19.06.2019 Camino Primitivo: Von Vilamaior nach Santiago de Compostela


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Erkenntnis des Tages: 
Glücklich. Ein bisschen stolz. Und eine wundervolle Überraschung ….


Der Ruhetag ist beendet. Jetzt sind die Akkus wieder voll und wir sind bereit, die letzten 11 km nach Santiago in Angriff zu nehmen. Nach dem Frühstück dürfen wir zur Erinnerung noch ein gemeinsames Foto mit unserem sympathischen Hostaliero machen. Es hat uns super im Casa de Āmancio gefallen. Muchas gracias!

Netter Gastgeber

Heute merken wir wieder sehr schnell, dass wir auf der last💯zone unterwegs sind. Die Pilger reihen sich auf wie an einer Perlenkette und viele davon haben entweder gar nichts auf dem Rücken, oder nur eine Trinkflasche in der Hand.

Rucksacklose Pilger

Die letzte Etappe hat immer so eine Mischung aus Freude und Trauer. Die Freude ist groß, dass man es nach Santiago schaffen wird. Gleichzeitig stellt sich auch eine fast traurige oder wehmütige Stimmung ein. Man kann dieses gemischte Gefühl kaum in Worte fassen.

Zwischenziel ist der Monte do Gozo, auf dem das berühmte Pilgerdenkmal steht. Heute zeigt es sich etwas nebelverhangen und hinter einer Absperrung.

Am Pilger-Monument auf dem Monte do Gozo

Unterhalb des Monuments ist die Capella de San Marcos, an der wir unseren vorletzten Stempel für diesen Weg abholen. Ab hier sind es ungefähr noch 5 km bis zur Kathedrale.

Vorletzter Pilgerstempel

Wir versuchen, jeden Schritt und jeden Meter auf dem Weg dorthin zu genießen. Den Meisten kann es nicht schnell genug gehen, bei uns ist es genau umgekehrt. Wir versuchen den Moment des Erscheinens der Kathedrale so lange wie möglich hinaus zu ziehen. Unsere ganz eigene Art mit diesem spannenden Augenblick umzugehen. Wir gehen sogar vorher noch in eine Bar und trinken ganz in Ruhe einen Kaffee.

… nur noch 330 spannungsvolle Meter …

Aber schließlich kommt er doch schneller als erwartet. Der Augenblick auf den wir 315 km hin gearbeitet haben. Das Glücksgefühl übernimmt jetzt das Ruder. Wir sind angekommen. Nach 315 schweißtreibenden Kilometern. Viele tausend kleine Schritte über unzählige Berge und Täler. Und nun haben wir es geschafft. Viele tolle Begegnungen und ebensoviele tolle landschaftliche Ausblicke hat dieser Weg mit sich gebracht. Jetzt feiern wir unseren Camino Primitivo. Ein Schmelztiegel aller Nationen dieser Welt. Hier werden dutzende Sprachen gesprochen. Santiago hat uns mit offenen Armen empfangen.

Hier freut sich jeder, egal ob schwarz, weiß oder gelb, ob gläubisch oder nicht.

Asiatische Pilger

Der Vorplatz der Kathedrale ist zwar einerseits ein Rummelplatz, andereseits ein Platz der überschwenglichen Freude. Die Freude, es geschafft zu haben. Die Freude, dass andere es auch geschafft haben. Die Freude, den ein oder anderen Mitpilger wieder zu treffen. Und wenn man selbst niemanden trifft, so freut man sich, wenn Andere sich wiedersehen.

ANGEKOMMEN: An der Kathedrale von Santiago de Compostela

Aber der Camino wäre nicht der Camino, wenn nicht doch noch etwas Unglaubliches passieren würde. Wir betreten das Pilgerbüro, um unsere Compostela abzuholen und wer kommt uns freudestrahlend entgegen? Marco aus der Weltstadt Völkersweiler/Pfalz! 16 Tage haben wir uns nicht mehr gesehen. Und wir treffen uns wieder in einer Großstadt, wo tausende Pilger herumlaufen, genau an diesem einen Ort. Unglaublich! Das ist aber noch nicht alles. Marco hat seine Compostela schon abgeholt. Nach einem längeren Gespräch verabschieden wir uns von Marco, um unseren finalen Stempel und die Pilgerurkunde abzuholen. Aber sowohl wir, als auch er haben nicht an ein gemeinsames Foto gedacht. Ich laufe ihm noch kurz hinterher, aber er ist schon in der Menschenmenge verschwunden.

Marco hatte wohl den gleichen Gedanken und blieb geistesgegenwärtig in einem Café sitzen. So treffen wir uns ein zweites Mal, quatschen noch eine ganze Weile und holen das gewünschte Foto nach.

Fröhliches Wiedersehen

Wir laufen noch gemeinsam ein Stück durch die Stadt, bevor sich unsere Wege wieder trennen. Marco genießt den Tag noch in Santiago und wir fahren mit dem Zug nach Pontevedra.


Dort haben wir noch drei Tage Zeit, um ein wenig Urlaub zu machen, die Sonne anzubeten, die spanische Lebensart aufzusaugen und Kulinarisches zu genießen.

Wir überlegen hin und her, was wir mit Sabine’s defekten Wanderschuhen machen sollen. Mitnehmen und zu Hause reparieren lassen? Wir haben nur 10kg die wir mit zurück nehmen können und wir haben uns für das Lila Downs Konzert schön gemacht und die Einkaufstüten gefüllt.

Neu eingekleidet für Lila

Andererseits ist bei den Wanderschuhen nicht nur die Sohle kaputt. Wer weiß ob sich eine Reparatur überhaupt noch lohnt. Daher entscheidenden wir uns für ein trauriges aber feierliches Entsorgen.

Trauriger Abschied

Kurz nachdem die Wanderschuhe die Daseinsberechtigung verloren haben, spielt ein paar Straßenecken weiter ein Straßenmusiker die Hyme auf Sabine´s Wanderschuhe „These boots are made for walking!“.


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Hymne auf Sabine´s Wanderschuhe

Der krönende Abschluss unserer Pilgerreise ist dann das Konzert von Lila Downs in Pontevedra.

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