehr bewusst war. Man hat Zeit, die Langsamkeit zu genießen und ist dennoch nicht gelangweilt, da man ja in ständiger Bewegung ist und die anderen Sinne wie Riechen, Hören und Sehen geschärft werden. Man ist einfach schnell ein glücklicher Mensch. Deshalb gefällt mir das Zitat von Christof Hermann so gut und wurde auch zur Erkenntnis des Tages erkoren. Es beschreibt das Gefühl des Wanderns oder Pilgerns mit einem einzigen Satz sehr treffend.

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10.06.2019 Camino Primitivo: Von A Fonsagrada nach Cádavo-Baleira


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Erkenntnis des Tages: 
Glückseligkeit am Pass Alto Lastra


Heute lassen wir den Tag extrem ruhig angehen. Der Gemischtwarenladen, bei dem ist unter anderem auch Wanderschuhe zu kaufen gibt, macht sowieso erst um 9 Uhr auf.

Um Punkt 9 Uhr stehen wir dann vorm Laden auf der Matte. Als wir fragen, ob er Schuhe in der Größe 40 hat, schüttelt er fragend den Kopf und verschwindet erstmal in sein Lager. Es dauert eine ganze Weile, aber schließlich kommt er mit drei Kartons zurück. Juhuuu. Ein paar Schuhe davon haben sogar die richtige Größe, die anderen waren ein bis zwei Nummern zu groß. Ich durchstöbere den Laden nach Dingen, um die defekten Wanderstiefel gegebenenfalls wieder in Schuss zu bringen. Ich finde Patex und Gaffertape. Zwei der wichtigsten Dinge.

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